... wenn uns also ein Pariser -- grinst da etwa jemand? -- wenn er uns so reden hört, dann ist ein Eindruck von Kannibalismus nicht so ganz von der Hand zu weisen, oder? Mahlzeit! Mahl? Muttermal oder Muttermahl? Schon die ganz normale Rechtschreibung birgt bekanntermaßen erhebliche Gefahren konstruierter oder unbeabsichtigter Missverständnisse.

Blieben wir dabei unter uns, wäre das alles nicht so tragisch (wir versteh´n uns doch!), aber wir überschreiten, globalisiert, mit unseren Gelüsten die nationalen Grenzen, wenn uns beim Anblick eines Emmentalers das Wasser im Munde zusammenläuft -- und mitunter giftig bis über den „großen Teich“ spritzt.

„Amerikaner“, sage ich nur!

Da muss ich an den verzweifelten Blick von Frau Böttcher am Dienstag denken. Frau Böttcher ist Bäckereiverkäuferin, äh, ich meine, BäckereiFACHverkäuferin, in dem kleinen Laden, der unserem Dorf (na, Euro-Olga?) noch zur Beschaffung überlebenswichtiger verdaulicher Substanzen erhalten geblieben ist. Sagte ich weiter oben „wir versteh´n uns doch“?

Man muss eben alles im global-historischen Zusammenhang betrachten. Da stand ich also am Dienstag vor der gläsernen Theke, den rechten Zeigefinger, keine Infragestellung erlaubend, auf das Objekt meiner Begierde gerichtet: „... und dann hätte ich gern noch einen Berliner“.

Ihr, Frau Böttchers, Blick folgte einer imaginären Linie, beginnend bei meinem Zeigefingerknöchel und dann über die Fingerspitze hinaus auf die Auslage: „Hä?“

„Ja, ja, einen Berliner, bitte!“ Meine Rechte blieb zielorientiert in ihrer Position eingefroren, eine Unbeirrbarkeit, die in dieser erniedrigenden Geste nur echte Zicken an den Tag zu legen imstande sind: „Den da. Geben Sie mir bitte den da“.

„Äh“, versuchte sie devot zu widersprechen: „Das ist kein Berliner“.

„Ach! Kein Berliner?“ Ich verdrehte affektiert und mit einer Schulterdrehung, beifallheischend in Richtung der anderen Kunden gewandt, die Augen: „Tse. KEIN BERLINER!“

„Nein“, hauchte sie ein wenig genervt, wie mir schien: „kein Berliner!“ ... und dann mit belehrendem Querton in der sonst so dienstbeflissen singenden Säuselstimme: „Das ist KEIN Berliner. Das ist ein AMERIKANER!“

„Hören Sie, da sind Sie wohl nicht ganz auf dem Laufenden! Genaugenommen scheinen Sie glatte 46 Jahre verpennt zu haben“, spielte ich empört meine historischen Kenntnisse aus: „Am 26. Juni 1963 wurde dieses fatale Missverständnis nämlich ein für allemal aus der Welt geschafft -- und zwar vor dem Rathaus Schöneberg in Berlin. Da hat ein waschechter Amerikaner vor den Augen und Ohren, den Kameras und Mikrofonen der Welt richtiggestellt: „Ich bin ein Berliner“. Wohl gemerkt, ein Amerikaner, ein prominenter sogar, hat das gesagt! DER musste doch wohl wissen, wer oder was er war, oder?!!“

Ich bebte, presste die Zähne aufeinander und artikulierte nur mit den Lippen und der Zunge hinter dem Zahnstackett betont langsam: „Geben Sie mir bitte jetzt den Berliner!“

Natürlich beugte sie sich meiner Überlegenheit. Beim Klang der Ladenklingel und nach dem ersten Biss in das umstrittene Gebäck, dessen Form bekanntlich an eine fliegende Untertasse erinnert, empfahl ich ihr kauend eine Nachschulung.

Tse! BäckereiFACHverkäuferin! Ich KENNE DIE, diese Besserwisserinnen!

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Hoffentlich fragt mich jetzt niemand, warum ich den Artikel mit „Alle Körper schwarz“ überschrieben habe!

... und nicht vergessen: Wir sind nicht zum Vergnügen hier!