7. Teil: Ist Thailand ein Männerparadies?
An einem Thema, das ich bisher aber nicht angeschnitten habe, kommt man bei einer Reise durch Thailand nicht vorbei: Thailand als Männerparadies. Das hat mich ziemlich beschäftigt und ich stelle meine Beobachtungen und Gedanken hier zur Diskussion.
7. Teil: Ist Thailand ein Männerparadies?
Als ich von meiner langen Reise zurückkam, hat mich ein guter Freund gefragt, was mir diese Reise eigentlich gebracht hat und was wirklich Eindruck auf mich gemacht hat. Eine anregende Frage…..Es war so viel und ich hoffe, dass es auch aus den einzelnen Teilen meines Berichtes durchscheint, wie sehr ich das Land schätzen gelernt habe.
An einem Thema, das ich bisher aber nicht angeschnitten habe, kommt man in Thailand ebenfalls nicht vorbei: Thailand als Männerparadies.
Es ist einfach so, einen ziemlich nachhaltigen Eindruck haben auf mich die vielen gemischten Paare gemacht – sie Thailänderin, er ein Weißer (aus Europa, Amerika, Australien oder woher auch immer). Viele waren sicher verheiratet, viele hatten entzückende Kinder. Aber ganz eindeutig und ohne jeden Zweifel waren ebenso viele Paare nicht verheiratet, sondern Paare für die Zeit des Urlaubs. Es waren ganz sicher etliche Hundert im Verlauf der Reise, die ich gesehen habe.
In den Flugzeugen waren auffällig viele alleinreisende Männer, kaum in Thailand traf man allerdings nicht mehr allzu viele alleine an. Wo waren sie geblieben??? Die weißen reisenden Männer waren ganz unterschiedlich alt. Und entgegen dem Vorurteil, das bei uns in Umlauf ist, hat es sich zum großen Teil nicht um mitteleuropäische Bier- oder sonstige Alkohol-Leichen, sondern um ganz normale durchschnittliche, mehr oder weniger sympathische Männer gehandelt. Wirklich nur bei sehr wenigen konnte ich mir vorstellen, dass sie daheim ausschließlich Megären gefunden hätten. Allerdings: Nur von diesen Beobachtungen Schlüsse zu ziehen, das wäre natürlich definitiv sehr unseriös! Man müsst klar und eindeutig sagen: Achtung Vorurteil!!!! Und ich bin ja auch ganz sicher, dass viele Männer seriös unterwegs waren. Aber eben…
Zahlreiche Beobachtungen und mehrere Gespräche haben mich doch sehr in der Annahme gestärkt, dass Thailand ein wahres Männerparadies sein muss. Und nach dem intensiven Realitäts-Orientierungs-Training bin ich einigermaßen sicher, dass tatsächlich viele Männer, die ohne Freundinnen oder Ehepartnerinnen nach Thailand reisen, kaum einen Abend ohne „Freundin“ verbringen müssen. Wohl gemerkt, ich habe mich nicht ein einziges Mal in einem Rotlichtbezirk aufgehalten und auch nicht in den für Prostitution speziell bekannten Zentren!
Nun bin ich ziemlich nachdenklich über dieses Phänomen, nicht entrüstet, denn das stünde mir nicht zu! Sehr viele junge thailändische Frauen sind tatsächlich liebreizende und charmante Wesen. Und auch ohne ein Mann zu sein, kann ich doch ein wenig verstehen, dass sich die Männer zu diesen Frauen hingezogen fühlen, entsprechen sie doch so ganz und gar dem Schönheits- und Sanftheitsideal unserer Männerwelt (glaube ich halt). Es scheint auch für keine der jungen Frauen ein Problem zu sein, sich fürsorglich zu verhalten. Und die Männer schmelzen in dieser Atmosphäre des Wohlwollens und der Freundlichkeit förmlich dahin. Nur Mama ist noch lieber….
Andererseits darf man sich nichts vormachen. Es ist einfach eine Tragik, dass viele der jungen Frauen oft keine andere Chance haben, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, als sich zu prostituieren oder/und zu hoffen, dass sich ein möglichst reicher weißer Mann tatsächlich in sie verlieben würde. So wird die selbstverständliche Freundlichkeit und Zartheit ganz einfach oft zur Berechnung im täglichen Kampf ums Überleben. Darüber müssten die Männer sich eigentlich auch im Klaren sein! Dennoch: Welcher Mann würde in dieser Atmosphäre der ganz selbstverständlichen und unverhüllten Angebote, der Gelassenheit, Entspannung, Wärme und Freundlichkeit auch nur einen Gedanken zu viel verlieren? Wenn es schon ausreicht, dass junge Frauen irgendwo auf der Welt, in Seminaren extra das Schieflegen ihres Köpfchens trainieren und das Ziehen lieblicher Schmollmündchen, um einen reichen Europäer herum kriegen zu können, um wie viel leichter wird dann der natürliche Charme der Thailänderinnen das gewünschte Ergebnis erzielen?
