ABSCHIED VON EINEM MENSCHEN, DEN ICH LIEBTE

Gute Nacht, meine geliebte Sonne, gute Nacht mein so geliebter Tag. Nun nehme ich Abschied von euch, von den wundersamsten Dingen, die diese Welt schuf und begebe mich in tiefste Dunkelheit. Diese Dunkelheit ist nun unendlich, denn nicht nur ein Abschied von euch wird es sein, nein es ist ein Abschied von dem, einem Menschen, den ich sehr liebte, und an dem mein Herz auch jetzt noch hängt.
Heute, wo er fort ist, wo er niemals wieder kommen wird, da weine ich nicht mehr jeden Tag und es gibt sogar diese Stunden wo er mir gleichgültig ist. Diese Stunden, in denen ich wieder lache, in denen ich lebe. Denn sind es Tränen wert, um ihn zu weinen? Kann ich ihm soviel dieser kostbaren Zeit schenken? Nein, denn es ist trotz allem nur einer dieser Menschen, die weiter leben werden, und die lachen werden und glücklich sind. Einer dieser Menschen, von denen ich annahm, er verstünde mich, könnte mich glücklich machen, ja wäre der EINE. Doch ich musste feststellen, dass es nicht so war. Er ist diese Art von Mensch, die doch irgendwie zur Masse gehört, wenn ich ihn auch auf besonderere Weise noch sehr mag.
Und nun, wo ich denn Abschied nehme, da ist es dieses Begreifen, was mir am meisten Sorgen macht. Dieses Aufwachen nach einer Zeit die erschreckend kurz doch undendlich lang erscheint. Dieses schmerzhafte Vermissen von Etwas, dass nie wieder da sein wird. Und wahrscheinlich ist es gar nicht so sehr der Schmerz allein, der mich beschäftigt. Es ist die Stille, und dieses naive Denken, die Angst vor einem Selbst, die ich einfach nicht begreifen kann.
Und wenn ich nun die Augen schließe, wenn ich weine und mir doch wieder Regen wünsche, dann sehe ich sein Gesicht ganz nah vor meinen Augen und dann kann ich wieder nicht begreifen, wie Menschen dazu in der Lage sind so etwas zu tun. Doch schnell begreife ich, dass er es tat und dass es nun so ist. Verletzt zu werden ist das Eine, die Wunde zu schützen das Andere. Und so sehr ich nun auch in meiner Trauer versinke und einfach nicht mehr in der Lage bin, meine Wunde zu schützen, es gibt diese Momente in denen ich weiß, dass ich es doch tun muss. Dass ich weiter leben muss, dass es immer wieder Menschen geben würden, die mich verletzen. Und ist nicht eine verletzte Seele dennoch stark?
Nun sitze ich hier, tief versunken in der Trauer und weine. Tränen, die ich schon so gut kenne, die mir so vertraut sind. Tränen, die irgendwann nicht mehr für ihn bestimmt sein werden. Denn schreien tue ich schon nicht mehr. Und ich habe es nun aufgegeben nach dem Warum zu suchen. Ein Warum wird mir das Leben nicht geben. Es passiert, und damit muss ich leben. Und eine weitere Wunde, die zur Narbe werden wird, trage ich davon. Unbedeutend und dennoch wichtig.
Und nun ist es ein Abschied den ich vornehme. Noch weiß ich nicht wie entgültig, denn Rückfälle sind so natürlich wie das Leben und der Tod an sich. Und noch denke ich an ihn, denke an diese winzig kleine schöne Zeit, die wir hatten. Und ich denke auch daran, dass ich dumm war, schrecklich dumm so sehr einem Menschen zu vertrauen. Und nun, wo ich weiß, ich habe mich geirrt, ist da nur noch Schmerz, den mir nur die Zeit, die verdammte Zeit nehmen kann. Denn bedeutet nicht Schmerz leiden zu wollen? Wie auch Glück die Zeit darstellt die man nicht leiden will. Aber ich weiß, es ist die Zeit, nur die Zeit, die ich überwinden muss.
