7 Tage ohne Mama, Teil 7

 

Donnerstag, 4. Tag  -  Die Ruhe nach dem Sturm

 

Heute lasse ich alle fast eine Stunde länger schlafen. Diese Stunde scheint besonders Max gut zu tun,  er braucht heute deutlich weniger lange um >in die Pötte<  zu kommen. Trotzdem läuft alles vollkommen reibungslos ab. Tom und ich haben noch eine ungestörte halbe Stunde zum Üben für die Mathe-Arbeit,  er löst alle Aufgaben - einfach super! Lisa, die von alleine wach geworden ist, ist heute auch etwas früher dran als sonst. Nur Leon scheint heute etwas zu trödeln. Er kann ja auch mit dem Roller zur Schule, ist also auch kein Problem. Als die drei Kleinen weg sind kommt Leon herunter. Wieder frisch rasiert und ohne Schnitzer im Gesicht. „Hast du den neuen Rasierer gefunden?“ „Ja, tolles Teil. Und das Gel ist auch spitze, es ziept jetzt gar nicht mehr.“  „Was sagt denn Veronika dazu?“ „Also Veronika findet es spitze, die hat sich gestern ganz lange an meinem Gesicht gerieben und findet es steht mir viel besser. Übrigens, da du gerade von Veronika anfängst…heute bleibe ich wirklich bei ihr über Nacht…“ leicht rot und mit einem Grinsen bis zu den Ohren holt er ein Päckchen Kondome aus der Tasche und zeigt sie mir etwas verschämt. Als wir uns danach ansehen müssen wir beide grinsen, ich wissend – er verlegen. „Die Nummer auf dem Block habe ich schon geändert. Ciao Dad“ sagt er noch schnell und verlässt das Haus.

 

Ich fange wieder mit meinem Tagespensum an: Küche aufräumen, Bettenmachen, lüften, stauben staubsaugen, die Bäder machen dann das Wohnzimmer mal etwas gründlicher und zum Schluss Küche, Flur und Gäste WC im Erdgeschoss putzen. Heute geht das alles schon deutlich leichter von der Hand. Wenn ich da an die vergangenen Tage denke… der erste Tag und das wegwerfen der gelben Zettelchen fällt mir ein, da hätte ich mir eine Menge ersparen können. Ich habe hier ein ganz schönes Chaos angerichtet und jetzt… es läuft fast alles von ganz alleine. Birgit hat das alles schon toll im Griff. Warum sie das mit dem Bad nicht schon früher gemacht hat verstehe ich nicht. Beim einsammeln und sortieren der Wäsche stelle ich fest, dass sich bereits eine ansehnliche Menge an Schmutzwäsche gebildet hat. Ob Annegret wohl… ich frag sie einfach… Telefon! Als ich bei Annegret anrufe ist da Besetzt…

 

„Richter“  „Hallo Anne, wie geht es dir und wie geht es meiner Familie und wie geht es Paul? Kommt er zurecht? Hat…“ „Moment, Moment einmal“ ich lache „Hallo Birgit! Mir geht es ausgezeichnet und deiner Familie auch, incl. deinem Mann. Es sind ein paar Kleinigkeiten passiert, aber das erzähle ich dir alles wenn du wieder hier bist. Sag mir lieber mal wie es dir geht? Erholst du dich gut?“ „Hier ist es einfach toll, ich werde behandelt wie eine Königin. Paul hat mir ein >Verwöhnpaket< gebucht, ich kann 4 Tage lang machen was ich mag, so oft wie ich mag. Er ist echt ein Schatz. Wenn du nur sehen könntest wie ich hier verwöhnt werde und die Gegend. Mitten in einem kleinen Ort gelegen, den Wald direkt vor der Türe… Ich gehe jeden Tag zwei Stunden spazieren, halte Mittagsschlaf nach dem Spinning und ich habe schon 3 Kilo abgenommen. Ich fühl mich gerade Sauwohl. Ich muss nur so oft an meine Rasselbande denken und Paul fehlt mir und Du natürlich… Auch wenn es noch so schön ist, ich freu mich schon auf zuhause…“ „Du Glucke“ lach „Ich habe das hier sehr gut im Griff. Paul hat sich sogar bei mir gemeldet und sich helfen lassen. Ja, ich weiß, du hast es mir im Voraus gesagt. Übrigens mag ich deinen Riesen langsam. Ich glaube sogar das beruht auf Gegenseitigkeit.“ „Du, das würde mich besonders freuen, es ist so schade dass ihr beide euch nicht so gut verstanden habt in der Vergangenheit. Ich hab dich so gerne um mich.“ „Ich glaub da haben wir es in Zukunft etwas leichter. Ich war schon einige Male drüben, mit Einladung!“ ich lache laut. „Ich hab kein Kleingeld mehr, bitte sag Paul nicht dass ich angerufen hab, er will doch dass ich mich erhole und mal ganz abschalte.“ „Keine Sorge, ich freu mich auf dich“ „Ich hab dich lieb du Ersatzoma.“ Ich höre sie am anderen Ende lachen und da macht es auch schon Klick…