Ich meine übrigens, dass dieses Thema natürlich nicht nur in Thailand aktuell ist, nur hat es mich halt dort sehr viel deutlicher „angesprungen“…. Bei uns ist alles ein wenig verborgener, nicht was unter Verführungskünste und –versuche fällt (siehe Werbung), aber doch was Prostitution anlangt. Liebe Frauen, ich glaube, es hat keinen einfach Sinn, sich was vorzumachen. Viele Männer sind in mancher Hinsicht (ganz bestimmt nicht in jeder!) ein wenig einfach gestrickt und dann kommt auch noch das Testosteron dazu, dessen Wirkung wir ja nur andeutungsweise kennen…. Ich möchte aber den Männern nicht generell zu nahe treten(und ganz besonders nicht den thailändischen Frauen, von denen sicher nur ein äußerst geringer Prozentsatz daran denkt, freiwillig in diesem Spiel der Männer mitzumachen!). Ich nehme an, dass wirklich nicht alle Männer untreu und leicht verführbar sind, aber ganz sicher ist es ein guter Teil. Das haben mir meine Beobachtungen und auch einige überraschend ehrlich geführte Gespräche in Thailand noch deutlicher und bewusster gemacht.
Auf meinem Flug von Chiang Mai nach Bangkok bin ich neben einem etwa 65-jährigen Mann geflogen. Er hatte eine schüchterne, junge, thailändische Frau neben sich. I-Pod, Kopfhörer, vor sich hin rockend und Musik summend, ist er neben mir gesessen und hat sich von Zeit zu Zeit zu seiner Frau hinübergebeugt um ihr zuzuflöten, dass er sie liebe. „Alter Depp“ hab ich mir erst gedacht, dann hab ich mich aber zur Ordnung gerufen. Was ging mich das an, hatten nicht diese beiden Menschen einfach das Recht auf ihre eigene Art von Glück? Was wusste ich schon ..... Außerdem trugen beide noch ziemlich neue Ringe, wie mir schien. Dann hat mich der Mann zufällig angesprochen und hat mir von sich erzählt. Nein, eigentlich redete er wie ein Wasserfall. Wie froh er wäre, wieder mit jemandem Englisch reden zu können....das sei mit seiner Frau und deren Familie doch noch sehr mühsam. Die Frau lerne zwar, könne aber einfach doch noch nicht so gut Englisch. Er käme aus Australien und freue sich sehr, wieder eine Frau gefunden zu haben und er liebe sie. Aber sie sei noch so schüchtern und so leicht sei es halt auch mit der großen Familie nicht immer.....Es gibt wohl auch Kehrseiten dieser Art von Glück.
Ein weiters Gespräch ergab sich mit einem noch jüngeren 46 Jahre alten Mann auf dem Rückflug von Bangkok. Es geht mir ebenfalls nicht mehr aus dem Kopf. Er war ein sympathischer Mann. Auch er erzählte mir erstaunlich offen über seine erstmals in Thailand gemachten Erfahrungen. Als Abteilungsleiter eines Betriebes mit etwa 500 Angestellten habe er eigentlich kaum mehr was anderes als Arbeit gekannt. Seit wenigen Jahren sei er geschieden, nachdem seine Frau mit einem anderen Mann sein Geld und die Beziehung zu ihm erfolgreich aufs Spiel gesetzt hatte. Er sei kein Draufgänger und war seiner Frau treu gewesen. Aber er hatte zu viel gearbeitet um das Geld fürs Haus und die gemeinsame Zukunft heranzuschaffen. Darunter habe aber die Beziehung gelitten, es hätte immer weniger miteinander zu reden gegeben und schließlich sei das Malheur ganz offensichtlich geworden. Die Welt sei für ihn eingestürzt. Jetzt fange er sich allmählich wieder, sei aber doch einsam. Die Frauen in Europa würden aber soviel erwarten und diesem Erwartungsdruck der Frauen könne man als Mann kaum mehr entsprechen…
Diese Reise habe sich zufällig ergeben, aber eines wisse er jetzt schon ganz genau: Er komme wieder! Er habe so entspannte, schöne Tage verlebt und jede Nacht wie schon lang nicht mehr mit einer Frau genossen. Die habe er an einem der ersten Abende nach Sympathie ausgesucht und habe ihr pro Nacht 1000 Baht bezahlt. Sie sei so fürsorglich und freundlich gewesen. Auch ein wenig in der Gegend herumgefahren seien sie, hätten sich was angeschaut und sie habe alle Wege geebnet und den Aufenthalt sorgenfrei und einfach für ihn gemacht. Es sei einfach schön gewesen und er fühle ganz sicher keine Reue.
