Stollenbäckerei

 

 

 

Als Weihnachten noch Weihnachten war...

 

Vor langer, langer, endlos langer Zeit war das wichtigste am Weihnachtsfest, dass an diesem Tag das Christkind geboren wurde,

der Knecht Ruprecht den Kindern Geschenke brachte

und in den Familien die Weihnachtsbäckerei und die Geheimniskrämerei vor dem Fest eine riesige Vorfreude erzeugte.

Im Erzgebirge war die Stollenbäckerei in jeder Familie ein ganz besonderes Ereignis.

Jede Hausfrau hatte ein eigenes Rezept von ihrer Mutter, Großmutter und weiteren Vorfahren erprobt und war der Ansicht, den besten Stollen der Welt (oder des Erzgebirges) zu backen.

Das Rezept war ein sehr gehütetes Geheimnis.

Einige Wochen vor dem Fest wurden die Zutaten zusammengetragen und vorbereitet.

 

Dazu gehören:

Mehl, Hefe, Zucker, Zitronen, Salz, Butter und unbedingt Butterschmalz (Butaris), Rosinen, bittere und süße Mandeln,  Zitronat, Milch, Vanillezucker, Rum, Kondensmilch und Oel, manche schwören auch auf Pferdefett und bittere Schokolade.

 

Und das schönste war, dass die ganze Familie, besonders die Kinder, bei der Vorbereitung der Zutaten für die Stollenbäckerei half.

 

 

Und so war das auch bei uns:

Einmal gab es einen fürchterlichen Streit.

Unnere Tante Klara kam emol Weihnachten ze uns of Besuch, se hatt  ihr Tasch derbei und bracht ihre paar Straafle Stolln salberscht miet. Die hot se ausgewickelt, als wärn die  waar waß ewas.

Un derbei musst mer nort über uns die gruße Strofpredigt ergieh lossen über die „elenden Stollntaag-Nazamm-Matscher“, über die gammerlichen Hutzelbäcken.

Mei Grußemutter wor ewa  fuchsdeifelswild, se wor aah do dofu überzeugt , ihr Stolln is dar beste.

Se hot de Klara palavern lossen un esu geton, ass wär se gor net do.

Tante Klara kam do noch nie mehr Weihnachten ze uns of  Besuch.

 

Und heute

bäckt kaum noch jemand seinen Stollen zu Hause. Die Bäcker haben sich in der Weihnachtszeit auf die Stollenbäckerei spezialisiert und auch sie haben jeder ihr eigenes Rezept, das wird auch nicht verraten.

 

Und glaubt mir, den richtigen „Erzgebirgischen Weihnachtsstollen“ gibt es nur im Erzgebirge, alles andere, was sich so nennt, ist kopiert.

                                     

                                                          

Text von Maria Micki

1.Bild von Brigitte Briggi

2.Bild von Maria Micki

Avatar von T.Charles

 

Wer im Adventskalender die ersten Türchen verpasst hat

und gerne noch nachlesen möchte...

findet sie hier:

http://www.platinnetz.de/magazin/special/adventskalender