Abschlussfahrt
Geschichte über eine Klassenreise in die DDR aus dem Jahr 1986
Es regnete, als wir zur Abschlussfahrt unseres Kurses „Geschichte der DDR“ in der 10. Klasse unserer Stader Realschule aufbrachen. Meine Freundin Nellie und ich saßen nebeneinander im Bus und waren voller Erwartungen.
Kurz vor der Grenze machten wir unseren letzten Stopp. Pacholski, unser Mathe- und Geschichtslehrer, schritt im Bus Reihe für Reihe ab und sah jeden scharf an. Dass wir ja den Mund halten während der Abfertigung! Die Richtmikrofone seien auf den Bus gerichtet und übertrügen jedes Wort, so dass die Grenzer in ihrem kleinen Glaskasten alles hören könnten. Alles!
Nellie und ich hielten ihn wie immer für paranoid, grinsten uns verständnisinnig an und sahen aus dem Fenster.
Der Grenzer saß in einem Glaskasten am Schreibtisch und beachtete Pacholski, der vor ihm stand, nicht, sondern sah sich jeden Pass genau an. Seine Miene war ebenso ausdruckslos wie die seiner bewaffneten Kollegen, die mit geschulterten Maschinengewehren herumstanden. Die Helme auf ihren Köpfen erinnerten an umgedrehte Suppenschüsseln, doch wir lachten nicht, sondern flüsterten nur, weil wir an die Richtmikrofone dachten. In diesem Moment glaubte ich Pacholski jedes Wort. Einer der Grenzer, die sich um unseren Bus verteilt hatten, wandte sich zackig um und marschierte ins Grenzhaus. Tobias, unser Klassenkasper, prustete los und kriegte sich nicht wieder ein. Frank hielt ihm den Mund zu. Ich hatte immer noch den Grenzer am Schreibtisch im Blick. Als Tobias lachte, hob er den Kopf und schaute zu uns hinüber. Plötzlich wollte ich nicht mehr in die DDR, vielleicht kämen wir nie wieder raus ... Jetzt könnten wir noch umkehren.
Doch da kamen Pacholski und der Grenzer schon aus dem Glaskasten. Der Grenzer war, wie seine Kollegen, mit einem Maschinengewehr bewaffnet. Im nächsten Moment waren sie bei uns im Bus. Pacholski ging wortlos nach hinten durch, der Grenzer hinter ihm, das Maschinengewehr über der Schulter. Noch nie in meinem Leben hatte ich einen bewaffneten Menschen so dicht vor mir gehabt. Er verglich jedes Gesicht mit dem dazugehörenden Passbild, und als er kurz vor mir stehen blieb, stellte ich mir plötzlich vor, wie er die Waffe auf mich richtet. Meine Angst steigerte sich, als ich in sein versteinertes Gesicht sah. Ich schluckte, doch er hatte sich schon abgewandt. Bei Tobias blieb er länger stehen und schaute wortlos zwischen Tobias und dem Pass hin und her. Kein Geräusch war zu hören, bis der Grenzer endlich den Bus verlassen hatte.
Wir passierten die Grenze. Aus meiner Vorfreude war Beklemmung geworden. Am liebsten kehrte ich um. Mit einem Seitenblick konnte ich Nellies Gesichtszügen ablesen, dass es ihr genauso ging. Ich drehte mich verstohlen um. Die anderen sahen tapfer aus, aber nicht mehr erwartungsvoll.
Der Blick auf die riesigen Felder beruhigte mich ein wenig. Wir fuhren und fuhren, ohne ein einziges Haus zu sehen. Manchmal überholte uns ein Trabbi, was unsere Verkrampfung allmählich löste. Bei jedem Trabbi wurde lauter gelacht. Trotzdem wirkte die Atmosphäre gezwungen.
In der Umgebung Potsdams tauchten endlich vereinzelte Häuser auf. Häuser mit grauen Fassaden und grauen Dächern. Verfallen wirkten sie, leblos. So hat mir meine Großmutter die Nachkriegszeit beschrieben.
Vereinzelt standen Leute am Straßenrand. Die Kinder winkten, wurden aber sofort von ihren Müttern fortgezogen. Wir winkten ebenfalls. Der Bus war offenbar ein Blickfang. Mir war das unangenehm. Was mir am Morgen noch normal erschienen war, kam mir nun protzig vor. Es schien mir, als wenn nur die Kinder uns beachteten. Meine Versuche, mit den Erwachsenen Blickkontakt zu bekommen, blieben erfolglos.
Unser erster Reisetag endete irgendwo in einem Landgasthof, in dem wir angemeldet waren. Wir hielten auf einem leeren Platz und atmeten zum ersten Mal die nach Kohleheizung riechende Luft. Über eine leere Straße gingen wir zum Gasthaus, das tatsächlich geöffnet war, obwohl kein Licht nach draußen schien. Wir sahen keinen Menschen, weder draußen noch in einem der umliegenden Häuser am Fenster. Ich hatte ein bisschen Heimweh und trank still meine quietschrote Brause. Nellie und ich sprachen kaum, obwohl uns sonst der Gesprächsstoff nie ausging.
