Angst vor der Angst?
Eine Facette:
Wenn die Reiter der Apokalypse über die Welten ziehn,
wenn Hagel und Sturm, Blitz und Donner die Erde furchen -
Dann strömt mein Blut aufwallend durch meine Adern.
Lass Felsen donnernd und malmend zu Tal rasen,
lass Wellen brüllend zergischten und
mahlend, strudelnd, kochend neu Anlauf nehmen -
dann geht mein Atem tief und sehnsuchtsvoll.
Mag die Erde sich grollend schütteln und ihren Kopfputz
aus Häusern und Bäumen verwüsten,
mag sie aufreissen und fauchend Asche und glühendes Magma sprühen -
Dann lache ich tief und liebe diese Welt, schaue das wütende Gesicht.
Hi, Welt, spiel mit mir - denn auch wenn Du mich tötest - so war doch das Spiel so schön. V. 19.10.07

Eine weitere Facette:
Merksatz: Jeder Mensch ist wie jedes andere Tier auch, gezeugt und auf natürlichem Wege geboren, lebt von natürlichen Produkten, vermehrt sich durch Triebe gesteuert und wird wie jedes andere Tier auch sterben.

Eine ultimative Wahrheit. Alles andere ist Glaube oder Dogma, wie man es sehen mag. Und bitteschön, jeder hat das Recht auf eigene Meinungen. Dann laßt hören!

Noch eine Facette:
Der Tiger macht aus Angst Angst
Von Yüan Shih-chen, 1938
Aus dem Buch "Leuchtende Schätze" (Handbindung, Einzelstück)



Biologische Funktion

Natürlich ist Angst natürlich. Die Aufmerksamkeit wird drastisch erhöht. Der angsteinflößende Gegenstand, die Situation wird mit äußerster Aufmerksamkeit betrachtet.
So sehr sogar, das alle anderen Antriebe in den Hintergrund treten. Hunger, Durst, Schlafbedürfnis, soziale Interaktionen, sexuelle Begierde usw., all dies wird durch das Gefühl der Angst vollständig in den Hintergrund gerückt.
Gegenstände oder angreifende Tiere oder Menschen werden fixiert. Es tritt ein "Tunneleffekt" auf. Außer dem angst machenden Objekt wird rundherum wenig bis gar nichts wahrgenommen.
Das Stresshormon Adrenalin wird ausgeschüttet und die Muskulatur bereitet sich auf Angriff oder Flucht vor.
In etlichen Fällen kommt es zu leichtem bis stärkerem Zittern. Die Körperspannung hat sich erhöht (Muskeltonus).
Das kann bis zum Zähneklappern gehen und der Körper schüttelt sich unkontrollierbar. Hier angemerkt: Es gibt deutliche Abstufungen der Emotionstiefe.
Deutlich wird dies an Personen, die dauerhaft unter Angstzuständen leiden. Meist ist die Angst bei ihnen ein dauerhaftes Hintergrundgefühl und die Durchblutung der inneren Organe, z.B. des Darmes eingeschränkt. Die Folge sind oft Erkrankungen der Darmwand. Auch der Magen leidet unter Mangeldurchblutung. Magengeschwüre können auftreten da die Magenwand aufgrund der mangelhaften Durchblutung nicht hinreichend schnell nachwächst. Das Gewebe muß nämlich ständig erneuert werden, sonst kann es den aggressiven "Magensäften" nicht mehr standhalten.
Rational kann dies nicht mehr gesteuert werden. Die Chemie des Adrenalins wirkt und läßt sich durch Denken, durch die Ratio nicht mehr rückgängig machen.

!! Angst steigert die Bereitschaft des Körpers motorisch zu agieren. !!

Hier schon mal im Vorab eine sinnvolle Gegenmaßnahme: Körperliche Betätigung. Was der Körper braucht, soll er bekommen. Ergo Vollgas, z.B. Treppe laufen * (schadet bestimmt nicht, es steigert die Fitness ;-)
*Gilt nicht für Herzkranke und Asthmatiker !!!

Wo findet diese Reaktion statt?
Das Stammhirn des Menschen ist entwicklungsgeschichtlich sehr alt. Schon zu diesen Zeiten, Millionen Jahre vor unserer Zeit gab es Fried- tiere und Beutegreifer (Predatoren). Bedingt durch Konkurrenz untereinander kämpften Tiere um Geschlechtspartner und Reviere. Schon damals waren Angriff und Flucht wichtige Verhaltensweisen um sich in der Evolution einen Platz zu erobern und in der Folge Nachkommen zu erzeugen. Erfolgreiche Überlebende setzten sich durch und bildeten damit den Stamm unserer Vorfahren. Deren biologisches Erbe haben wir übernommen.
Im Stammhirn gibt es daher gesonderte Neuronen (Nervenzellen), die allein für Angstreaktionen zuständig sind. Die direkte Verschaltung führt in übergeordnete Hirnregionen und auch direkt zu den Nebennieren, dem Bildungsorgan des Adrenalins.
Nun muß die Angst aber erst ausgelöst werden. Da kommen wir zur Wahrnehmung und den Filtern, die in der Wahrnehmung den Wust an Informationen auf ein verarbeitbares Maß reduzieren.
Beim Menschen sind das die Projektionsareale in denen die Sinnesorgane ihre Eindrücke spiegeln. D.H. es gibt im Gehirn besondere Bereiche, die allein für die erste Verarbeitung der Sinneseindrücke zuständig sind. Erst dann fließt die Information in andere, bewußtem Denken zugängliche Teile des Gehirns.
Da Angst eine frühe Überlebensstrategie ist, findet nach der Filterung bereits die Reaktionsbildung statt. Motorische (bewegungssteuernde) und sekretorische (drüsensteuernde) Neuronen aktivieren sich. Die Hirnrinde, unser uns bewußt zugängliche Teil des Gehirns bekommt die Information weitaus später. Dann sind die Angstreaktionen schon durchgelaufen.
Mit Schrecken stellt man fest, man hat sich erschreckt.

