1) Mein Leben ohne Dich
Heute ist der 15. Januar2006
Dieses Datum ist für immer in meiner Seele eingebrannt.
Unauslöschlich!
Du wurdest gerufen---und Du folgtest
Du hattest keine Wahl. Nur drei Monate wussten wir, wie krank Du warst. Du wolltest gesund werden und tatest alles dafür.
Magenspiegelung: Heliobacter machten Dir zu schaffen. Die Medikamente wirkten nicht.
Rückenschmerzen: Du konntest nicht liegen. Die ganze Nacht liefst Du in der Wohnung umher. Wir dachten an einen Bandscheibenvorfall.
Röntgen: Die Bilder zeigten keinen Befund.
Darmspiegelung: Auf der linken Seite oben war ein Fleck. Ich war dabei als es gemacht wurde. Der Arzt meinte, keine große Sache, damit werden wir leicht fertig. Aber er sprach auch von der Bauchspeicheldrüse. Wir nahmen das kaum zur Kenntnis.
Du nahmst jeden Tag ab. Zuerst waren es 100 gr. und Du freutest Dich, weil Du mich langsam überholt hattest. Als aber die Gewichtsabnahme immer größer wurden und Du dadurch bedingt, auch schlechter aussahst, hast Du eine Blutanalyse machen lassen.
Diabetes: Wir stellten die Mahlzeiten um, aber Du hattest keinen Appetit. Das freute Dich, weil Dein Blutzucker dadurch immer schön konstant blieb.
Mitte Oktober: Krankenhausaufenthalt. Nach endlos langen Untersuchungen stand der OP Termin fest.
Du gingst ohne Angst und kamst mit viel Hoffnung zurück.
Anfang März wollten wir unsere goldene Hochzeit feiern. Das Lokal war schon ausgesucht, die Gästeliste geschrieben. Du hattest eine Kreuzfahrt gebucht.
"Übermorgen dürfen Sie nach Hause," sagte der Arzt.
Am nächsten Tag wurde Dir noch einmal Blut abgenommen. Wir dachten, sie wollten auf Nummer sicher gehen.
Am Entlassungstag: Es wurde immer später bis der Arzt kam.
15 Uhr 10: Die Erde tat sich auf und verschlang uns.
Bauchspeicheldrüsen Krebs: Den Schlimmsten den es gibt.
"Wie hoch sind meine Chancen," fragtest Du.
"30%" war die Antwort.---"Das reicht mir," Du darauf.
Ich wollte wissen, wie viel Zeit Dir bliebe, ohne OP.
"Schwer zu sagen," meinte der Arzt.
"Würden Sie es machen lassen, wenn Sie diese Krankheit hätten?"--- "Ja, unbedingt."
Diese Erwiderung hatte Dir gereicht.
Der Arzt erklärte uns, dass es drei Teile von diesem Organ gibt, Kopf, Rumpf und Schwanz. Ist der Krebs im ersteren oder letzteren, ist er gut zu operieren. Im Rumpf ist es mit großen Schwierigkeiten verbunden.
"Bitte lass Dich nicht operieren, wir haben dann vielleicht eine geringe Chance, dass in der Forschung etwas Neues entdeckt wird." Aber Du sagtest: "So kann ich nicht weiterleben."
Denn Deine Schmerzen im Rücken waren stärker geworden.
Mittlerweile bekamst Du schon Morphium. Jede Woche 25 Einheiten mehr. Du warst schon bei 100 angelangt und hattest große Angst. Du hast gewartet und gewusst, dass am nächste Morgen wieder eine Erhöhung sein muss.
Angst, dass irgendwann die Möglichkeiten erschöpft sind.
Morphium wird auf Pflaster verabreicht. Die Dosen werden jeweils im 25 Einheiten Rhythmus erhöht. In schlimmen Fällen muss man andere Medikamente ausprobieren.
Wer Dich vor zwei Monaten sah, wäre nicht auf den Gedanken gekommen, dass Du es bist.
Du hattest vor nichts Angst, weder vor dem Zahnarzt, noch vor Deinen Augenoperationen. Du kanntest das Gefühl nicht, aber wenn doch, konntest Du es gut verbergen. Jedenfalls hast Du es nicht gezeigt.
"Sie können morgen nach hause gehen, machen Sie sich noch ein paar schöne Tage". Das wurde uns gesagt. --- Unerhört.
Einem Todkranken solch einen Rat zu geben, heißt so viel wie, "Sie haben eh keine lange Zeit mehr." Ich hätte ihm am liebste eine Ohrfeige gegeben.