Ich hab ihn gefragt, ob er es daheim tatsächlich aushalten würde, dauernd so befürsorgt und umhegt zu werden. Nein, meinte er, das wäre dann doch auch etwas anstrengend und eine Ersatzmama brauche er ja eigentlich nicht mehr, aber diese Tage in Thailand sei das einfach schön gewesen…Und bezüglich HIV – darüber habe er sich gut informiert, bevor er gereist war. In Thailand sei über das Thema HIV so selbstverständlich und offen gesprochen worden… und selbstverständlich würde er sich da schützen.
Irgendwie gönnte ich ihm sein Glück und hoffe, dass es für die junge Frau auch eines gewesen ist….
In Kho Chang grüßte mich eines Nachmittags das gemischte Pärchen des Nachbarbungalows freundlich und die Beiden setzten sich nach ein paar Worten zu mir an den Strand. Die Frau meinte, wie sehr sie das freue, dass ich auf ihren Gruß reagiert habe, denn sie habe hier schon mehrfach die Erfahrung gemacht, dass sogar die Landsleute ihres Freundes aus Norwegen und andere Europäer auf ihrer beider Gruß nicht reagiert oder aber unfreundlich reagiert hätten….
So führten wir schließlich ein sehr ausführliches Gespräch und ich erfuhr von der Frau nicht nur, wie es sich mit der Kennenlern-Situationen zwischen den Männern und ihren potentiellen Gespielinnen verhält und welche Spezialarrangements möglich waren, sondern auch, was die einzelnen Praktiken im Detail derzeit kosten. Ich hatte danach nicht gefragt, es ergab sich einfach.
Gefragt habe ich sie, ob denn nicht auch eine große Angst bestünde, weil doch zwischen 60 und 80% aller Prostituierten in Thailand mittlerweile HIV-positiv sind. Sie meinte, dass man sich normalerweise zwar schütze und viele machen auch den Test, den man innerhalb von 4 Stunden rund um die Uhr überall machen lassen könne. Es gäbe aber auch Kunden, die ungeschützten Verkehr verlangten, der dann halt entsprechend teurer wäre. Ja, eigentlich könnten die Männer alles haben für entsprechendes Geld. Eine Nacht mit dem zusätzlichen Konsum von Cocain z. B., koste dann halt 9.000 Baht oder 10.000 Baht. Das sei schon ein Problem und natürlich schlecht für die Mädchen (auch für die Männer, meiner Meinung). Aber eigentlich wünschen sich alle Frauen möglichst einen seriösen Dauerfreund, der so wie ihrer, alle zwei oder drei Monate kommen könne und ihr in der Zwischenzeit monatlich 500€ überweise. Sie seufzte, es sei eben schwierig. Was solle man machen, erst kürzlich hätten wieder 18 Konzerne ihre Produktionshallen in Thailand geschlossen und wären in die billigeren Nachbarländer gezogen. Übrig geblieben wären viele junge, arbeitslose Frauen, die das Wenige, das sie verdienten auch noch verloren haben. Sie selber sei jetzt sehr glücklich mit ihrem Freund, aber auch sie hatte bis dahin viel Pech gehabt. Als Assistent Nurse wäre sie auf einer Abteilung mit viel zu wenig Personal eingesetzt gewesen und sei verantwortlich gemacht worden, als sich eines der vielen Kinder, die zu beaufsichtigen gewesen waren, verletzt hatte. Sie habe die Arbeit verloren und müsse darüber hinaus 95.000 Baht zahlen. Wie hätte sie das machen sollen, hätte sie nicht ihren Freund gefunden?
Angesichts solcher Geschichten hat man einfach Mitleid, es entsteht aber auch eine eigene Dynamik. Auch eher zurückhaltende Männer werden ihre Bedenken leichter los, einerseits durch die Selbstverständlichkeit mit der das Thema Prostitution insgesamt behandelt wird, und darüber hinaus wird durch Geschichten, wie die oben erzählten, bei den Männern der Eindruck geweckt, sie könnten auf diese Weise etwas für die Frauen tun. Das Gespräch auf dem Rückflug von Bangkok nach München, über das ich oben berichtet habe, bestärkt mich in dieser Annahme, denn es kam eine ähnliche Geschichte darin vor.