Am nächsten Tag stand die Besichtigung des Schlosses Sanssauci in Potsdam auf unserem Programm. Außer uns war wieder kein Mensch zu sehen. Würden wir hier überhaupt Einheimische treffen? Welche Musik hörten die denn? Was für Klamotten trugen sie? Das marode Schloss jedenfalls wollte keiner von ihnen besichtigen, was wir gut nachvollziehen konnten.
Am Nachmittag endlich trafen wir einheimische Jugendliche unseres Alters. Wir fuhren eine ganze Weile mit dem Bus ins Potsdamer Umland bis zu einem frei stehenden Haus. Im großen Kellerraum, der wie ein Partykeller ausgestattet war, erwartete uns eine Jugendgruppe. Freundlich wurden wir begrüßt und mit roter Brause versorgt. Wir waren froh, endlich mit Jugendlichen zusammen zu kommen. Ich wunderte mich darüber, dass viele englische Vornamen hatten. Das Kennenlernen war locker und unverkrampft, und wir kamen schnell zu den Themen, die uns bewegten. Staunend erfuhren wir, dass niemand hier vierzig Bewerbungen für eine Lehrstelle schrieb und dass darüber hinaus auch noch jeder eine bekam; vielleicht nicht gerade in seinem Wunschberuf, aber niemand saß auf der Straße. Ich hingegen hatte schon mehr als vierzig Bewerbungen geschrieben und noch immer keine Zusage erhalten. Nellie hatte sich aus Verzweiflung in der Hauswirtschaftsschule angemeldet, weil sie keine Lehrstelle ergattern konnte. Viele von uns gingen aus Ratlosigkeit zunächst zu einer weiterführenden Schule, um ein oder zwei Jahre später erneut zu versuchen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.
Mein Mitleid mit den Leuten in der DDR schwand. Die Teens jedenfalls schienen keine Sorgen zu haben. Vielleicht war es gar nicht so übel hier. Wir tauschten schon einmal die Adressen mit unserer Reiseleiterin und den Leuten aus der Jugendgruppe. Schreiben wollten wir uns unbedingt.
Im Haus war Rauchverbot, also ging ich zwischendurch zum Rauchen hinaus. Vor der Tür hatten sich ein paar Jugendliche versammelt, die meine Aufmerksamkeit erregten, weil sie schwarz angezogen waren, spitze Schuhe trugen und toupierte Frisuren hatten – New Waver wie ich.
„Scheiß Westen“, hörte ich im Vorbeigehen.
Ich blieb stehen und fixierte den Jungen, der das sagte. Er hatte hellblaue Augen und einen provozierenden Blick. Wir sahen uns eine Weile wortlos an.
Schließlich hielt er mir seine Zigarettenschachtel hin. Ich rauchte F 6 und verschenkte dafür Camel. So standen wir zu fünft in der Kälte. Der Junge stellte sich als Mario vor. Er gefiel mir. Er und seine Leute waren nicht in der FDJ und durften deshalb nicht mit zum Gespräch. Ich erfuhr, dass nur ausgewählte Jugendliche sich mit uns treffen durften, regimetreue FDJler.
„Aber nur außerhalb“, meinte Mario.
Deshalb also dieses Kaff so weit draußen.
Ob uns nicht aufgefallen sei, dass wir bei unseren Besichtigungen niemanden treffen?
Klar, das fiel uns schon in Potsdam auf. Aber dass das von staatlicher Seite so eingerichtet worden war, wäre mir im Traum nicht eingefallen.
„Und warum „Scheiß Westen“?“, fragte ich.
„War nur so dahingesagt.“ Mario grinste. „Hat doch den Zweck erfüllt.“
Ich nickte. Schließlich stand ich nun hier und rauchte F 6. Diese Waver hatten hier keinerlei Privilegien. Sie bekamen nur Lehrstellen irgendwo in der Produktion, wurden aber nicht zum Studium zugelassen.
Mario und ich fachsimpelten über „The Cure“ und „Anne Clark“, und ich verliebte mich ein wenig in ihn, seine hellen Augen, sein blondes Haar. Er war kräftig und kaum größer als ich. Schließlich fragte er nach meiner Adresse. Während ich sie ihm gab, dachte ich mir, dass ja nichts passieren könne. Mario würde nicht plötzlich vor meiner Tür stehen. Ich verschwieg ihm meinen Freund und hatte ein schlechtes Gewissen beiden gegenüber. Seine Adresse steckte ich in seine Zigarettenschachtel, die er mir geschenkt hatte.
