2) Mein Leben ohne Dich
Ich durfte Dir meine Angst nicht zeigen
Sollte man dem anderen die Hoffnung nehmen,--- sollte man ehrlich zueinander sein?
22.12.: Du durftest nach Hause. Essen war schon vorgekocht, Du konntest den Duft nicht riechen. Dir wurde übel davon.
Die erste Nacht seit sechs Wochen wieder in Deinem eigenen Bett. Wir erzählten ein bisschen und dann hast Du die ganze Nacht durch geschlafen.
Beim Frühstück hatte ich einen Fehler gemacht, ich wollte Dir gut, hatte Orangen ausgepresst und ein Ei gekocht. Du konntest nichts essen und sagtest zornig: "Immer musst Du mir alles aufzwingen." Ich wollte doch nur gut, Dich ein bisschen aufpäppeln. Du warst ja nur noch ein Schatten Deiner Selbst. Es tat so weh, Dich leiden sehen und nicht helfen können.
Ich durfte Dir meine Angst nicht zeigen, machte immer ein fröhliches Gesicht. Ich wusste, Du fühlst genau wie ich. Wir kannten uns schon 55 Jahre, da weiß man um jede Regung.
Wir hatten, trotz vielen geschäftlichen Schwierigkeiten , eine gute Ehe, waren mit Deinen Eltern, meiner Mutter und unseren beiden Söhnen eine richtige Großfamilie.
Mit 60 gingst Du in Rente Deiner Augen wegen. Als die Eltern verstarben, Dein Vater mit 88, Deine Mutter mit 93 und meine Mutter ebenfalls mit 93 Jahren, krempelten wir unser Leben total um. Wir wollten reisen, die Welt ansehen. Türkei, Teneriffa, Marienbad, Sylt, Florida waren für die nächsten Jahre unsere Stationen. Wir überwinterten in Gran Canaria, uns ging es gut.
Dein Koiteich und Deine zwei Gärten waren Deine Hobbys. Du warst den ganzen Tag draußen , gönntest Dir keine Ruhe.
Du hattest unsere ganze Wohnung altersgerecht umgerüstet, vor keinem Zimmer machtest Du halt.
Und das solltest Du nicht mehr genießen dürfen?
Es ging Dir immer schlechter. Am Nachmittag waren unsere Söhne da, sie benahmen sich ganz normal. Du gingst ins Wohnzimmer, setztes Dich in Deinen Sessel und nahmst Abschied. Du ließest den Kopf hängen, ich spürte was in Dir vorging und nahm Dich in den Arm.
Es fiel Dir so schwer,--- "was sag ich zu ihr,"--- waren Deine Gedanken. Du drehtest den Kopf von mir weg, Du konntest mich nicht ertragen. Welche übermenschliche Kraft uns das beide gekostet hat, kann man nicht beschreiben. Ich durfte Dir nicht zeigen, wie weh mir war. So machten wir uns beide etwas vor.
Aber was hätte ich bloß tun können? Jetzt im Nachhinein, wüsste ich, das Ehrlichkeit vielleicht angebracht gewesen wäre, doch wäre das nicht herzlos gewesen? Ich weiß es nicht. Hätte man über die Zukunft sprechen können? Wollte ich das so? Ich glaube nicht.
22.12.: Du durftest nach Hause. Essen war schon vorgekocht, Du konntest den Duft nicht riechen. Dir wurde übel davon.
Die erste Nacht seit sechs Wochen wieder in Deinem eigenen Bett. Wir erzählten ein bisschen und dann hast Du die ganze Nacht durch geschlafen.
Beim Frühstück hatte ich einen Fehler gemacht, ich wollte Dir gut, hatte Orangen ausgepresst und ein Ei gekocht. Du konntest nichts essen und sagtest zornig: "Immer musst Du mir alles aufzwingen." Ich wollte doch nur gut, Dich ein bisschen aufpäppeln. Du warst ja nur noch ein Schatten Deiner Selbst. Es tat so weh, Dich leiden sehen und nicht helfen können.
Ich durfte Dir meine Angst nicht zeigen, machte immer ein fröhliches Gesicht. Ich wusste, Du fühlst genau wie ich. Wir kannten uns schon 55 Jahre, da weiß man um jede Regung.
Wir hatten, trotz vielen geschäftlichen Schwierigkeiten , eine gute Ehe, waren mit Deinen Eltern, meiner Mutter und unseren beiden Söhnen eine richtige Großfamilie.
Mit 60 gingst Du in Rente Deiner Augen wegen. Als die Eltern verstarben, Dein Vater mit 88, Deine Mutter mit 93 und meine Mutter ebenfalls mit 93 Jahren, krempelten wir unser Leben total um. Wir wollten reisen, die Welt ansehen. Türkei, Teneriffa, Marienbad, Sylt, Florida waren für die nächsten Jahre unsere Stationen. Wir überwinterten in Gran Canaria, uns ging es gut.
Dein Koiteich und Deine zwei Gärten waren Deine Hobbys. Du warst den ganzen Tag draußen , gönntest Dir keine Ruhe.
Du hattest unsere ganze Wohnung altersgerecht umgerüstet, vor keinem Zimmer machtest Du halt.
Und das solltest Du nicht mehr genießen dürfen?
Es ging Dir immer schlechter. Am Nachmittag waren unsere Söhne da, sie benahmen sich ganz normal. Du gingst ins Wohnzimmer, setztes Dich in Deinen Sessel und nahmst Abschied. Du ließest den Kopf hängen, ich spürte was in Dir vorging und nahm Dich in den Arm.
Es fiel Dir so schwer,--- "was sag ich zu ihr,"--- waren Deine Gedanken. Du drehtest den Kopf von mir weg, Du konntest mich nicht ertragen. Welche übermenschliche Kraft uns das beide gekostet hat, kann man nicht beschreiben. Ich durfte Dir nicht zeigen, wie weh mir war. So machten wir uns beide etwas vor.
Aber was hätte ich bloß tun können? Jetzt im Nachhinein, wüsste ich, das Ehrlichkeit vielleicht angebracht gewesen wäre, doch wäre das nicht herzlos gewesen? Ich weiß es nicht. Hätte man über die Zukunft sprechen können? Wollte ich das so? Ich glaube nicht.
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