Sie stritten sich, sie unternahmen immer öfter etwas ohne den anderen und schliefen auch kaum mehr miteinander. Nach 4 Jahren führten sie dann ein letztes großes Beziehungsgespräch mit dem Resultat, dass sie ihre Beziehung als gescheitert ansehen mussten. Sie hielten es für besser, sich zu trennen. Obwohl sich das so sachlich anhört, hatte sie mächtig daran zu knabbern. Sie musste immerzu an all die schönen Dinge denken, die sie miteinander erlebt hatten, an die erste Zeit der großen Verliebtheit. Es tat sehr weh, auch noch viele Monate nach der Trennung. Sie fiel aus allen Wolken, als sie von einem Bekannten erfuhr, dass Ihr Freund, nicht nur schon wieder eine neue Freundin hatte, sondern die Hochzeit der Beiden bereits geplant war. Wie kann er nur, frage sie sich fassungslos. Hat ihm unsere Beziehung so wenig bedeutet, dass er sich so schnell mit einer Neuen getröstet hat? Und wieso heiratet er sie auch noch gleich?

Schon öfter haben wir gelesen oder gehört, dass sich Männer nach einer Trennung schneller wieder neu verlieben, während die meisten Frauen eine längere Zeit brauchen, um ihre Wunden zu lecken. Zeit brauchen, um sich wieder emotional auf einen Mann einzulassen und um das Ende der Beziehung zu betrauern. Mögliche Ausnahme: Wenn die Frau die Beziehung beendet hat, weil ein anderer Mann in ihr Leben getreten ist.

Warum scheint es aber meist so zu sein, dass, während die Frau noch die Beziehung und vor allem deren Ende verarbeitet, der Mann schon wieder eine neue Frau an seiner Seite hat?  Ist es vielleicht so, dass ihn die neue Frau einfach über die „alte“ hin weg tröstet? Und er sich dessen vielleicht gar nicht bewusst ist? Zugegeben es klingt verlockend, die Zeit nach der Trennung nicht mit weinen oder trauern zu verbringen, sondern sich einfach schnell neu zu verlieben und wieder glücklich zu sein. Wer möchte nicht lieber glücklich als unglücklich sein?  Doch um wirklich glücklich sein zu können, sollten wir auch wahr nehmen, wenn wir es nicht sind. Diesem Zustand entfliehen zu wollen, ist menschlich und verständlich, doch für unsere Entwicklung nicht unbedingt förderlich.

Jeder Mensch geht anders mit einer Trennung um, zweifellos. Die meisten Männer jedoch, ertragen den Zustand des Alleinseins weniger gut, als Frauen. Das bedeutet nicht, dass Männer überhaupt nicht leiden, nur dass sie meist einen Weg finden, diesem Zustand schnell zu entfliehen. Sie stürzen sich in die Arbeit, den Sport oder in eine neue Liebe. Das lenkt sie ab und letzteres stärkt dazu noch ihr angekratztes Ego, wenn sie die Verlassenen waren. Sie gehen das Ganze pragmatischer an, sind seltener als Frauen von Selbstzweifeln gebeutelt und gehen, anstatt der gescheiterten Beziehung nach zu trauern, lieber eine neue ein. Beneidenswert, oder?

Wie viel Zeit verbringen die meisten Frauen dagegen damit, sich mit Selbstvorwürfen und den Gedanken daran, was sie hätten anders und besser machen sollen, zu zerfleischen? Gibt es nicht einen goldenen Mittelweg?  So in der Art, dass man sich -ohne Selbstkasteiung- mit der gescheiterten Beziehung aus einander setzt, einfach um gemachte Fehler bei der nächsten Beziehung zu vermeiden. Aber auch um sich selber und dem anderen zu verzeihen, um abschließen zu können und sich nicht in seinen Gefühlen zu verzetteln. Keine Lösung ist es, sämtliche Gedanken daran ganz zu verdrängen und sich einfach kopfüber in eine neue Liebe zu stürzen. Vielleicht gelingt es damit, dem Schmerz zu entfliehen, doch irgendwann landet man wieder dort wo man schon war, wenn auch diese Liebe zerbricht.

Eine Trennung ist auch immer eine Chance auf einen Neubeginn, doch nur, wenn wir uns die Zeit geben, sie  wirklich zu verarbeiten und daraus zu lernen. So wie wir Frauen, wenn wir mit der Freundin zum 100. Mal darüber reden und uns ausheulen. Wir brauchen das, im Gegensatz zu den Männern, die sich eher selten bei ihren Kumpels darüber auslassen, höchstens um gemeinsam über die "Weiber" zu schimpfen. Na ja, ganz ehrlich, das machen wir Frauen ja auch, das mit dem schimpfen über die "Kerle" … Gehört sicher zum verarbeiten dazu.

Davon abgesehen frage ich mich, auf welchem Grund es mich so sehr berührt hat, dass sich mein Ex so schnell wieder auf eine neue Beziehung eingelassen und diese Frau sogar geheiratet hat. Habe ich unsere Beziehung im Nachhinein dadurch entwertet gesehen? Fühlte ich mich betrogen, weniger geliebt? Nach mittlerweile sehr langer Zeit, bin ich der Ansicht, dass es wohl eher um meine gekränkte Eitelkeit ging. Ich weiß, dass wir im Grunde nicht zusammen passten und mehr das Bild geliebt haben, dass jeder von dem anderen hatte. Wir liebten die Vorstellung, die wir vom anderen hatten, anstatt die Person zu sehen, die wir wirklich waren. Gut, dass ich das erkannt habe. Vielleicht mache ich ja was draus und beim nächsten Mann wird alles anders …