Am nächsten Morgen brachen wir zu unserer nächsten Station auf. In der Jugendherberge fragten uns Tini und Mandy aus Treuenbrietzen, ob wir schon einmal in Prag oder in Moskau waren.
„Ich denke, die dürfen nicht reisen“, flüsterte ich Nellie zu, die mich ratlos ansah.
Doch da hatten wir wohl etwas falsch verstanden, denn wie sich zeigte, waren die beiden mehr herumgekommen als ich.
Ob wir ihnen mal ein paar Jeans schicken können, fragten sie. Unsere Musik wurde hier auch gehört, sie kannten alles! Auf unsere erstaunte Frage, wie das denn gehe, wo Westfernsehen doch verboten sei, ernteten wir Gelächter. Wir kamen uns vor wie Hinterwäldler und versprachen, ein paar BRAVOs zu schicken. Wenigstens die gab es hier nicht zu kaufen ...
Als sie uns ihre Adressen aufschrieben, bewunderte ich die wunderschönen Handschriften der Mädchen. Ich gab mir extra Mühe beim Schreiben, aber im Vergleich zu ihren sah meine Adresse aus, als sei sie lieblos hingekritzelt worden. Wir erfuhren, dass in der Schule Wert darauf gelegt werde; den Mädchen selbst bedeutete es nichts. Ich hätte viel darum gegeben, so eine Handschrift zu haben! Wie schön sähen meine gesammelten Gedichte in meiner Kladde in dieser feinen Schrift aus; vielleicht könnte ich Tini später per Brief bitten, mir einige der Gedichte abzuschreiben. Hier in der Runde mochte ich das nicht ansprechen; Nellie lachte ohnehin schon über meinen „Gedichtefimmel“, wie sie es nannte.
Morgens fragten Mandy und Tini, wann wir wiederkämen.
In der Nacht hatten wir vergessen, dass uns eine gnadenlose Grenze trennte.
Wir umarmten uns zum Abschied und hielten uns dabei ganz fest. Doch der Busfahrer hupte immer wieder, bis wir schließlich einstiegen und uns sofort an die Fenster drängten. Mandy und Tini liefen ein Stück neben dem anfahrenden Bus her, wir pressten die Handflächen an die Scheiben.
Es ging weiter nach Rostock, wo wir auf einem Schiff mit abschließbaren Kajüten wohnten. An Bord gab es sogar eine Disco. Es waren auch einheimische Jugendliche da und wir fanden schnell Kontakt. Nellie und ich tranken DDR-Bier aus großen Flaschen und rauchten F 6 dazu. Die Musik war etwas uncool, obwohl „Karat“ auch bei uns ein Renner war. Nellie verliebte sich in Jan, einen umwerfend komischen und lieben Typ. Irgendwann verschwanden beide in seiner Kajüte. Sie waren nicht die einzigen – an diesem Abend fanden sich mehrere Paare. Sie schlossen sich ein, während Pacholski über die Flure tobte und an die Türen hämmerte.
Ich dachte an Mario, von dem ich Nellie nichts erzählt hatte; aber auch an meinen Freund, der mir nun so weit weg zu sein schien. Es war, als hätte ich das Leben getauscht und sei in eine andere Welt getaucht, in der ich mich nicht beheimaten konnte und für die ich dennoch wegen der Mentalität ihrer Menschen eine tiefe Zuneigung empfand. Mehr denn je war ich hin- und hergerissen zwischen Heimweh und dem Gefühl, hier nicht genug Zeit zu haben.
Wieder mussten wir weiter. Fast allen liefen die Tränen herunter. Nellie und Jan mussten sich trennen, und beim Anblick dessen fühlte ich mich in eine Zeit versetzt, die mit Frieden und Freiheit nichts zu tun hatte. Sie klammerten sich aneinander und weinten, bis Pacholski und Jans Lehrerin sie trennten. Nellie wollte partout nicht mit, wollte in der DDR bleiben, wenn Jan schon nicht raus konnte. Sie sei fast sechzehn, wir sollten sie zurücklassen, mit sechzehn könne sie heiraten. Ich hatte Angst, dass sie es ernst meinte. Wie sollte ich ohne Nellie zurückfahren?
Jans Lehrerin und Pacholski redeten auf beide ein. Pacholski könne sie doch nicht hier lassen, er habe Verantwortung für sie übernommen, was sollten ihre Eltern sagen. Jan herrschte sie schließlich an, sie solle nicht so blöd sein, freiwillig hier zu bleiben, sie wisse ja gar nicht, auf was sie sich da einlasse. Pacholski musste Nellie fast zum Bus tragen, ihre Beine knickten immer wieder ein. Jan wandte sich ab, als der Bus anfuhr. Nellie setzte sich nicht wie sonst neben mich, sondern allein auf eine Zweierbank.
