Auf den Stühlen liegen Handzettel, die Zuschauer sollen raten, welche Situation dort dargestellt wird. Die Absolventen des 2. Schuljahres sitzen hinter einem Vorhang, es wird um Ruhe gebeten, ein Gong zeigt den Beginn des Hörspiels an.
Im Hintergrund läuft eine CD mit „Happy Birthday“, die dauernd springt, Flaschen klimpern aneinander, ständig rumst es.
Nun brüllt ein Baby (das Kind muss kleine Geschwister haben, es klingt verblüffend echt!)
„Umpfff! Himmelherrgottchnocheinmal“ Chhho eine Chhheiiiichhhe!“
Das Kind kenne ich! Die Aussprache ist köstlich…die Zunge gegen den Gaumen pressen und die Luft in die Backentaschen blasen beim Sprechen, dann kommt es hin. Wieder rumpelt und knallt es.
Diesmal schimpft ein „Mann“ wüst drauflos.
„Erst den Steiß und nun den Kopf lädiert! Kaum zu glauben! Gut, datt die Julia inne Garage steht!“
„Das gab`s zuletzt im Krieg,“ schnarrt eine Stimme und wieder Kindergebrüll , diesmal gepaart mit
„Umpfff, fadolli nomal, nu isset Jebisch fudsch…is aufn Boden jefalln!“ Die Stimme ist arg auf alt getrimmt. Wieder klimpern heftig die Flaschen.
Die ersten Zuhörer kichern, mir schwant, wo die Darsteller sich angeblich befinden. Nach einigen Minuten geht der Vorhang auf und ein Kind liest das „Drehbuch“ vor.
„Wir fahren auf einer Bundesstraße im Jahre 2011. Die Straße ist so marode, dass der DC-Player springt und dem Baby ewig der Schnuller aus dem Mund fällt. Der Oma klappt ständig das Gebiss herunter, sie verliert es sogar ganz. Papa ist froh, dass sein tiefer gelegtes Auto, die schlaglochuntaugliche Julia, sicher in der Garage steht. Der Sekt zu Omas Geburtstag wird Dank des Schüttelns bald alle Leute einsauen und die Bierlachen werden dafür sorgen, dass auch der Hund betrunken wird.
Auf das nächste Jahr!“
Applaus für so viel Realität!
„Hast du mich nicht ein wenig zuuu alt dargestellt? So rede ich doch wohl nicht,“ wende ich mich schmunzelnd an meinen Enkel, der neben dem Lehrer steht.
„Ach, das sollte doch die Uroma Lene sein, du bist doch noch selbstgebissig!“
Aha! Wie nennt man modernes Theater, in dem neben neuen Themen auch neue Wortschöpfungen geboten werden?
Bild: Tanztheatergruppe Michael Ende