Und wenn ich jetzt noch Gedanken an ihn verschwende, so bedeutet das, dass ich lebe. Es heißt nicht mehr und nicht weniger, als dass ich lebe. Denn hat nicht auch das Glück, das er mit sich brachte mich wieder ein Stück reicher gemacht?
Noch oft werden meine Gedanken wieder zu ihm zurückkehren. Wie eine Träne, die einer Welle gleicht, ihren Weg gehen muss, so gehe ich nun auch meinen Weg. Ich weine, weil der Schmerz noch da ist, doch ich lebe. Und es ist gut, dass ich das weiß.
Die Dunkelheit fing mich ein, und für eine Weile betäubte der Schmerz mein Bewusstsein noch zu leben. Doch nun, wo die Sonne wieder leichte Schatten über die Erde wirft, und ich wieder lächle, wenn die Sonne mit ihren Strahlen mein Gesicht ganz leicht berührt, da scheint es unendlich wichtig es niemals zu vergessen. Denn leben werde ich und noch habe ich nicht völlig aufgegeben, an dieses gewisse Glück zu glauben, denn dass das Andere nicht existiert weiß ich nun wieder.
Doch bevor ich nun mit einer Träne, die keine letzte sein wird und einem leisen Flüstern seines nun so verhassten und doch so geliebten Namens Abschied nehmen werde, von dieser Person, die ich liebte, werde ich schweigen. Ich hatte lange Zeit um nachzudenken, um zu leben um zu überleben. Ja, ich hatte Zeit, für eine Weile den Schmerz zu verdrängen um die Heilung schneller herbei zu rufen. Und auch wenn es diese kleinen Momente gibt, in denen mich der Schmerz einfängt, ist es doch so, dass die Heilung nun unendlich langsam ihren Lauf nehmen wird. Und so schweige ich nun noch einmal um alle Gedanken an das Schöne, dieses schmerzhafteste, vor dem ich Angst hatte, zuzulassen. Und es tut weh, keine Frage, es tut sogar verdammt weh. Da ganz tief in meinem Herzen wo jetzt gerade nichts mehr ist als Leere. Und dennoch ist da noch diese Liebe zu diesem Menschen, den ich nun eigentlich hassen sollte. Da ganz tief in mir ist dieses Schöne, das ich mit ihm verbinde und krallt sich noch an mir fest. Ich lasse es zu, noch einmal. Nur noch eine kleine Ewigkeit. Denn diese Stille ist unendlich wichtig. Nicht nur, weil der Schmerz dann noch einmal zu Hass wird, um des Erinnern Willens. Es ist wichtig, nicht zu vergessen, sondern zu verarbeiten. Die Wunde als schöne Erinnerung anzusehen und nicht als Objekt des Schmerzes, immer wieder aufreißbar.
Denn die Zeit wird kommen, da werde ich mit einem Lächeln erwachen, an diese Zeit denken, und nicht mehr hassen können. Und das ist der Zeitpunkt wo er wieder zurückkehren kann in meine Erinnerung. Der Zeitpunkt, wo der Schmerz aufhören wird und ich nicht mehr nur leben, sondern frei sein werde. Der Zeitpunkt, wo ich nicht mal mehr in meinen tiefsten Gedanken ein Warum brauchen werde.
Und so nehme ich denn Abschied von einem Menschen, den ich liebte. Einem Menschen, der mich glücklich machte für unendlich kurze, und doch so lange Zeit. Einem Menschen, dem ich mein Vertrauen schenkte. Einem Menschen, den es so nicht wieder gibt. Einem Menschen, der einzigartig ist. Einem Menschen, der mich verletzte. Einem Menschen, der nun verschwindet. Einem Menschen, den ich liebte.
Gute Nacht meine geliebte Sonne, gute Nacht mein so geliebter Tag. Begrüßt mit mir den Mond, verschwindet mit mir in tiefster Dunkelheit. Gute Nacht, denn dies ist ein Abschied. Ein Abschied von einem Menschen, den ich liebte.