Unsere letzte Station war die Landeshauptstadt Berlin. Ich machte mich allein auf den Weg, denn Nellie wollte nicht mit mir kommen. Auf dem Wochenmarkt kaufte ich einen kleinen grünen Apfel. Als die Frau merkte, dass ich aus dem Westen war, nahm sie wortkarg meine DDR-Geldmünzen entgegen. „Spielgeld“, hatten wir gefrotzelt. Nun hatten wir noch eine ganze Menge davon und nur bis zum Abend Zeit, es auszugeben.
Die Preispolitik war undurchschaubar für mich. Ein Paar Schuhe kostete zweihundert Mark; soviel besaß ich nicht. Ein Brötchen oder ein kleiner Imbiss war dagegen so billig, dass ich damit mein Geld garantiert nicht loswürde. Schließlich kaufte ich eine LP von Chopin. Die Verkäuferin wickelte die LP so in einen Bogen Papier, dass es ohne Tesa hielt. Ich traute mich nicht, die LP draußen noch einmal auszuwickeln und anzuschauen, weil ich genau wusste, dass ich sie niemals genauso wieder einschlagen könnte.
Mein Spaziergang führte mich so dicht an das Brandenburger Tor wie es erlaubt war. Zum ersten Mal sah ich die Quadriga von vorne. Die Mauer, die direkt am Brandenburger Tor entlang führte, und die ganze Grenzanlage mit ihren Zäunen, Stacheldrähten und bewaffneten Soldaten erschienen mir unüberwindlich, unumstößlich. Während ich vor dem Brandenburger Tor stand, fragte ich mich, wie es wäre, einfach hindurchzugehen. Würde man wirklich auf mich schießen, wenn ich es versuchte? Aber ich käme doch nicht weit, es stand ja gleich dahinter die Mauer.
Als wir uns zur Rückreise wieder trafen, hatten fast alle kuriose Dinge gekauft, um das Geld loszuwerden.
Tobias hatte sein ganzes DDR-Geld in F 6-Zigaretten investiert, obwohl er Nichtraucher war. Er glaubte, er könne die Kippen für West-Geld an uns Raucher verkaufen, hatte er doch gesehen, wie begeistert wir F 6 qualmten. Doch er blieb auf den Zigaretten sitzen. Ohne unsere neuen Freunde hatten wir kein Interesse an F 6.
Am Spätnachmittag hielt unser Bus wieder an der Grenze. Wieder ging Pacholski mit den Pässen in den Glaskasten. Nellie starrte aus dem Fenster. Wir waren ganz still, sogar Tobias.
Als Pacholski mit dem Grenzer zurück kam, blieb dieser vor Nellie stehen, die sich wieder allein in die Zweierbank gesetzt hatte. Minutenlang fixierte er ihre rotgeweinten Augen, bis er ihr endlich den Pass zurückgab. Aus Nellies Zügen war keine Gefühlsregung zu lesen. Kurz darauf verließ der Grenzer den Bus. Wir fuhren langsam an, passierten die Laternen und die bewaffneten Grenzer, bis schließlich das Landesschild „Bundesrepublik Deutschland“ vor uns auftauchte.
Hinten im Bus fingen sie an zu jubeln. Wir stimmten ein, schrien und sangen, ließen uns aus über rote Brause, Trabbis, Grenzer mit Suppenschüsseln auf den Köpfen und alles, was komisch war. Pacholski saß grinsend neben dem Fahrer und ließ uns toben.
Nur Nellie weinte. Ich setzte mich neben sie und sie ließ es geschehen. Aber als ich ihre Hand nahm, zog sie sie weg. Wir sprachen kein Wort bis Stade.
Ich dachte an Mario und an meinen Freund, freute mich auf zu Hause, das nun wieder greifbar erschien; und glaubte nicht, dass ich jemals wieder in die DDR käme.
In der ersten Zeit nach unserer Klassenreise waren Tini und Mandy meine Brieffreundinnen geworden. Ich habe mich jedoch nie getraut, um ein Gedicht zu bitten, und für Jeans hatte ich kein Geld. Mit der Zeit verloren wir den Kontakt. Ich weiß nicht, was aus ihnen geworden ist.
Die Briefe an unsere Reiseleiterin kamen mit dem Vermerk „Empfänger unbekannt“ zurück.
Drei Jahre nach unserer Klassenreise sah ich gemeinsam mit meinem Partner, den ich zwischenzeitlich geheiratet hatte, die ergreifenden Bilder des Mauerfalls im Fernsehen.
Nach der Grenzöffnung bekam ich Post von Mario, die ich aus Angst vor einer Szene vor meinem Mann versteckte und nicht beantwortete, obwohl ich Mario sehr gern wiedergesehen hätte.
An einem kühlen Frühlingstag besuchte ich Nellie, die nach Brandenburg gezogen war. Wir fuhren mit Jan nach Berlin und gingen von Ost nach West durch das Brandenburger Tor, mit Tränen in den Augen, vorbei an Flohmarktständen mit NVA-Uniformen und Abzeichen.
