Ich habe schon immer Angst vor Spinnen gehabt. Mäuse finde ich süß. Bei den Frauen ist das wohl so, dass sie entweder vor Spinnen oder Mäusen die Flucht ergreifen. Meine Nachbarin schnappt sich die dicksten Achtbeiner, rennt aber um ihr Leben, wenn da irgendwo ein Mauseköddelchen liegt. Nur meine Mutter, die hatte außer vor Spinnen auch noch Angst vor Schlangen. Aber die Gefahr in unseren Breiten eine Schlange im Haus zu finden, ist wohl doch sehr gering. Die Angst erstreckte sich jedoch auch auf Gummischlangen und so musste ich im kindlichen Alter mal meinen Kirmesgewinn schnell in die Mülltonne werfen.

Ich sehe diese Viecher aber auch immer.!! Selbst in einem dunklen Flur mit einem schwarz gepunkteten Fliesenboden! Ich wusste es: da sitzt sie. Und da saß sie auch.

Kann sich jemand meine abgrundtiefe Verzweiflung vorstellen, als ich als junge Ehefrau – allein zu Hause – so gegen 20.oo Uhr mal ins Schlafzimmer ging, mich umdrehte und an der Wand neben der Tür – also direkt daneben! – so eine riesige schwarze Spinne sitzen sah? Wie sollte ich da wieder herauskommen? Ich konnte doch unmöglich durch die Tür! So schnell konnte ich gar nicht rennen, die würde mich im letzten Moment noch anspringen!! Gänsehaut, die Haare standen mir zu Berge! Nun saß ich da auf dem Bett, das Tier ständig im Auge. Und mir war klar, wenn ich nur einmal weggeschauen würde, dann wäre sie vermutlich verschwunden und ich könnte nie wieder in diesem Raum schlafen. Oder jemand müsste das ganze Schlafzimmer abbauen. Man findet diese Tiere ja nicht leicht wieder. In meinen Augenwinkeln sah ich den Staubsauger. Aber nach 30 Minuten überlegen, begrub ich den Plan, sie damit einzusaugen. Zum einen war das Rohr nicht 3 m lang, ich hätte viel zu nah an sie heran müssen, zum anderen konnte die 1.) evtl. noch schnell weglaufen, womit das obere Problem wieder aufgetaucht wäre – Schlafzimmer abbauen -, 2.) da vielleicht wieder herauskrabbeln – also auch Schlafzimmer abbauen -. Und selbst wenn das alles bestens funktioniert hätte, so hätte ich doch diesen Staubsauger im Leben nicht mehr angefasst!

Die Zeit verging. Warum hatten wir eigentlich keine Toilette im Schlafzimmer? Hätte ich doch eben nicht dieses große Glas Wasser getrunken! Ich konnte schon gar nicht mehr richtig gucken. Durch das lange Anstarren bewegte sich der schwarze Fleck, zitterte vor meinen Augen hin und her. Meine Panik wuchs, die Blase auch. Stunden waren vergangen! Mein blöder Ehemann kam einfach nicht nach Hause! Wenn man den schon mal braucht... Schließlich, um Mitternacht, kam mir die zündende Idee. Wie blöd, dass ich da nicht gleich drauf gekommen war!! In seinem Nachtschränkchen bewahrte er doch eine durchbohrte Schreckschusspistole auf! Ha! Die Rettung! Ich würde sie nun einfach erschießen!!! Gesagt, getan. Die Knarre her, geladen war sie zum Glück, Kimme und Korn anvisiert – was nicht einfach war, ich zitterte ja doch etwas – und todesmutig auf den Leib gezielt. Abgedrückt! Ruuummms... ein ohrenbetäubender Knall. ***** Zwei Millimeter neben dem Vieh war ein Loch in der Wand, Staub und Mörtel auf der darunter stehenden Kommode. ---- Hm. Noch mehr Panik. Jetzt würde sie gleich weglaufen... ich starrte da also noch intensiver hin.-- Nein, die schlief! Oder? Bewegte die sich? Nein, das waren nur meine Augen. Und alle anderen im Haus schliefen anscheinend auch. Ich dachte, die würden von dem Knall senkrecht in den Betten stehen und nun reihenweise zu Hilfe eilen. Aber kein Schwein kam! Ich war fassungslos.
Um 1,oo Uhr betrat mein Göttergatte das Schlafzimmer, ließ die Vorwürfe und Anschuldigungen (du lässt mich hier verrecken, wofür habe ich dich eigentlich geheiratet, immer biste weg, ich mach mir hier gleich in die Hose......usw.) ruhig bis total verdattert über sich ergehen. Dann kam ich auf den Kern der Sache zu sprechen und zeigte endlich auf das gefährliche Monster. Grinsend wollte er das Tierchen ergreifen, aber....
Wir haben dann die Kommode mit dem Schminkaufsatz abgebaut. Ich stapelte die Deko und die Lippenstifte auf dem Bett, hatte dabei aber immer jeden Zentimeter Wand und Boden im angemessenen Umkreis von Tür und Kommode im Auge, und endlich um kurz vor 2.oo Uhr wurde sie eingefangen und nach draußen befördert.

Ich lebe heute allein. Meine Kater fressen leider keine Spinnen, aber meine einzige Rettung ist meine Nachbarin. Und die ist dankbar für meine Kater, weil die nämlich ihre Mäuse jagen. (Die armen süßen Dinger!)


(Diese Geschichte ist übrigens nicht erfunden)

Ich habe nach einem passenden Bild gesucht. Überall Spinnen. Schrecklich. Da ich Rücksicht auf meine Geschlechtsgenossinnen nehmen möchte, die solch einen Anblick evtl. auch nicht ertragen können und dann in Panik PN fluchtartig verlassen, tut es sicher auch ein Netz.



D.H.