 

 Rrrriiiiing schon beim Auflegen schellt es erneut, wer das wohl ist? „Richter“ „Paul hier, hast du etwas gegen einen Cappuccino ein zu wenden? Ein Nein akzeptiere ich nicht!“ ich höre ihn im Hintergrund kichern „Okay ich komm schon rüber, das ist verführen altersschwacher Damen…“ ich lache auch, ich fühl mich nämlich noch sehr jung! „Du bist überhaupt nicht alt, du bist eine tolle Dame.“ sagt er ernst „Hör auf mir Sahne um den Mund zu schmieren, ich komme ja schon.“ und trotzdem merke ich wie mir sein Kompliment gefällt und gut tut, gerade von Ihm. Ich lege auf und mach mich auf den Weg.  Er steht schon in der Haustüre und erwartet mich „Hast du vielleicht noch etwas Zeit mal meine Wäsche zu kontrollieren? Nur zur Sicherheit!“ mit einem Lausbuben-grinsen und harmlosem Augenaufschlag schaut er mich dabei an…jetzt weiß ich was Birgit meint wenn sie von diesem süßen Lächeln spricht… „Selbst einen Kaffee muss ich mir erst verdienen bevor ich den bekomme,  das ist das Los der Alten“ ich muss dabei Lachen und Paul stimmt mit ein. Bis auf eine Seidenbluse von Lisa hat Paul alles ordentlich aussortiert. Ich fülle die erste Maschine und stelle sie an. „Kaffee, den habe ich mir verdient“ frotzele ich zu Paul rüber. In der Küche, nach hundertmal Danke entwickelt sich dann ein sehr nettes Kaffeegespräch. Ich erfahre jetzt was Paul so  alles angestellt hat und lache Tränen als er die Geschichte mit der Spülmaschine erzählt. Dann zeige ich ihm warum der Kaffee am Montag so schlimm geschmeckt hat, der ganze Kaffeefilter (immer noch in der Maschine!) ist voll mit Kaffeemehl „Birgit nimmt nur 6 gestrichene Löffel auf eine ganze Kanne, das hier sind eher 10 gehäufte und wenn du ihn noch länger stehen lässt, dann fängt er an zu leben.“ lache ich und werfe den Filter in den Müll. „Etwas Gutes hat es aber, dein Cappuccino ist göttlich“.

 

Die Zeit vergeht wie im Flug und langsam wird es etwas spät für Paul.“ Wie sieht denn dein Tag heute aus?“  „Heute ist fast schon ein Ruhetag, keine geplanten nach-mittags Ausflüge der Kids und alle haben um 14 Uhr Schulschluss, bis auf Leon, der bleibt über Nacht bei Veronika, seiner Flamme. Also muss ich nur die Kids abholen und vielleicht danach noch etwas Hausaufgabenhilfe leisten… mal sehen. Ansonsten bin ich sogar mit dem Haushalt fast fertig. Bügeln muss ich noch, wenigstens etwas. Ich möchte nicht das Birgit vor vollen Wäschekörben steht wenn sie nach Hause kommt.“ „Hast du für heute schon gekocht?“ „Mist, vergessen. Das schaffe ich jetzt nicht mehr. Ich werde die Drei einfach in ein Restaurant einladen, genau so mach ich das.“ „Ich hatte sowieso vor euch einzuladen. Wie ist es, kommst Du mit den Kindern zum Mittag zu mir? Ich koch nicht gerne nur für mich alleine, das lohnt den Aufwand nicht, dabei koche ich so gerne. Wie ist es?“ „Gerne Annegret…“ irgendetwas wollte er noch sagen… „Dann mache ich mich auf den Weg, die Fütterung der Raubtiere vorbereiten. Ich freu mich richtig das du >Ja< gesagt hast.“ „Du glaubst gar nicht wie sich meine Drei freuen werden, keine angebrannten Schnitzel essen zu müssen“ lachend lässt er mich zur Türe hinaus und bedankt sich noch mal.

 

So, ich werde mich mal auf den Weg machen. Was wohl Birgit gerade so macht? Hoffentlich geht es Ihr gut. Ich hätte ja nicht gedacht dass sie das schafft, so ganz ohne Kontrollanruf. Warum ruft sie nicht an? Vermisst sie uns denn gar nicht? Ich vermisse Sie!