(c) by Maren Schönfeld, Hamburg, 2007
erscheint 2008 in einer Anthologie des Verbands Norddeutscher Autoren
Kurz vor der Grenze machten wir unseren letzten Stopp. Pacholski, unser Mathe- und Geschichtslehrer, schritt im Bus Reihe für Reihe ab und sah jeden scharf an. Dass wir ja den Mund halten während der Abfertigung! Die Richtmikrofone seien auf den Bus gerichtet und übertrügen jedes Wort, so dass die Grenzer in ihrem kleinen Glaskasten alles hören könnten. Alles!
Nellie und ich hielten ihn wie immer für paranoid, grinsten uns verständnisinnig an und sahen aus dem Fenster.
Der Grenzer saß in einem Glaskasten am Schreibtisch und beachtete Pacholski, der vor ihm stand, nicht, sondern sah sich jeden Pass genau an. Seine Miene war ebenso ausdruckslos wie die seiner bewaffneten Kollegen, die mit geschulterten Maschinengewehren herumstanden. Die Helme auf ihren Köpfen erinnerten an umgedrehte Suppenschüsseln, doch wir lachten nicht, sondern flüsterten nur, weil wir an die Richtmikrofone dachten. In diesem Moment glaubte ich Pacholski jedes Wort. Einer der Grenzer, die sich um unseren Bus verteilt hatten, wandte sich zackig um und marschierte ins Grenzhaus. Tobias, unser Klassenkasper, prustete los und kriegte sich nicht wieder ein. Frank hielt ihm den Mund zu. Ich hatte immer noch den Grenzer am Schreibtisch im Blick. Als Tobias lachte, hob er den Kopf und schaute zu uns hinüber. Plötzlich wollte ich nicht mehr in die DDR, vielleicht kämen wir nie wieder raus ... Jetzt könnten wir noch umkehren.
Doch da kamen Pacholski und der Grenzer schon aus dem Glaskasten. Der Grenzer war, wie seine Kollegen, mit einem Maschinengewehr bewaffnet. Im nächsten Moment waren sie bei uns im Bus. Pacholski ging wortlos nach hinten durch, der Grenzer hinter ihm, das Maschinengewehr über der Schulter. Noch nie in meinem Leben hatte ich einen bewaffneten Menschen so dicht vor mir gehabt. Er verglich jedes Gesicht mit dem dazugehörenden Passbild, und als er kurz vor mir stehen blieb, stellte ich mir plötzlich vor, wie er die Waffe auf mich richtet. Meine Angst steigerte sich, als ich in sein versteinertes Gesicht sah. Ich schluckte, doch er hatte sich schon abgewandt. Bei Tobias blieb er länger stehen und schaute wortlos zwischen Tobias und dem Pass hin und her. Kein Geräusch war zu hören, bis der Grenzer endlich den Bus verlassen hatte.
Wir passierten die Grenze. Aus meiner Vorfreude war Beklemmung geworden. Am liebsten kehrte ich um. Mit einem Seitenblick konnte ich Nellies Gesichtszügen ablesen, dass es ihr genauso ging. Ich drehte mich verstohlen um. Die anderen sahen tapfer aus, aber nicht mehr erwartungsvoll.
Der Blick auf die riesigen Felder beruhigte mich ein wenig. Wir fuhren und fuhren, ohne ein einziges Haus zu sehen. Manchmal überholte uns ein Trabbi, was unsere Verkrampfung allmählich löste. Bei jedem Trabbi wurde lauter gelacht. Trotzdem wirkte die Atmosphäre gezwungen.
In der Umgebung Potsdams tauchten endlich vereinzelte Häuser auf. Häuser mit grauen Fassaden und grauen Dächern. Verfallen wirkten sie, leblos. So hat mir meine Großmutter die Nachkriegszeit beschrieben.
Vereinzelt standen Leute am Straßenrand. Die Kinder winkten, wurden aber sofort von ihren Müttern fortgezogen. Wir winkten ebenfalls. Der Bus war offenbar ein Blickfang. Mir war das unangenehm. Was mir am Morgen noch normal erschienen war, kam mir nun protzig vor. Es schien mir, als wenn nur die Kinder uns beachteten. Meine Versuche, mit den Erwachsenen Blickkontakt zu bekommen, blieben erfolglos.
Unser erster Reisetag endete irgendwo in einem Landgasthof, in dem wir angemeldet waren. Wir hielten auf einem leeren Platz und atmeten zum ersten Mal die nach Kohleheizung riechende Luft. Über eine leere Straße gingen wir zum Gasthaus, das tatsächlich geöffnet war, obwohl kein Licht nach draußen schien. Wir sahen keinen Menschen, weder draußen noch in einem der umliegenden Häuser am Fenster. Ich hatte ein bisschen Heimweh und trank still meine quietschrote Brause. Nellie und ich sprachen kaum, obwohl uns sonst der Gesprächsstoff nie ausging.