Schon etwas sonderbar, was da bei den Männern ausgelöst wird. Aber ist es nicht eigentlich eine ganz ähnliche Empfindung, die auch ich hatte, als ich durch die Bergdörfer ging, halt auf einer anderen Ebene…? Dennoch: Sexuelle Ausbeutung hat schon noch eine andere Dimension, als die Gefühle von uns Normtouristen, die in ein sehr armes Land reisen und meinen, sie würden mit ihrem Kommen den Menschen eine besondere Wohltat erweisen…. Oder wie ist das bei den Herrn der internationalen Konzerne, die angeblich ganz selbstlos billige Arbeitsplätze in Niedriglohnländern schaffen, damit die Menschen nicht mehr so arm sind? Wären sie nicht so ausschließlich gewinnorientiert, könnten dann ev. mehr Frauen die Prostitution vermeiden???? Wo bedeutet ein Verhalten echte Unterstützung und wo beginnt die Ausbeutung und der Missbrauch??? Ist das, was angeblich freiwillig passiert, wirklich so freiwillig?
Der norwegische Freund meiner Gesprächspartnerin wirkte sympathisch, war ein Flugzeugtechniker, der in ganz Norwegen unterwegs war auf Flughäfen und Öl-Plattformen und dessen Ehe auch an der mangelhaften Synchronisierung gescheitert war, die sein berufliches Leben mit sich brachte. Den Forderungen und Erwartungen der Frau daheim hätte er kaum nachkommen können. Jetzt sei er sehr glücklich und überlege, seine Freundin zu heiraten, erzählte er.
Zu denken gibt mir besonders, wie zahlreich die Männer dem Charme von Thailänderinnen erliegen, nicht nur weil die Frauen so hübsch sind, sondern weil sie offensichtlich den Männern erfolgreich vermitteln können, dass sie gebraucht werden.... Die Männer, mit denen ich gesprochen und von denen ich teilweise in den obigen Anekdoten berichtet habe, hatten fast immer irgendwann im Gespräch auch fallen lassen, dass es mit uns Frauen hier in Europa nicht so einfach sei. Wir würden entweder einen Prinzen, eine Universitätsprofessor oder einen Millionär haben wollen und auch sonst seien wir einfach auch ziemlich eigenwillig und selbständig, würden zuviel erwarten - eben…
Ich als Frau sehe die Sache natürlich anders. Ich finde, uns, sowohl den Männern als auch den Frauen, geht es in vieler Hinsicht ähnlich. Wir rutschen eigentlich alle quasi auf der gleichen Seife aus. Schaue ich mir gelegentlich zuviel Werbung oder gar gängige Soaps und besonders US-Filme an, verstärkt sich mein Empfinden des Ungenügens und darüber hinaus der Eindruck, Männer wollten eigentlich nur eine langbeinige, wunderschöne, schlanke Frau mit einem Riesenbusen und einer Löwenmähne, die immer jung bleibt und hervorragend kocht, die man jederzeit seinen Freunden voll Stolz präsentieren kann, die immer schlagfertig und gescheit ist, daheim unaufdringlich und sexy gleichzeitig, anschmiegsam, zurückhaltend und fürsorglich und die im richtigen Moment auf alle Fälle den Kopf schief legen und ein Schnütchen ziehen kann. …Barby und Ken! Hoch sollen sie leben!!! Diesen „Idealen“ gehen wir, Frauen und Männer gleichermaßen, anscheinend voll auf den Leim! Und dann haben wir die Suppe, weil ja letztlich doch alle Menschen nur mit Wasser kochen und höchstens den eigenen inneren Leit-Bildern nur leidvoll hinterher hecheln können!
Ja, das war´s. Ist Thailand nun ein Männerparadies??? Tu ich den Männern Unrecht, wenn ich sie manchmal doch für ganz schön oberflächlich halte? Ich bin jedenfalls ziemlich froh, dass ich hier ein paar wirklich nette Männer kenne, die ich schätze, die mich schätzen und mögen und die mit mir auch nachdenken….
Wie es mir mit den Männern in Thailand ergangen ist? Also, ich bin nicht der Männer wegen nach Thailand gereist. Den einen oder anderen sympathischen Mann hab ich trotzdem gesichtet, Europäer und Thailänder – z. B. den Wirt vom Golden Triangle Inn in Chaing Rai.
Und vor fast vierzig Jahren kannte ich in New York einen jungen Thailänder, den freundlichen Montchai, mit dem ich viel herumgezogen bin, wenn unsere berufliche Arbeit uns Zeit ließ. Er war sehr schüchtern und ich auch. Aber er hat mir damals schon einen kleinen Einblick in seine Welt gewährt und eine kleine Sehnsucht nach Thailand geweckt. Ich hab ihn gern gemocht und viel an ihn gedacht auf meiner Reise durch sein Land.
Damit beende ich nun endgültig meinen langen, mehrteiligen Reisebericht.
Ein paar Vorsätze, die ich mitgenommen habe:
Mich nicht unnötig zu ärgern über Kleinigkeiten….
Mir öfter jene Dinge anzusehen, die mich fröhlich und freundlich machen und mich daran zu freuen…..
Ein freundliches Lächeln übrig zu haben für meine Mitmenschen…..