Fortsetzung folgt
Unauslöschlich!
Du wurdest gerufen---und Du folgtest
Du hattest keine Wahl. Nur drei Monate wussten wir, wie krank Du warst. Du wolltest gesund werden und tatest alles dafür.
Magenspiegelung: Heliobacter machten Dir zu schaffen. Die Medikamente wirkten nicht.
Rückenschmerzen: Du konntest nicht liegen. Die ganze Nacht liefst Du in der Wohnung umher. Wir dachten an einen Bandscheibenvorfall.
Röntgen: Die Bilder zeigten keinen Befund.
Darmspiegelung: Auf der linken Seite oben war ein Fleck. Ich war dabei als es gemacht wurde. Der Arzt meinte, keine große Sache, damit werden wir leicht fertig. Aber er sprach auch von der Bauchspeicheldrüse. Wir nahmen das kaum zur Kenntnis.
Du nahmst jeden Tag ab. Zuerst waren es 100 gr. und Du freutest Dich, weil Du mich langsam überholt hattest. Als aber die Gewichtsabnahme immer größer wurden und Du dadurch bedingt, auch schlechter aussahst, hast Du eine Blutanalyse machen lassen.
Diabetes: Wir stellten die Mahlzeiten um, aber Du hattest keinen Appetit. Das freute Dich, weil Dein Blutzucker dadurch immer schön konstant blieb.
Mitte Oktober: Krankenhausaufenthalt. Nach endlos langen Untersuchungen stand der OP Termin fest.
Du gingst ohne Angst und kamst mit viel Hoffnung zurück.
Anfang März wollten wir unsere goldene Hochzeit feiern. Das Lokal war schon ausgesucht, die Gästeliste geschrieben. Du hattest eine Kreuzfahrt gebucht.
"Übermorgen dürfen Sie nach Hause," sagte der Arzt.
Am nächsten Tag wurde Dir noch einmal Blut abgenommen. Wir dachten, sie wollten auf Nummer sicher gehen.
Am Entlassungstag: Es wurde immer später bis der Arzt kam.
15 Uhr 10: Die Erde tat sich auf und verschlang uns.
Bauchspeicheldrüsen Krebs: Den Schlimmsten den es gibt.
"Wie hoch sind meine Chancen," fragtest Du.
"30%" war die Antwort.---"Das reicht mir," Du darauf.
Ich wollte wissen, wie viel Zeit Dir bliebe, ohne OP.
"Schwer zu sagen," meinte der Arzt.
"Würden Sie es machen lassen, wenn Sie diese Krankheit hätten?"--- "Ja, unbedingt."
Diese Erwiderung hatte Dir gereicht.
Der Arzt erklärte uns, dass es drei Teile von diesem Organ gibt, Kopf, Rumpf und Schwanz. Ist der Krebs im ersteren oder letzteren, ist er gut zu operieren. Im Rumpf ist es mit großen Schwierigkeiten verbunden.
"Bitte lass Dich nicht operieren, wir haben dann vielleicht eine geringe Chance, dass in der Forschung etwas Neues entdeckt wird." Aber Du sagtest: "So kann ich nicht weiterleben."
Denn Deine Schmerzen im Rücken waren stärker geworden.
Mittlerweile bekamst Du schon Morphium. Jede Woche 25 Einheiten mehr. Du warst schon bei 100 angelangt und hattest große Angst. Du hast gewartet und gewusst, dass am nächste Morgen wieder eine Erhöhung sein muss.
Angst, dass irgendwann die Möglichkeiten erschöpft sind.
Morphium wird auf Pflaster verabreicht. Die Dosen werden jeweils im 25 Einheiten Rhythmus erhöht. In schlimmen Fällen muss man andere Medikamente ausprobieren.
Wer Dich vor zwei Monaten sah, wäre nicht auf den Gedanken gekommen, dass Du es bist.
Du hattest vor nichts Angst, weder vor dem Zahnarzt, noch vor Deinen Augenoperationen. Du kanntest das Gefühl nicht, aber wenn doch, konntest Du es gut verbergen. Jedenfalls hast Du es nicht gezeigt.
"Sie können morgen nach hause gehen, machen Sie sich noch ein paar schöne Tage". Das wurde uns gesagt. --- Unerhört.
Einem Todkranken solch einen Rat zu geben, heißt so viel wie, "Sie haben eh keine lange Zeit mehr." Ich hätte ihm am liebste eine Ohrfeige gegeben.
Fortsetzung folgt
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