Am nächsten Tag stand die Besichtigung des Schlosses Sanssauci in Potsdam auf unserem Programm. Außer uns war wieder kein Mensch zu sehen. Würden wir hier überhaupt Einheimische treffen? Welche Musik hörten die denn? Was für Klamotten trugen sie? Das marode Schloss jedenfalls wollte keiner von ihnen besichtigen, was wir gut nachvollziehen konnten.
Am Nachmittag endlich trafen wir einheimische Jugendliche unseres Alters. Wir fuhren eine ganze Weile mit dem Bus ins Potsdamer Umland bis zu einem frei stehenden Haus. Im großen Kellerraum, der wie ein Partykeller ausgestattet war, erwartete uns eine Jugendgruppe. Freundlich wurden wir begrüßt und mit roter Brause versorgt. Wir waren froh, endlich mit Jugendlichen zusammen zu kommen. Ich wunderte mich darüber, dass viele englische Vornamen hatten. Das Kennenlernen war locker und unverkrampft, und wir kamen schnell zu den Themen, die uns bewegten. Staunend erfuhren wir, dass niemand hier vierzig Bewerbungen für eine Lehrstelle schrieb und dass darüber hinaus auch noch jeder eine bekam; vielleicht nicht gerade in seinem Wunschberuf, aber niemand saß auf der Straße. Ich hingegen hatte schon mehr als vierzig Bewerbungen geschrieben und noch immer keine Zusage erhalten. Nellie hatte sich aus Verzweiflung in der Hauswirtschaftsschule angemeldet, weil sie keine Lehrstelle ergattern konnte. Viele von uns gingen aus Ratlosigkeit zunächst zu einer weiterführenden Schule, um ein oder zwei Jahre später erneut zu versuchen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.
Mein Mitleid mit den Leuten in der DDR schwand. Die Teens jedenfalls schienen keine Sorgen zu haben. Vielleicht war es gar nicht so übel hier. Wir tauschten schon einmal die Adressen mit unserer Reiseleiterin und den Leuten aus der Jugendgruppe. Schreiben wollten wir uns unbedingt.
Im Haus war Rauchverbot, also ging ich zwischendurch zum Rauchen hinaus. Vor der Tür hatten sich ein paar Jugendliche versammelt, die meine Aufmerksamkeit erregten, weil sie schwarz angezogen waren, spitze Schuhe trugen und toupierte Frisuren hatten – New Waver wie ich.
„Scheiß Westen“, hörte ich im Vorbeigehen.
Ich blieb stehen und fixierte den Jungen, der das sagte. Er hatte hellblaue Augen und einen provozierenden Blick. Wir sahen uns eine Weile wortlos an.
Schließlich hielt er mir seine Zigarettenschachtel hin. Ich rauchte F 6 und verschenkte dafür Camel. So standen wir zu fünft in der Kälte. Der Junge stellte sich als Mario vor. Er gefiel mir. Er und seine Leute waren nicht in der FDJ und durften deshalb nicht mit zum Gespräch. Ich erfuhr, dass nur ausgewählte Jugendliche sich mit uns treffen durften, regimetreue FDJler.
„Aber nur außerhalb“, meinte Mario.
Deshalb also dieses Kaff so weit draußen.
Ob uns nicht aufgefallen sei, dass wir bei unseren Besichtigungen niemanden treffen?
Klar, das fiel uns schon in Potsdam auf. Aber dass das von staatlicher Seite so eingerichtet worden war, wäre mir im Traum nicht eingefallen.
„Und warum „Scheiß Westen“?“, fragte ich.
„War nur so dahingesagt.“ Mario grinste. „Hat doch den Zweck erfüllt.“
Ich nickte. Schließlich stand ich nun hier und rauchte F 6. Diese Waver hatten hier keinerlei Privilegien. Sie bekamen nur Lehrstellen irgendwo in der Produktion, wurden aber nicht zum Studium zugelassen.
Mario und ich fachsimpelten über „The Cure“ und „Anne Clark“, und ich verliebte mich ein wenig in ihn, seine hellen Augen, sein blondes Haar. Er war kräftig und kaum größer als ich. Schließlich fragte er nach meiner Adresse. Während ich sie ihm gab, dachte ich mir, dass ja nichts passieren könne. Mario würde nicht plötzlich vor meiner Tür stehen. Ich verschwieg ihm meinen Freund und hatte ein schlechtes Gewissen beiden gegenüber. Seine Adresse steckte ich in seine Zigarettenschachtel, die er mir geschenkt hatte.
Am nächsten Morgen brachen wir zu unserer nächsten Station auf. In der Jugendherberge fragten uns Tini und Mandy aus Treuenbrietzen, ob wir schon einmal in Prag oder in Moskau waren.
