Aus diesem Grunde kam es auch immer wieder zu Auseinandersetzungen. Seine Frau konnte es nicht verstehen.
"Stundenlang sitzt Du am See und starrst in das Wasser. Das ist doch sowas von langweilig."
"Ich angele."
"Kannst Du nichts nichts Besseres mit deiner Zeit anfangen? Du sitzt schon seit 40 Jahren dort, rechne mal nach , wie viel Stunden das sind. Was wären wir reich, wenn du in dieser Zeit einer geregelten Arbeit nachgegangen wärst."
Ein Nicht begreifen von Seiten Jim. "Aber es ist doch geregelt."
"Du bist ein notorischer Faulenzer, ich geb`s auf."

So ging das schon, seit sie verheiratet waren. Jim war bei der Amerikanischen Besatzung. Als diese dann abgezogen wurde, blieb er einfach in Eich. Er fand die Leute dort sehr nett, und hatte schnell Anschluss gefunden. Alles in dem Dorf erinnerte ihn an sein zuhause, einem kleinen Vorort von Orlando.
Rosel, ein junges Bauernmädchen,verliebte sich in ihn. Beide waren kaum den Kinderschuhen entwachsen und wussten nichts vom wirklichen Leben.
Jim kam direkt von der High School zum Militär. Er hatte nicht die Möglichkeit einen Beruf zu erlernen. So half er hin und wieder den Bauern auf dem Feld und im Stall.
Er bekam einen kleinen Beitrag monatlich, für seine gerade mal drei Jahre bei der MP.
In der einzigen Diskothek fand er zahlreiche Kumpels. Einmal nahmen sie ihn mit zum Angeln und von nun an tat er sonst nichts mehr.

Am Anfang war Rosel sehr stolz, weil sie einen so gut aussehenden Mann gefunden hatte, aber bald änderte sich das. Jim war die halbe Nacht nicht zu Hause. Er war auf Aalfang.

Rosel verabscheute diese Sorte von Fisch. "Mach dich vom Acker, ich esse sowas nicht."
Traurig verschenkte er seine Beute an die Nachbarn.

Im Altrheinsee fütterte er immer an, das heißt, er holte sich einen Rinderkopf im Schlachthof und hängte ihn ins Wasser. Zwei Tage später hatten sich die Aale dort angesiedelt, sie mussten nur noch gefangen werden.

Rosel wurde mit den Jahren immer zänkischer und die Nachbarn wunderten sich, dass Jim nicht schon längst ausgewandert war.

Gleich nach der Hochzeit stellte er sie seinen Eltern in Florida vor. Er wäre gerne dort geblieben, vielleicht hätte sich alles ganz anders entwickelt, doch Rosel konnte die schwere Luft nicht ertragen. Nach jedem Regenschauer fiel ihr das Atmen schwer. Traurigen Herzens flogen sie wieder zurück nach Deutschland.

Nun fingen die Reibereien an. Beide sahen ein, dass die Hochzeit ein Fehler war, aber eine Scheidung kam nicht in Frage. In so einem kleinen Dorf war das ein Unding. Das war bisher noch nicht vorgekommen.

Beide hatten die 60 nun überschritten, alles wäre soweit noch ertragbar gewesen, hätte Rosel nicht eines Nachts versucht, Jim im Schlaf zu ersticken. Gott sei Dank wurde er wach.
"Du Miststück, was habe ich dir getan?"
Zum ersten Mal verprügelte er sie.

Laut schreien lief sie auf die Strasse. "Ich verlasse dich, merk dir das, ich gehe zu meiner Schwester."
Die Nachbarn hingen an den Fenstern und verfolgten das Schauspiel. So hatten sie Jim noch nicht erlebt. Er warf ihr die Kleidungstücke nach und schrie ihr hinterher: "Hoffentlich bist du bald fort."
"Du wirst schon sehen, wie es dir geht ohne mich," kreischte sie und ihre Stimme überschlug sich dabei.

". Teil folgt