Mich immer wieder daran zu erinnern, wie gut wir es hier haben…..
Und lieber einmal zuviel, als einmal zu wenig zu lachen – auch über mich selber!
Als ich von meiner langen Reise zurückkam, hat mich ein guter Freund gefragt, was mir diese Reise eigentlich gebracht hat und was wirklich Eindruck auf mich gemacht hat. Eine anregende Frage…..Es war so viel und ich hoffe, dass es auch aus den einzelnen Teilen meines Berichtes durchscheint, wie sehr ich das Land schätzen gelernt habe.
An einem Thema, das ich bisher aber nicht angeschnitten habe, kommt man in Thailand ebenfalls nicht vorbei: Thailand als Männerparadies.
Es ist einfach so, einen ziemlich nachhaltigen Eindruck haben auf mich die vielen gemischten Paare gemacht – sie Thailänderin, er ein Weißer (aus Europa, Amerika, Australien oder woher auch immer). Viele waren sicher verheiratet, viele hatten entzückende Kinder. Aber ganz eindeutig und ohne jeden Zweifel waren ebenso viele Paare nicht verheiratet, sondern Paare für die Zeit des Urlaubs. Es waren ganz sicher etliche Hundert im Verlauf der Reise, die ich gesehen habe.
In den Flugzeugen waren auffällig viele alleinreisende Männer, kaum in Thailand traf man allerdings nicht mehr allzu viele alleine an. Wo waren sie geblieben??? Die weißen reisenden Männer waren ganz unterschiedlich alt. Und entgegen dem Vorurteil, das bei uns in Umlauf ist, hat es sich zum großen Teil nicht um mitteleuropäische Bier- oder sonstige Alkohol-Leichen, sondern um ganz normale durchschnittliche, mehr oder weniger sympathische Männer gehandelt. Wirklich nur bei sehr wenigen konnte ich mir vorstellen, dass sie daheim ausschließlich Megären gefunden hätten. Allerdings: Nur von diesen Beobachtungen Schlüsse zu ziehen, das wäre natürlich definitiv sehr unseriös! Man müsst klar und eindeutig sagen: Achtung Vorurteil!!!! Und ich bin ja auch ganz sicher, dass viele Männer seriös unterwegs waren. Aber eben…
Zahlreiche Beobachtungen und mehrere Gespräche haben mich doch sehr in der Annahme gestärkt, dass Thailand ein wahres Männerparadies sein muss. Und nach dem intensiven Realitäts-Orientierungs-Training bin ich einigermaßen sicher, dass tatsächlich viele Männer, die ohne Freundinnen oder Ehepartnerinnen nach Thailand reisen, kaum einen Abend ohne „Freundin“ verbringen müssen. Wohl gemerkt, ich habe mich nicht ein einziges Mal in einem Rotlichtbezirk aufgehalten und auch nicht in den für Prostitution speziell bekannten Zentren!
Nun bin ich ziemlich nachdenklich über dieses Phänomen, nicht entrüstet, denn das stünde mir nicht zu! Sehr viele junge thailändische Frauen sind tatsächlich liebreizende und charmante Wesen. Und auch ohne ein Mann zu sein, kann ich doch ein wenig verstehen, dass sich die Männer zu diesen Frauen hingezogen fühlen, entsprechen sie doch so ganz und gar dem Schönheits- und Sanftheitsideal unserer Männerwelt (glaube ich halt). Es scheint auch für keine der jungen Frauen ein Problem zu sein, sich fürsorglich zu verhalten. Und die Männer schmelzen in dieser Atmosphäre des Wohlwollens und der Freundlichkeit förmlich dahin. Nur Mama ist noch lieber….
Andererseits darf man sich nichts vormachen. Es ist einfach eine Tragik, dass viele der jungen Frauen oft keine andere Chance haben, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, als sich zu prostituieren oder/und zu hoffen, dass sich ein möglichst reicher weißer Mann tatsächlich in sie verlieben würde. So wird die selbstverständliche Freundlichkeit und Zartheit ganz einfach oft zur Berechnung im täglichen Kampf ums Überleben. Darüber müssten die Männer sich eigentlich auch im Klaren sein! Dennoch: Welcher Mann würde in dieser Atmosphäre der ganz selbstverständlichen und unverhüllten Angebote, der Gelassenheit, Entspannung, Wärme und Freundlichkeit auch nur einen Gedanken zu viel verlieren? Wenn es schon ausreicht, dass junge Frauen irgendwo auf der Welt, in Seminaren extra das Schieflegen ihres Köpfchens trainieren und das Ziehen lieblicher Schmollmündchen, um einen reichen Europäer herum kriegen zu können, um wie viel leichter wird dann der natürliche Charme der Thailänderinnen das gewünschte Ergebnis erzielen?