„Ich denke, die dürfen nicht reisen“, flüsterte ich Nellie zu, die mich ratlos ansah.
Doch da hatten wir wohl etwas falsch verstanden, denn wie sich zeigte, waren die beiden mehr herumgekommen als ich.
Ob wir ihnen mal ein paar Jeans schicken können, fragten sie. Unsere Musik wurde hier auch gehört, sie kannten alles! Auf unsere erstaunte Frage, wie das denn gehe, wo Westfernsehen doch verboten sei, ernteten wir Gelächter. Wir kamen uns vor wie Hinterwäldler und versprachen, ein paar BRAVOs zu schicken. Wenigstens die gab es hier nicht zu kaufen ...
Als sie uns ihre Adressen aufschrieben, bewunderte ich die wunderschönen Handschriften der Mädchen. Ich gab mir extra Mühe beim Schreiben, aber im Vergleich zu ihren sah meine Adresse aus, als sei sie lieblos hingekritzelt worden. Wir erfuhren, dass in der Schule Wert darauf gelegt werde; den Mädchen selbst bedeutete es nichts. Ich hätte viel darum gegeben, so eine Handschrift zu haben! Wie schön sähen meine gesammelten Gedichte in meiner Kladde in dieser feinen Schrift aus; vielleicht könnte ich Tini später per Brief bitten, mir einige der Gedichte abzuschreiben. Hier in der Runde mochte ich das nicht ansprechen; Nellie lachte ohnehin schon über meinen „Gedichtefimmel“, wie sie es nannte.
Morgens fragten Mandy und Tini, wann wir wiederkämen.
In der Nacht hatten wir vergessen, dass uns eine gnadenlose Grenze trennte.
Wir umarmten uns zum Abschied und hielten uns dabei ganz fest. Doch der Busfahrer hupte immer wieder, bis wir schließlich einstiegen und uns sofort an die Fenster drängten. Mandy und Tini liefen ein Stück neben dem anfahrenden Bus her, wir pressten die Handflächen an die Scheiben.
Es ging weiter nach Rostock, wo wir auf einem Schiff mit abschließbaren Kajüten wohnten. An Bord gab es sogar eine Disco. Es waren auch einheimische Jugendliche da und wir fanden schnell Kontakt. Nellie und ich tranken DDR-Bier aus großen Flaschen und rauchten F 6 dazu. Die Musik war etwas uncool, obwohl „Karat“ auch bei uns ein Renner war. Nellie verliebte sich in Jan, einen umwerfend komischen und lieben Typ. Irgendwann verschwanden beide in seiner Kajüte. Sie waren nicht die einzigen – an diesem Abend fanden sich mehrere Paare. Sie schlossen sich ein, während Pacholski über die Flure tobte und an die Türen hämmerte.
Ich dachte an Mario, von dem ich Nellie nichts erzählt hatte; aber auch an meinen Freund, der mir nun so weit weg zu sein schien. Es war, als hätte ich das Leben getauscht und sei in eine andere Welt getaucht, in der ich mich nicht beheimaten konnte und für die ich dennoch wegen der Mentalität ihrer Menschen eine tiefe Zuneigung empfand. Mehr denn je war ich hin- und hergerissen zwischen Heimweh und dem Gefühl, hier nicht genug Zeit zu haben.
Wieder mussten wir weiter. Fast allen liefen die Tränen herunter. Nellie und Jan mussten sich trennen, und beim Anblick dessen fühlte ich mich in eine Zeit versetzt, die mit Frieden und Freiheit nichts zu tun hatte. Sie klammerten sich aneinander und weinten, bis Pacholski und Jans Lehrerin sie trennten. Nellie wollte partout nicht mit, wollte in der DDR bleiben, wenn Jan schon nicht raus konnte. Sie sei fast sechzehn, wir sollten sie zurücklassen, mit sechzehn könne sie heiraten. Ich hatte Angst, dass sie es ernst meinte. Wie sollte ich ohne Nellie zurückfahren?
Jans Lehrerin und Pacholski redeten auf beide ein. Pacholski könne sie doch nicht hier lassen, er habe Verantwortung für sie übernommen, was sollten ihre Eltern sagen. Jan herrschte sie schließlich an, sie solle nicht so blöd sein, freiwillig hier zu bleiben, sie wisse ja gar nicht, auf was sie sich da einlasse. Pacholski musste Nellie fast zum Bus tragen, ihre Beine knickten immer wieder ein. Jan wandte sich ab, als der Bus anfuhr. Nellie setzte sich nicht wie sonst neben mich, sondern allein auf eine Zweierbank.
Unsere letzte Station war die Landeshauptstadt Berlin. Ich machte mich allein auf den Weg, denn Nellie wollte nicht mit mir kommen. Auf dem Wochenmarkt kaufte ich einen kleinen grünen Apfel. Als die Frau merkte, dass ich aus dem Westen war, nahm sie wortkarg meine DDR-Geldmünzen entgegen. „Spielgeld“, hatten wir gefrotzelt. Nun hatten wir noch eine ganze Menge davon und nur bis zum Abend Zeit, es auszugeben.
