Ich habe vor 40 Jahren das Buch von Max Frisch gelesen, vielleicht war es Unterrichtslektüre, vielleicht las ich es sogar freiwillig. Das Stück kam ein paar Mal im Fernsehen, wann habe ich es (und womöglich ganz) das letzte Mal gesehen?
Egal, eine grundlegende Idee aus dem Buch geht mir seit ein paar Wochen nicht mehr aus dem Kopf: Vorurteile können so mächtig sein, dass sie alles zementieren, was dem Vorurteil entspricht. Irgendjemand findet sich immer, der auch noch überzeugend weglügt, was das Gegenteil hätte beweisen können. Am Schluss jammern alle, dass sie völlig anders gehandelt hätten, wenn sie die 'Wahrheit' gekannt hätten.
Hat das etwas mit PN zu tun?
Max Frisch schreibt von einem Modell. Namen können ausgetauscht werden, Nationalitäten oder auch das Alter. Internet gab es 1960 noch nicht. Vielleicht passt das Modell aber sogar für virtuelle Gemeinschaften, sogenannte 'social communities'.
EINE Voraussetzung für Andorra ist ja viel einfacher geworden: Ein Profil kann konstruiert werden, wie soll man überprüfen können, was daran stimmt und was nicht?
Das Ende bei PN klingt viel harmloser, es ist ja nur ein virtueller Tod. Das Profil wird gelöscht, von wem auch immer. Nach ein paar Tagen kann ein neues Profil erstellt werden.
Dazwischen liegt eine virtuelle Vielfalt an Möglichkeiten, wie man mit einem Neuling umgeht. Da hätte Max Frisch 100 verschiedene Andorra-Versionen schreiben können.
Zwei Beispiele, die ich nur am Rande verfolgt habe, die jedenfalls mit dem virtuellen Tod geendet haben.
Eine Artikelschreiberin, die sich nach wenigen Tagen über den Umgang der Platiner mit ihr beklagt. Nun haben wir Platiner häufig einen ruppigen Umgang. Also lese ich ihre Kommentatoren aus diesem Blickwinkel und finde tatsächlich spitze Bemerkungen, verbale Watschen und unsportliche Leberhaken. Die Stimmung kippt bei mir, als die ersten Hinweise auf persönliche Nachrichten geschrieben werden, in denen diese Artikelschreiberin auch wild um sich schlägt. Es schaukelt sich auf, der nächste Artikel bezieht sich auf den gelöschten vorherigen Artikel. Die verärgerten Kommentatoren warten schon auf den nächsten Artikel. Dann große Freude: das Profil ist weg!
Kann man jetzt also zufrieden sein? 'Die wollte das doch!'? Die kam nur rein, um zu provozieren?
Ein älterer Herr mit wunderschönen Blumenfotos hat angeblich erst im Alter dies als Hobby für sich entdeckt. Konnte das wirklich ein Neuling sein, der unbedarft einige Fehler macht, bis er die PN-Regeln endlich verstanden hat?
Er wirbt in Artikeln für seine Bilder. Werbung ist ein ganz heißes Eisen bei PN. Die Artikel werden gelöscht. Endlich mal gibt es Bilderalben, die keine geklauten Bilder enthalten. Aber das empfohlene Wasserzeichen ist eine Homepage. Erwischt – Schleichwerbung, auch die Fotoalben verschwinden. Regt sich der Platiner jetzt künstlich auf oder täuscht er Einsicht vor? Er schreibt in Foren einen Mischmasch aus beidem. Die Andorraner, Entschuldigung, die Platiner sind verunsichert. Aber, sein Profil ist ja weg. Dann muss er doch 'Dreck am Stecken' gehabt haben.
Warum hat aber jemand, der als Fake extra zu PN kam, um zu provozieren, immer noch seine angegebene Homepage mit Namen und ladbarer Adresse im Impressum?
Ist das nur ein Problem für Neulinge?
Nein! Über die Leute, die schon viele Monate bei PN sind, kann man noch viel mehr Vorurteile pflegen. Und irgendjemand wird den wunden Punkt irgendwann auch mal finden. Dann sind die Vorurteile endlich bestätigt.
Sollte mein Artikel von einem echten Neuling gelesen werden, bitte ich um Entschuldigung. Für echte Neulinge gibt es besser geeignete Artikel, z.B.
www.platinnetz.de/artikel/46341/ein-schreiben--an-die-neuen--vorzugsweise
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