Ich meine übrigens, dass dieses Thema natürlich nicht nur in Thailand aktuell ist, nur hat es mich halt dort sehr viel deutlicher „angesprungen“…. Bei uns ist alles ein wenig verborgener, nicht was unter Verführungskünste und –versuche fällt (siehe Werbung), aber doch was Prostitution anlangt. Liebe Frauen, ich glaube, es hat keinen einfach Sinn, sich was vorzumachen. Viele Männer sind in mancher Hinsicht (ganz bestimmt nicht in jeder!) ein wenig einfach gestrickt und dann kommt auch noch das Testosteron dazu, dessen Wirkung wir ja nur andeutungsweise kennen…. Ich möchte aber den Männern nicht generell zu nahe treten(und ganz besonders nicht den thailändischen Frauen, von denen sicher nur ein äußerst geringer Prozentsatz daran denkt, freiwillig in diesem Spiel der Männer mitzumachen!). Ich nehme an, dass wirklich nicht alle Männer untreu und leicht verführbar sind, aber ganz sicher ist es ein guter Teil. Das haben mir meine Beobachtungen und auch einige überraschend ehrlich geführte Gespräche in Thailand noch deutlicher und bewusster gemacht.
Auf meinem Flug von Chiang Mai nach Bangkok bin ich neben einem etwa 65-jährigen Mann geflogen. Er hatte eine schüchterne, junge, thailändische Frau neben sich. I-Pod, Kopfhörer, vor sich hin rockend und Musik summend, ist er neben mir gesessen und hat sich von Zeit zu Zeit zu seiner Frau hinübergebeugt um ihr zuzuflöten, dass er sie liebe. „Alter Depp“ hab ich mir erst gedacht, dann hab ich mich aber zur Ordnung gerufen. Was ging mich das an, hatten nicht diese beiden Menschen einfach das Recht auf ihre eigene Art von Glück? Was wusste ich schon ..... Außerdem trugen beide noch ziemlich neue Ringe, wie mir schien. Dann hat mich der Mann zufällig angesprochen und hat mir von sich erzählt. Nein, eigentlich redete er wie ein Wasserfall. Wie froh er wäre, wieder mit jemandem Englisch reden zu können....das sei mit seiner Frau und deren Familie doch noch sehr mühsam. Die Frau lerne zwar, könne aber einfach doch noch nicht so gut Englisch. Er käme aus Australien und freue sich sehr, wieder eine Frau gefunden zu haben und er liebe sie. Aber sie sei noch so schüchtern und so leicht sei es halt auch mit der großen Familie nicht immer.....Es gibt wohl auch Kehrseiten dieser Art von Glück.
Ein weiters Gespräch ergab sich mit einem noch jüngeren 46 Jahre alten Mann auf dem Rückflug von Bangkok. Es geht mir ebenfalls nicht mehr aus dem Kopf. Er war ein sympathischer Mann. Auch er erzählte mir erstaunlich offen über seine erstmals in Thailand gemachten Erfahrungen. Als Abteilungsleiter eines Betriebes mit etwa 500 Angestellten habe er eigentlich kaum mehr was anderes als Arbeit gekannt. Seit wenigen Jahren sei er geschieden, nachdem seine Frau mit einem anderen Mann sein Geld und die Beziehung zu ihm erfolgreich aufs Spiel gesetzt hatte. Er sei kein Draufgänger und war seiner Frau treu gewesen. Aber er hatte zu viel gearbeitet um das Geld fürs Haus und die gemeinsame Zukunft heranzuschaffen. Darunter habe aber die Beziehung gelitten, es hätte immer weniger miteinander zu reden gegeben und schließlich sei das Malheur ganz offensichtlich geworden. Die Welt sei für ihn eingestürzt. Jetzt fange er sich allmählich wieder, sei aber doch einsam. Die Frauen in Europa würden aber soviel erwarten und diesem Erwartungsdruck der Frauen könne man als Mann kaum mehr entsprechen…
Diese Reise habe sich zufällig ergeben, aber eines wisse er jetzt schon ganz genau: Er komme wieder! Er habe so entspannte, schöne Tage verlebt und jede Nacht wie schon lang nicht mehr mit einer Frau genossen. Die habe er an einem der ersten Abende nach Sympathie ausgesucht und habe ihr pro Nacht 1000 Baht bezahlt. Sie sei so fürsorglich und freundlich gewesen. Auch ein wenig in der Gegend herumgefahren seien sie, hätten sich was angeschaut und sie habe alle Wege geebnet und den Aufenthalt sorgenfrei und einfach für ihn gemacht. Es sei einfach schön gewesen und er fühle ganz sicher keine Reue.