Die Preispolitik war undurchschaubar für mich. Ein Paar Schuhe kostete zweihundert Mark; soviel besaß ich nicht. Ein Brötchen oder ein kleiner Imbiss war dagegen so billig, dass ich damit mein Geld garantiert nicht loswürde. Schließlich kaufte ich eine LP von Chopin. Die Verkäuferin wickelte die LP so in einen Bogen Papier, dass es ohne Tesa hielt. Ich traute mich nicht, die LP draußen noch einmal auszuwickeln und anzuschauen, weil ich genau wusste, dass ich sie niemals genauso wieder einschlagen könnte.
Mein Spaziergang führte mich so dicht an das Brandenburger Tor wie es erlaubt war. Zum ersten Mal sah ich die Quadriga von vorne. Die Mauer, die direkt am Brandenburger Tor entlang führte, und die ganze Grenzanlage mit ihren Zäunen, Stacheldrähten und bewaffneten Soldaten erschienen mir unüberwindlich, unumstößlich. Während ich vor dem Brandenburger Tor stand, fragte ich mich, wie es wäre, einfach hindurchzugehen. Würde man wirklich auf mich schießen, wenn ich es versuchte? Aber ich käme doch nicht weit, es stand ja gleich dahinter die Mauer.
Als wir uns zur Rückreise wieder trafen, hatten fast alle kuriose Dinge gekauft, um das Geld loszuwerden.
Tobias hatte sein ganzes DDR-Geld in F 6-Zigaretten investiert, obwohl er Nichtraucher war. Er glaubte, er könne die Kippen für West-Geld an uns Raucher verkaufen, hatte er doch gesehen, wie begeistert wir F 6 qualmten. Doch er blieb auf den Zigaretten sitzen. Ohne unsere neuen Freunde hatten wir kein Interesse an F 6.
Am Spätnachmittag hielt unser Bus wieder an der Grenze. Wieder ging Pacholski mit den Pässen in den Glaskasten. Nellie starrte aus dem Fenster. Wir waren ganz still, sogar Tobias.
Als Pacholski mit dem Grenzer zurück kam, blieb dieser vor Nellie stehen, die sich wieder allein in die Zweierbank gesetzt hatte. Minutenlang fixierte er ihre rotgeweinten Augen, bis er ihr endlich den Pass zurückgab. Aus Nellies Zügen war keine Gefühlsregung zu lesen. Kurz darauf verließ der Grenzer den Bus. Wir fuhren langsam an, passierten die Laternen und die bewaffneten Grenzer, bis schließlich das Landesschild „Bundesrepublik Deutschland“ vor uns auftauchte.
Hinten im Bus fingen sie an zu jubeln. Wir stimmten ein, schrien und sangen, ließen uns aus über rote Brause, Trabbis, Grenzer mit Suppenschüsseln auf den Köpfen und alles, was komisch war. Pacholski saß grinsend neben dem Fahrer und ließ uns toben.
Nur Nellie weinte. Ich setzte mich neben sie und sie ließ es geschehen. Aber als ich ihre Hand nahm, zog sie sie weg. Wir sprachen kein Wort bis Stade.
Ich dachte an Mario und an meinen Freund, freute mich auf zu Hause, das nun wieder greifbar erschien; und glaubte nicht, dass ich jemals wieder in die DDR käme.
In der ersten Zeit nach unserer Klassenreise waren Tini und Mandy meine Brieffreundinnen geworden. Ich habe mich jedoch nie getraut, um ein Gedicht zu bitten, und für Jeans hatte ich kein Geld. Mit der Zeit verloren wir den Kontakt. Ich weiß nicht, was aus ihnen geworden ist.
Die Briefe an unsere Reiseleiterin kamen mit dem Vermerk „Empfänger unbekannt“ zurück.
Drei Jahre nach unserer Klassenreise sah ich gemeinsam mit meinem Partner, den ich zwischenzeitlich geheiratet hatte, die ergreifenden Bilder des Mauerfalls im Fernsehen.
Nach der Grenzöffnung bekam ich Post von Mario, die ich aus Angst vor einer Szene vor meinem Mann versteckte und nicht beantwortete, obwohl ich Mario sehr gern wiedergesehen hätte.
An einem kühlen Frühlingstag besuchte ich Nellie, die nach Brandenburg gezogen war. Wir fuhren mit Jan nach Berlin und gingen von Ost nach West durch das Brandenburger Tor, mit Tränen in den Augen, vorbei an Flohmarktständen mit NVA-Uniformen und Abzeichen.
(c) by Maren Schönfeld, Hamburg, 2007
erscheint 2008 in einer Anthologie des Verbands Norddeutscher Autoren
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