In der Nacht träumte ich, dass ich eine Prinzessin sei und ich hatte eine goldene Krone auf dem Haupt. Alle verneigten sich vor mir. Dann kam ein wunderschöner Prinz auf einem schneeweißen Pferd und brachte mich zu seinem Schloss. Schweißgebadet wachte ich auf, mir fielen die Worte meiner
Mutter ein, du bist eine geborene Baroness. In welchem Zusammenhang sie das meinte, blieb mir schleierhaft.

Mein Name ist Beatrice Roderiques. Ich bin in Deutschland in Worms geboren und wohne ab meinem vierten Jahr in El Tablero. Was habe ich mit der Baronin gemeinsam? Meine wunderschöne Mutter kam aus Lindenfels und mein über alles geliebter Vater war in San Nicolas de Tolentino auf Gran Canaria geboren. Meines Wissen hatten beide keine Eltern mehr und auch keine Geschwister.

Nun drehte ich den Packen in meinen Händen hin und her. Welches Geheimnis barg er?
Ich fragte die Pensionswirtin nach dem Weg. Als sie Rotenstein hörte, plapperte sie einfach darauf los. „Kommen sie ans Fenster, von hier aus können sie es sehen.“

Eine trutzige Mauer fest gefügt und uneinnehmbar mit einem kegelförmigen Turm schaute über dunkle Tanne zu uns herunter. Da muss ich hin, das will ich sehen.
Ich war neugierig geworden.
Die Wirtsfrau redete ungefragt weiter, so als habe sie es auswendig gelernt.

„Ja, die alte Frau Baronin lebt schon seit geraumer Zeit ganz allein mit ihrer Hausdame. Ihr Mann der Freiherr, „Gott hab ihn selig“, starb vor drei Jahren bei einem Jagdunfall. Und da war da noch eine Tochter. Jetzt beugte sie sich zu mir, und verschwörerisch wisperte sie leise, „etwas genaues weiß man ja nicht, sie solle mit einem Zigeuner durchgebrannt sein, und ein Kind hatten sie auch.“ –

"Ich werde morgen abreisen, machen sie mir bitte meine Rechnung fertig, und können sie mir noch ein Taxi besorgen“? –

"Oh hier in Fürth gibt es keins, aber in Bensheim. Ich rufe gleich an“, erwiderte sie beflissen. Vor Neugier ging sie dann am nächste Morgen noch bis zum Auto mit, sicherlich hätte sie gerne das Ziel gewusst.

Aber diesen Gefallen tat ich ihr nicht, ich kann Leute nicht ausstehen, welche über andere her ziehen.Der Fahrer horchte auf, als er die Adresse hörte. „Da hinauf verirrt sich sonst niemand, kein Fremder war danach wieder dort. Es ist ein Spukschloss. Die Menschen hier unten erzählen sich hinter vorgehaltene Hand, dass der Geist des alten Baron keine Ruhe findet.“ Dabei bekreuzigte er sich.

„In manchen Nächten heult es schaurig und eine weiße Fahne weht bis hier herunter.“ –
„Das gibt’s es doch nicht, wir schreiben das Jahr 2005.“-
„Wenn es soweit ist, geht keiner mehr auf die Straße, alle Fenster und Türen werden verriegelt.“ –
„Und wann wäre das?“ -
„Immer bei Vollmond, also morgen.“ -
„Na, dann bin ich nicht mehr hier.

Kann ich ihre Karte haben, ich rufe sie an, wann sie mich wieder abholen können.“ -
„Gehen sie hier um die Biegung, dann können sie den Weg nicht verfehlen.“ Der Mann machte, dass er davon kam. Neugierig schritt ich den Pfad entlang und mir ging durch den Kopf, dass das unmöglich der Zugang zur Burg sein konnte. Nur eine schmale ausgetretene Schneise wie von Tieren getrampelt verlief hier. Nun, egal, irgendwann werde ich hinfinden. Noch war ja Vormittag und reichlich Zeit bis zum Dunkelwerden.

Dann plötzlich bog der Weg ab durch den Wald. Jetzt war da eine gut befahrbare Straße.Nach ungefähr zwanzig Minuten lichtet er sich und der Blick auf die Burg wurde sichtbar. Warum hatte der Taxifahrer eine andere Route genommen? Glaubte er auch an die Gespenster?

Der Anstieg in Serpentinen war für mich kein Thema. In Gran Canaria kraxelte ich oft in den Bergen und hier war Asphalt. Noch weitere zwanzig Minuten und ich stand vor einem wunderschönen schmiedeisernen Tor. Ein Flügel war geöffnet uns so schritt ich munter hindurch.

Ich befand mich in einem Park mit alten Bäumen. Rechts und links, des mit Unkraut bewachsenen Weges, war nur Gestrüpp. Doch soviel konnte ich erkennen, darunter erstickten große Rhododendrons und Rosen. Anscheinend wurde nichts mehr gepflegt.

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copyright Linda Bohrmann