Ich hab ihn gefragt, ob er es daheim tatsächlich aushalten würde, dauernd so befürsorgt und umhegt zu werden. Nein, meinte er, das wäre dann doch auch etwas anstrengend und eine Ersatzmama brauche er ja eigentlich nicht mehr, aber diese Tage in Thailand sei das einfach schön gewesen…Und bezüglich HIV – darüber habe er sich gut informiert, bevor er gereist war. In Thailand sei über das Thema HIV so selbstverständlich und offen gesprochen worden… und selbstverständlich würde er sich da schützen.
Irgendwie gönnte ich ihm sein Glück und hoffe, dass es für die junge Frau auch eines gewesen ist….
In Kho Chang grüßte mich eines Nachmittags das gemischte Pärchen des Nachbarbungalows freundlich und die Beiden setzten sich nach ein paar Worten zu mir an den Strand. Die Frau meinte, wie sehr sie das freue, dass ich auf ihren Gruß reagiert habe, denn sie habe hier schon mehrfach die Erfahrung gemacht, dass sogar die Landsleute ihres Freundes aus Norwegen und andere Europäer auf ihrer beider Gruß nicht reagiert oder aber unfreundlich reagiert hätten….
So führten wir schließlich ein sehr ausführliches Gespräch und ich erfuhr von der Frau nicht nur, wie es sich mit der Kennenlern-Situationen zwischen den Männern und ihren potentiellen Gespielinnen verhält und welche Spezialarrangements möglich waren, sondern auch, was die einzelnen Praktiken im Detail derzeit kosten. Ich hatte danach nicht gefragt, es ergab sich einfach.
Gefragt habe ich sie, ob denn nicht auch eine große Angst bestünde, weil doch zwischen 60 und 80% aller Prostituierten in Thailand mittlerweile HIV-positiv sind. Sie meinte, dass man sich normalerweise zwar schütze und viele machen auch den Test, den man innerhalb von 4 Stunden rund um die Uhr überall machen lassen könne. Es gäbe aber auch Kunden, die ungeschützten Verkehr verlangten, der dann halt entsprechend teurer wäre. Ja, eigentlich könnten die Männer alles haben für entsprechendes Geld. Eine Nacht mit dem zusätzlichen Konsum von Cocain z. B., koste dann halt 9.000 Baht oder 10.000 Baht. Das sei schon ein Problem und natürlich schlecht für die Mädchen (auch für die Männer, meiner Meinung). Aber eigentlich wünschen sich alle Frauen möglichst einen seriösen Dauerfreund, der so wie ihrer, alle zwei oder drei Monate kommen könne und ihr in der Zwischenzeit monatlich 500€ überweise. Sie seufzte, es sei eben schwierig. Was solle man machen, erst kürzlich hätten wieder 18 Konzerne ihre Produktionshallen in Thailand geschlossen und wären in die billigeren Nachbarländer gezogen. Übrig geblieben wären viele junge, arbeitslose Frauen, die das Wenige, das sie verdienten auch noch verloren haben. Sie selber sei jetzt sehr glücklich mit ihrem Freund, aber auch sie hatte bis dahin viel Pech gehabt. Als Assistent Nurse wäre sie auf einer Abteilung mit viel zu wenig Personal eingesetzt gewesen und sei verantwortlich gemacht worden, als sich eines der vielen Kinder, die zu beaufsichtigen gewesen waren, verletzt hatte. Sie habe die Arbeit verloren und müsse darüber hinaus 95.000 Baht zahlen. Wie hätte sie das machen sollen, hätte sie nicht ihren Freund gefunden?
Angesichts solcher Geschichten hat man einfach Mitleid, es entsteht aber auch eine eigene Dynamik. Auch eher zurückhaltende Männer werden ihre Bedenken leichter los, einerseits durch die Selbstverständlichkeit mit der das Thema Prostitution insgesamt behandelt wird, und darüber hinaus wird durch Geschichten, wie die oben erzählten, bei den Männern der Eindruck geweckt, sie könnten auf diese Weise etwas für die Frauen tun. Das Gespräch auf dem Rückflug von Bangkok nach München, über das ich oben berichtet habe, bestärkt mich in dieser Annahme, denn es kam eine ähnliche Geschichte darin vor.
Schon etwas sonderbar, was da bei den Männern ausgelöst wird. Aber ist es nicht eigentlich eine ganz ähnliche Empfindung, die auch ich hatte, als ich durch die Bergdörfer ging, halt auf einer anderen Ebene…? Dennoch: Sexuelle Ausbeutung hat schon noch eine andere Dimension, als die Gefühle von uns Normtouristen, die in ein sehr armes Land reisen und meinen, sie würden mit ihrem Kommen den Menschen eine besondere Wohltat erweisen…. Oder wie ist das bei den Herrn der internationalen Konzerne, die angeblich ganz selbstlos billige Arbeitsplätze in Niedriglohnländern schaffen, damit die Menschen nicht mehr so arm sind? Wären sie nicht so ausschließlich gewinnorientiert, könnten dann ev. mehr Frauen die Prostitution vermeiden???? Wo bedeutet ein Verhalten echte Unterstützung und wo beginnt die Ausbeutung und der Missbrauch??? Ist das, was angeblich freiwillig passiert, wirklich so freiwillig?