Obwohl ich etwas spät an der Schule bin,  warten meine Kinder gemeinschaftlich vor der Schule. Als sie mich sehen bekomme ich gerade noch mit, wie sich dieser Punk von den Dreien mit einer lässigen Geste verabschiedet. Ist auch besser so, denke ich und ich merke wie mir Gedanken durch den Kopf rennen die nichts freundliches an sich haben…aber erst mal ruhig Blut, ich werde heute noch mit ihr reden… wenn blicke töten könnten… „Hallo Daddy“ Lisa beugt sich zu mir ins Auto und gibt mir einen Kuss auf die Wange… das sind wirklich unlautere Methoden, wie soll ich da… „Hallo ihr drei, einsteigen. Annegret wartet auf uns, sie hat uns zum Essen eingeladen.“ Nachdem alle angeschnallt sind geht es heim.

 

„Schnell die Schulsachen in den Flur gestellt und dann Hände waschen.“ Ruck zuck sind die Drei fertig und wir gehen zusammen zu Annegret. „Genau richtig“ lächelnd öffnet uns Annegret die Türe und ein herrlicher Bratenduft weht uns entgegen. „Wie hast du das in der kurzen Zeit denn hinbekommen?“ „Frauengeheimnis“ lacht sie. „Setzt euch schon mal hin, ich komme sofort nach.“ Mit diesen Worten wieselt sie in die Küche davon. Das Essen ist herrlich. „Toll, das schmeckt genau wie bei Mama“ sagt Tom und schaut mich dann verlegen an. „..Und es ist nicht angebrannt wie bei mir…“ Alle lachen, selbst Tom. Nach einer angeregten Unterhaltung, während der Annegret aufblüht, machen wir uns wieder auf den Weg. „Ach übrigens, bist du heute Abend ganz herzlich zum Abendessen bei uns eingeladen.“ „Ein Nein…“ „…wird nicht akzeptiert, ich weiß. Danke Paul.“

 

Zuhause machen die Kids ihre Hausaufgaben und dann gehen Max und Tom zum Bolzplatz. Lisa fange ich im Flur ab „Ich muss mal mit dir reden, im Wohnzimmer. Komm setz dich mal zu mir.“ Wir gehen ins Wohnzimmer und nehmen Platz. „Der Sven, ist das der Typ mit dem Irokesenschnitt?“ Lisa wird leicht Rot  „Jaa, er ist der coolste Typ der Schule!“ „Cool, aha. Ähm, wie alt ist er denn so?“ „Sven wird nächsten Monat 19.“ „19? Du bist erst 14! Weiß Mama eigentlich darüber Bescheid? „Mama? …ein wenig schon…“ „...und wie lange läuft das schon?“ ich muss mich anstrengen ruhig zu bleiben… „Seit einem halben Jahr“ Innerlich wütet ein Untier in meinen Eingeweiden. Ich würde am liebsten jetzt sofort und hier die Sache beenden. Ihr sagen dass ich weiß was 19jährige Jungen von Mädchen wollen, ich war ja auch mal 19 und das Sie zu jung ist und außerdem ist er ein hässlicher Punk und sie ist viel zu süß und hübsch und jung und „meine Tochter“  und dann seine Frisur und außerdem sowieso…  aber wir haben gerade erst wieder Frieden miteinander und sie ist doch meine Prinzessin sie braucht diesen Kerl doch gar nicht, ich bin doch da! Ich weiß einfach nicht was ich machen soll, warum ist Birgit jetzt nicht da? Warum hat sie das überhaupt geduldet? Das so ein fieser Punk meine Tochter angrapscht, befummelt womöglich küsst!!!

„Da reden wir noch mal mit Mama drüber, wenn sie wieder hier ist“ ich kann es einfach nicht ohne Birgits Hilfe. „Ich hab dich lieb.“ „..dich auch, bin bei Claudia…“ und weg ist sie. Da niemand anderer da ist rufe ich bei Annegret an und erzähle ihr die Geschichte „Du bist ja eifersüchtig“ sagt sie und fängt an zu lachen." Eifersüchtig, ICH…ich bin nie Eifersüchtig!" Wütend knalle ich den Hörer auf. Weiber, die haben ja gar keine Ahnung, Lisa ist meine Tochter! Eifersüchtig… unfaßbar, wie kann sie so etwas behaupten? Und dann gerade ich… es rumort in mir…

 

„Richter“ „Ich bins, Paul. Entschuldige wegen eben, aber du verstehst nicht…“ „Doch ich verstehe genau und du weißt auch dass ich Recht habe. Paul, das ist eine natürliche Reaktion bei einem Vater.“ Sehr verständnisvoll redet sie auf mich ein, wie bei einem kranken Pferd… ich weiß ja das sie Recht hat. Sie ist aber doch noch… meine Prinzessin…

 

 

Okt 09 ein einfaches Schreiber lein