Bei seiner Geburt wird jeder Mensch mit einem Akku ausgestattet, der für ein ganzes Leben reichen muss. Jede Art, sein Leben zu meistern, verbraucht ein gewisses Maß der mitgegebenen Energie. Körperfunktionen müssen aufrecht erhalten werden, ein äußeres Bild aufgebaut, die seele muss funktionieren, der äußere Anschein muss gewahrt werden. Nur was an Leistungskraft übrig bleibt, ist für des innere Wohlbefinden, für das eigene Gefühl des Glücks reserviert.
Außerdem, so stelle ich mir vor, wird jeder Mensch mit einem Behältnis ausgestattet, dessen Größe sehr variabel ist, einem Kummerkasten, einer tief im Inneren verborgenen Schatulle, in der er jeden seelischen Ballast, jede Verletzung fest einschließen kann. Dieser Kummerkasten hat jedoch eine eigentümliche Konstruktion. Um ihn verschlossen zu halten, muss der Akku funktionieren, denn es bedarf je nach Inhalt des Kastens eines großen Teils an Energie, um den Deckel nicht aufgehen zu lassen. Wird diese Energie nicht aufgebracht, öffnet sich nicht nur die Schatulle, sondern sie wirft zugleich ihren gesamten Inhalt aus. Alle abgelagerten Verletzungen quellen nicht nur hervor, sondern breiten sich mit einem ungeahnten Ausmaß an Wachstum derart aus, dass der Mensch innerlich davon erdrückt würde. Dadurch wird die eigentlich so sinnvolle Schatulle zu einer riesigen Bedrohung und um dieser bedrohung zu entkommen, wird jeder Mensch seinen Akku in erster Linie dafür einsetzen, seine Schatulle geschlossen zu halten. Doch das maß an Energie reicht bei voller Schatulle nur mit Mühe, zusätzlich die Lebensfunktionen und das äußere Bild aufrechtzuerhalten. Die einzige Möglichkeit der Energieeinsparung liegt beim eigenen kleinen bisschen Glück.
Wie jeder andere Akku auch ist der des menschen ladefähig.
Andere Menschen, äußere Einflüsse können die Funktion des Ladegerätes übernehmen. Manche Menschen sind mit einem derart überproportionierten Akku ausgestattet, dass sie problemlos einen Teil ihrer Energie zur Aufrechterhaltung aller Prozesse eines anderen Menschen abgeben können. Sie können sogar einen Teil ihres Kummerkastens als Lagerfläche zur Verfügung stellen. Doch Vorsicht! Es besteht immer die Gefahr eines Kurzschlusses, einer unbeabsichtigten Entladung.
Aber bei manchen Menschen ist die Leistungsfähigkeit des Akkus und die Speicherkapazität der Schatulle falsch berechnet, die Schatulle ist zu klein, der Akku zu schwach. Die Energie könnte trotzdem ausreichen, gäbe es da nicht dieses Übermaß an seelischen Verletzungen. Mit schwindenden Kräften wird eine Ladestation gesucht. Es geht schon gar nicht mehr um das innere Wohlbefinden oder Glück, nur noch um die Aufrechterhaltung der äußeren Funktionen. Das fehlende Glück ist eine weitere Wunde, erneut Ballast für den Kummerkasten, verstärkt zusätzlich die Energiemenge, die notwendig ist, ihn geschlossen zu halten. .......
Was also tun?
Jede Wahrnehmung des eigenen Energieverlusts führt zwangsläufig zur weiteren Überfüllung des Kummerkastens. Der Energieaufwand, ihn zu schließen und verschlossen zu halten, ist enorm. Die verbleibende Energie reicht kaum, um einfachste Körperfunktionen aufrechtzuerhalten. Immer kürzer werden die Funktionsphasen, häufiger sind längere Ruhe- und Erholungdphasen notwendig. .....
Das Grausame bei diesem Spiel ist, dass dem Menschen zu Akku und Kummerkasten keine Gebrauchsanweisung mitgegeben wird. Vielleicht könnte man sonst sorgsamer mit beiden Dingen umgehen. Es hätte sicherlich Möglichkeiten der Energieeinsparung gegeben und vielleicht musste nicht alles in die Schatulle gepackt werden. ...