Der norwegische Freund meiner Gesprächspartnerin wirkte sympathisch, war ein Flugzeugtechniker, der in ganz Norwegen unterwegs war auf Flughäfen und Öl-Plattformen und dessen Ehe auch an der mangelhaften Synchronisierung gescheitert war, die sein berufliches Leben mit sich brachte. Den Forderungen und Erwartungen der Frau daheim hätte er kaum nachkommen können. Jetzt sei er sehr glücklich und überlege, seine Freundin zu heiraten, erzählte er.
Zu denken gibt mir besonders, wie zahlreich die Männer dem Charme von Thailänderinnen erliegen, nicht nur weil die Frauen so hübsch sind, sondern weil sie offensichtlich den Männern erfolgreich vermitteln können, dass sie gebraucht werden.... Die Männer, mit denen ich gesprochen und von denen ich teilweise in den obigen Anekdoten berichtet habe, hatten fast immer irgendwann im Gespräch auch fallen lassen, dass es mit uns Frauen hier in Europa nicht so einfach sei. Wir würden entweder einen Prinzen, eine Universitätsprofessor oder einen Millionär haben wollen und auch sonst seien wir einfach auch ziemlich eigenwillig und selbständig, würden zuviel erwarten - eben…
Ich als Frau sehe die Sache natürlich anders. Ich finde, uns, sowohl den Männern als auch den Frauen, geht es in vieler Hinsicht ähnlich. Wir rutschen eigentlich alle quasi auf der gleichen Seife aus. Schaue ich mir gelegentlich zuviel Werbung oder gar gängige Soaps und besonders US-Filme an, verstärkt sich mein Empfinden des Ungenügens und darüber hinaus der Eindruck, Männer wollten eigentlich nur eine langbeinige, wunderschöne, schlanke Frau mit einem Riesenbusen und einer Löwenmähne, die immer jung bleibt und hervorragend kocht, die man jederzeit seinen Freunden voll Stolz präsentieren kann, die immer schlagfertig und gescheit ist, daheim unaufdringlich und sexy gleichzeitig, anschmiegsam, zurückhaltend und fürsorglich und die im richtigen Moment auf alle Fälle den Kopf schief legen und ein Schnütchen ziehen kann. …Barby und Ken! Hoch sollen sie leben!!! Diesen „Idealen“ gehen wir, Frauen und Männer gleichermaßen, anscheinend voll auf den Leim! Und dann haben wir die Suppe, weil ja letztlich doch alle Menschen nur mit Wasser kochen und höchstens den eigenen inneren Leit-Bildern nur leidvoll hinterher hecheln können!
Ja, das war´s. Ist Thailand nun ein Männerparadies??? Tu ich den Männern Unrecht, wenn ich sie manchmal doch für ganz schön oberflächlich halte? Ich bin jedenfalls ziemlich froh, dass ich hier ein paar wirklich nette Männer kenne, die ich schätze, die mich schätzen und mögen und die mit mir auch nachdenken….
Wie es mir mit den Männern in Thailand ergangen ist? Also, ich bin nicht der Männer wegen nach Thailand gereist. Den einen oder anderen sympathischen Mann hab ich trotzdem gesichtet, Europäer und Thailänder – z. B. den Wirt vom Golden Triangle Inn in Chaing Rai.
Und vor fast vierzig Jahren kannte ich in New York einen jungen Thailänder, den freundlichen Montchai, mit dem ich viel herumgezogen bin, wenn unsere berufliche Arbeit uns Zeit ließ. Er war sehr schüchtern und ich auch. Aber er hat mir damals schon einen kleinen Einblick in seine Welt gewährt und eine kleine Sehnsucht nach Thailand geweckt. Ich hab ihn gern gemocht und viel an ihn gedacht auf meiner Reise durch sein Land.
Damit beende ich nun endgültig meinen langen, mehrteiligen Reisebericht.
Ein paar Vorsätze, die ich mitgenommen habe:
Mich nicht unnötig zu ärgern über Kleinigkeiten….
Mir öfter jene Dinge anzusehen, die mich fröhlich und freundlich machen und mich daran zu freuen…..
Ein freundliches Lächeln übrig zu haben für meine Mitmenschen…..
Mich immer wieder daran zu erinnern, wie gut wir es hier haben…..
Und lieber einmal zuviel, als einmal zu wenig zu lachen – auch über mich selber!
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