Sonntag, 7. und letzter Tag,
…von Sport, Familie und Wiedersehen – einmal anders…
Ein herrlicher Tag! Ich bin schon früh auf und dusche ausgiebig und lasse mir viel Zeit. Jetzt noch ein leichtes Frühstück und den obligatorischen Kaffee… Da schellt es auch schon und Annegret kommt herein. „Viel Glück Paul“ „Ich habe schon alles vorbereitet, der Cappu für dich ist auch schon fertig“ mit diesen Worten und einem „Ciao, viel Spaß mit den Kids und nochmals Danke“ bin ich durch die Tür. Ab ins Auto und zum >Start<. Angekommen reihe ich mich in den Pulk an der Anmeldung ein. Nachdem die Formalitäten erledigt sind mache ich mich mit den anderen warm.
So früh sind erst sehr wenige Läufer hier und ich kann mich ganz auf den Lauf konzentrieren, so habe ich es auch gewollt. Um 10 ist der Start, ab da ist die Bahn dann für die Läufer geräumt… eine 2,5 km lange Rundstrecke durch den Park. Ich muss also 5mal an Start und Ziel „Abstempeln“ dann hab ich es geschafft, mein erster Lauf dieser Länge. Gleich ist es soweit, die Strecke wird freigegeben. Ohne auf die Anderen zu achten versuche ich sofort mein Tempo zu finden. Mir geht es gut und die Woche ohne Training scheint mir nichts auszumachen. Es ist ein fantastisches Gefühl hier zu laufen, der Park, die frische Luft und der Gleichklang der Bewegungen… Dann, nach der letzten Kurve habe ich das erste Mal nach dem Start den Kontrollpunkt vor Augen.
Als ich mich nähere sehe ich schon von weitem das Banner >Daddy du schaffst das!< meine Kids und Annegret stehen dort und feuern mich lautstark an. Grinsend laufe ich weiter und ein sehr warmes Gefühl macht sich in mir breit, scheint mich regelrecht zu beflügeln. Bei jeder Runde stehen sie da und reichen mir etwas zu trinken und Müsliriegel zur Stärkung – toll! Zu Beginn der letzten Runde ändert sich das Wetter und es beginnt zu regnen. Schnell weicht der Regen den Boden auf und ich bin froh so früh gestartet zu sein. Ich liege richtig gut in der Zeit.
Am Ende der letzten Kurve dann passiert es, ein kleiner Hund reißt sich von der Hand eines Kindes los und läuft mir zwischen die Beine… da der Untergrund aufgeweicht ist, kann ich weder bremsen noch ausweichen und so kommt es zum Zusammenstoß von Mensch und Tier – das Tier gewinnt! Während der Hund mit etwas Gejaule von dannen zieht, haut es mich komplett um. –knack- mein linker Arm steht plötzlich in einem erstaunlichen Winkel vom Körper ab… und tut höllisch weh. Die anschließende kleine Rutschpartie hat meinem Teint auch nicht gerade gut getan. Abschürfungen an Oberschenkel, Armen und Rücken und eine Platzwunde am Kopf, vom Aufprall auf dem Boden, sind die offensichtlichsten Folgen… Im Krankenhaus werden nach dem Röntgen zuerst meine Blessuren am ganzen Körper versorgt bevor es dann in den OP geht – komplizierter Bruch von Elle und Speiche… das habe ich ja wieder toll hinbekommen…
Als ich im Zimmer aufwache bin ich alleine. Auf meinem Gipsarm haben sich die Kids und Annegret bereits verewigt, ich muss lachen. Schmerzen habe ich glücklicherweise keine im Moment. Verschwommen erinnere ich mich an die Gesichter von Annegret und meinen Kids. Ein Blick auf die Uhr, es ist bereits nach 17 Uhr, verrät mir, dass sie wohl alle nach Hause sind um Birgit zu begrüßen… ein tolles Willkommen… langsam stehe ich auf um mich im Spiegel zu betrachten. Im OP-Hemdchen, mit den vielen Verbänden und Pflastern am ganzen Körper sehe ich aus, als käme ich gerade aus einem Krisengebiet…
„Hallo, ich bin wieder Da!“ Keine Antwort! Es scheint tatsächlich niemand zuhause zu sein um mich zu begrüßen. Etwas enttäuscht schaue ich aus dem Fenster und sehe Annegret vorfahren. Als ich die Türe öffne sehe ich als Erstes Tom, mit einem Gips-Fuß aussteigend und blasse Kindergesichter. Als die Kids mich erblicken, ist erst einmal Sprachlosigkeit angesagt.
„Mensch Mama, siehst du geil aus“ da dieser Kommentar von Leon ist, nehme ich das mal als Kompliment. Bevor ich noch etwas sagen kann, bin ich dann schon belagert von einem humpelnden Tom, einem kuschelnden Max, einer heulenden Lisa und einem rasierten(?) Leon.
Mutterherz was willst du mehr!!
Annegret kommt auf mich zu und erklärt im Telegrammstil:
„Tom hat nur eine starke Prellung. Paul ist im Krankenhaus, Armbruch aber nichts Schlimmes. Ich glaube er wartet schon auf Dich.“ Als ich mich aus dem Knäuel meiner Kinder befreit habe gehe ich erst mal mit allen ins Haus und setze mich mit Anne und einem Kaffee in die Küche. „Was ist denn nun los?“ „Paul ist beim Lauf gestürzt und hat sich etwas lädiert, es sieht aber schlimmer aus als es ist. Fahr erst mal ins Krankenhaus, ich passe noch so lange auf die Kids auf. Unterhalten können wir uns später.“ Also keine gemütliche Wiedersehensfeier sondern ab ins Krankenhaus… auf dem Weg dorthin beruhige ich mich etwas. Beim Betreten des Zimmers begrüßt mich dann ein mir wohl bekannter nackter Männerhintern…und die freudige Überraschung in seinem Blick als Paul mich sieht…
…während ich mich so im Spiegel betrachte betritt Birgit das Zimmer und sagt grinsend (ich stehe mit dem Rücken zur Zimmertüre – im OP-Hemdchen – sie verstehen?) „Ich hatte mir die Begrüßung zwar etwas anders vorgestellt…“ daraufhin drehe ich mich um und… wow, dezent geschminkt, in Jeans und weißem Shirt steht Birgit vor mir und sieht einfach... umwerfend aus. „Toll siehst Du aus“ mehr bekomme ich nicht heraus, ich freu mich so, dass sie wieder da ist… „Du nicht! Kann ich dich denn nicht mal eine Woche alleine lassen?“ dann kommt sie zu mir und gibt mir einen kleinen Kuss. Auf die Umarmung verzichtet sie wegen der vielen Pflaster und Verbände… schmunzelnd sagt sie auf den Gips deutend „Das hast du doch mit Absicht gemacht…“ und feixt weiter „…damit ich dich wieder wochenlang pflegen muss…“ „Glaub mir das habe ich verdient…“ erwidere ich, wehleidig auf ihre feixende Art eingehend…
Okt 09 ein einfaches Schreiber lein
PS: an dieser Stelle einmal Danke für alle Kommentare und Briefe.
