Der Beginn
Ich fuhr mal wieder in die Innenstadt ... um ein wenig zu bummeln und einzukaufen. Ich kaufe sehr gerne ein. Auch so profane Dinge wie Lebensmittel. (In meinen früheren Partnerschaften war das Einkaufen fast immer mein Part.) Flachste zum Schluß meiner Einkäufe ... als ich mein braunes Gift mal wieder kaufen mußte, mit dem Zigarillo-Verkäufer meines Ur-Vertrauens rum: "Sind Sie etwa in letzter Zeit fremdgegangen, Herr Cassel?", fragte er mich stirnrunzelnd. "Ja - ich muß gestehen. Leider. Bedienen Sie mich trotzdem noch? ", stotterte ich mit schlechtem Gewissen, mir die Schweißperlen von der Stirn abwischend. Und setzte fort: "In letzter Zeit bin ich ein wenig in der Weltgeschichte rumgedüst. U.a. in Frankfurt und in Hamburg. Auch wegen der Frauen-Fußball-WM. Wollte doch nurmal die Hamburger und Franfurter Zigarillos testen. Wissen Sie was? Die Kasseler schmecken mir am besten. Und sind sowieso die gesündesten !!" Damit hatte ich diesen Menschen meines Urvertrauens besänftigt. Und ihn rumgekriegt, mich doch tatsächlich zu bedienen! Vor Glück strahlend, um 2 Gift-Schachteln bereichert, verließ ich den Laden meines Urvertrauens. (Ach, hätte ich dieses so liebevole "Rumfrotzeln" und Rumflachsen nicht, ... würde das Leben halb soviel Spaß machen, g*.)
Eben: der 11.8.2011, ein ganz gewöhnlicher schöner Tag. Erstmal ...
Genießerische Erholungsphase
Sehr zentrumsnah gibt es bei uns einen friedvollen, ja ... himmlisch-göttlichen ... recht großen freien Platz. Eine Oase der Ruhe inmitten der Stadt ... zur Einladung zu besinnlichen Gedanken. Eine hohe Kirchturm-Ruine blickt einen an. Mahnmal und Relikt der Kasseler Bombennacht vom 22/23. Oktober. Wo 10 000 Menschen ihr Leben lassen mußten (--> zur Kasseler 2. Weltkrieg-Bomben-Nacht, wen`s interessiert, s. PS **). Der älteste aber längst nicht mehr genutzte Friedhof Kassels umgibt diesen Friedplatz. Mit uralten Grabmälern von kulturhistorischer Bedeutung. Nennt sich L u t h e r p l a t z ( http://www.panoramio.com/photo/37387001 ); die Kirche = Lutherkirche.
Im großen Halbkreis sind 6 Bänke aufgestellt. Ich saß auf einer der mittigen. Genoß die Stille inmitten einer überaus belebten, lauten Stadt. Ließ die Gedanken schweifen ... wie immer ... an diesem himmlischen Platz. In jeder noch so großen Großstadt suche ich mir stets meine Oase der Komtemplation. In Hamburg z. Bsp. genieße ich im Hauptbahnhof den "Raum der Stille". Eine Oase der Ruhe, der Stille, der Besinnung, des Meditierens ... inmitten einer tosenden Stadt ! ... ... ... Las schließlich meine zuvor gekauften 2 Zeitungen, rauchte Zigarillos. Eine locker Bekannte kreuzte meinen Weg, erkannte mich und setze sich zu mir. Laberte mich voll. Ich hörte zu und zu und zu und zuuuuuuuuu ... es nahm kein Ende. Sie ist eine Dauerrednerin. Trotzdem war ihre Hyperberieselung recht interessant. Und ich war keineswegs zu. Nach einer 3/4 h und nach einigen mir unangenehmen Berührungen ihrerseits ... verließ sie mich. Dann wieder: Ruhe - Stille - Taubenfüttern war zeitweise angesagt/liebe Tiere über alles - in Gedanken umherschweifend ... genoß ich m e i n e stille, besinnliche Zeit. A l l e i n e - gaaanz alleine. Wurde dann wieder unterbrochen, weil ein nur locker Bekannter vorbeikam u. sich neben mich setzte. Tja - wenn du jahrzehntelang in einer kleinen Großstadt von fast 200 000 Mitbürgern gelebt hast, mußt du dir andere Plätze aussuchen, um alleine zu sein.
Unheilvolle Vorboten
Nebenan ist das Trafohäuschen ( http://www.panoramio.com/photo/37386939 ). Ein kleines "historisches" Häuschen, das schon vor vielen Jahren von der Kasseler alternativen Kunst-Szene okkupiert und umfunktioniert wurde. Wo früher sich freie und alternative Künstler zu (bescheidenen) "Kunstausstellungen" trafen. Etliche Vernissagen (Anm.: zelebrierte Eröffnung einer Kunstausstellung) habe ich dort erlebt. Sooo viele Male Tee oder Kaffee mit Gleich- oder Ähnlichgesinnten dort im kleinen Kreis genossen. Obwohl meine Richtung eher immer die klassiche moderne Malerei war ... bis hin zum ganz Modernen. Tja - früher, *seufz. Heutzutage wird dieser idyllische Platz von der Junky-Szene vollständig besetzt. "Künstler" und Kunst-Beflissene ... sind quasi vertrieben worden. Es traut sich kein normal Sterblicher mehr hin. Meine Einstellung zu diesem stadtbekannten Thema ist mal wieder eine andere. Wie kann`s anders sein ??! Kein Abschaum, der sich hier niedergelassen hat - nein !! Für mich wird immer der M e n s c h Vorrang haben. Immer und überall. Es sind Suchterkrankte, die überall vertrieben werden. Es sind Menschen wie Du und ich. Und jetzt hier ihren Zufluchtsort gefunden haben. Wie schöööööön.
Auch heute wieder waren es so um die 30 Abhängige, von der (meistens Drogen-)Sucht gezeichnet und geplagt, die sich um das Trafohäuschen eingefunden hatten. So an die 100 m von meinem so friedlichen, besinnlichen Ruheplatz entfernt. Und diese so göttliche Ruhe sollte doch sooo teuflisch enden. ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ...
< cut >
Fortsetzung folgt
... in einem Anschluß-Artikel. Neben mir liegen ... eine FAZ dieses Tages, eine heutige HNA (Hessische Allgemeine Zeitung), eine halbvolle Zigarillo-Schachtel. Und alle mit mehr oder weniger mittlerweile eingetrockneten Blut-Spritzern versehen. Als stumme Zeugen eines fast tödlich endenden Tages.
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PS: **
http://de.wikipedia.org/wiki/Luftangriff_auf_Kassel_am_22._Oktober_1943
Zitat daraus: "Kassel gehört neben Dresden, Hamburg, Pforzheim und Darmstadt zu den deutschen Städten mit den höchsten Opferzahlen durch alliierte Luftangriffe"