!! Empfundene Angst ist nur das Echo des eigentlichen Geschehens. !!

Zudem werden die Wahrnehmungsfilter neu koordiniert. Die bewußte Wahrnehmung richtet sich auf das Angstobjekt. Sinnvoll, denn unser Gehirn hat immer noch die Grundstrukturen, die in der Steinzeit notwendig waren. Da waren Beutegreifer wie Bär und Wolf oder ein stampfendes Mammut die Gefahrenquelle. Selbst unbewußt wird immer etwas Aufmerksamkeit, trotz weiterer, anderer Wahrnehmungen, für die Predatoren "abgezweigt". Man kann es als Markierung auffassen(farblich assoziiert = rot angemalt).
Das kann im Straßenverkehr heute noch Vorteile bringen - wenn der Reaktionsweg nicht durch falsche Verhaltensweisen blockiert wird. Dazu aber später mehr.

Kleiner Exkurs (Ausflug) in die Welt der Filter unserer Wahrnehmung.
Die Leistungen der Sinnesorgane sind enorm. Schon im Auge findet man Kontrastverstärkung. Die lichtempfindlichen Zellen der Netzhaut verstärken die Randkontraste eines empfangenen Bildes. Damit wird das Sehen im Dunklen möglich und aus unscheinbaren Schemen schält sich ein empfundenes Bild heraus. Dies geschieht aber nur in Kombination mit den Projektionsarealen des Gehirns. Dort sind Muster abgelegt, die erlernt sind und Gesichter, Tiere und Gegenstände erkennbar machen.
Wenn diese Muster nicht richtig funktionieren können bizarre Fehlhandlungen auftreten. Im Buch "Der Mann, der seine Frau mit dem Hut verwechselte" von Oliver Sacks ist allerlei beschrieben (Lit.Liste)
Intessant ist dabei die Funktion wenn man Comics liest. Wenige Striche reichen schon aus um charakteristische Figuren zu erkennen.
Diese Muster rasten unwillkürlich ein und können auch fehlleiten. Im Dunklen erscheinen dann manchmal harmlose Gegenstände bedrohlich. Angst gemahnt dann zur Vorsicht obwohl es unnötig ist.
Der Gehörsinn kann sich ebenfalls verschärfen. Leise Geräusche, z.B. das Huschen einer Maus klingen erschreckend laut.
Diese Filter sind auch bewußt oder unbewußt steuerbar.
So sind Gespräche in einer lauten Umgebung (Disko) möglich. Die Wahrnehmung konzentriert sich auf den Gesprächspartner.
Auch jetzt arbeiten Filter, die alle Umgebungsgeräusche als unwichtig einstufen und nur die Worte des Gegenübers kommen durch. Das kann man üben. Macht ja bei einem kommunikativen Wesen wie dem Menschen Sinn.

Gefährlich ist das Trainieren der Filter unter Drogeneinfluß. Oft werden dann ungewollte Anteile aktiviert und verankert. LSD, Psilocybin und Meskalin gehören in die Kategorie stark psychotroper Drogen.
Ich kann an dieser Stelle nur vor dem Gebrauch als Freizeitdroge warnen. Es sind mächtige Werkzeuge in der Hand des Arztes aber die Kontrolle ist außerordentlich schwierig.
Deshalb werden solche Mittel allenfalls unter klinischer Kontrolle bei schweren psychischen Krankheiten angewendet. Ekstasy und sein Pendant, das MDA sind ebenfalls psychotrop. Diese haben auch noch andere gefährliche Nebenwirkungen.
Filter fallen unter dieser Einwirkung weg bzw. werden neu moduliert und die Reichweite der Drogen (bis tief ins Unterbewußte)kann schwere Persönlichkeitsstörungen auslösen oder bisher kontrollierte freisetzen.
Es gibt nicht umsonst das BTMG (Betäubungsmittelgesetz). Vor dem Literaturverzeichnis gehe ich auf Drogen noch einmal gesondert ein. Wer Interesse hat, kann im Verzeichnis Bücher finden.

Zusammenfassend kann man folgende Aussage machen:

!! Unsere Wahrnehmung wird gefiltert und diese Filter liegen in unbewußten Bereichen des Gehirns und sind meist nur indirekt beeinflussbar. !!

Wohin die Angst geht
Neurowissenschaftler können die einzelnen Funktionen der Hirnareale mittlerweile grob zuordnen. Man kann nun nicht mit Genauigkeit sagen, in diesem Bereich steckt die Trauer um den toten Wellensittich Hansi, oder dort steckt die Liebe zu meinem Lebenspartner. Aber im Groben und Ganzen ist die Zentrale der Emotionen der sogenannte Mandelkern (~Gehirnmitte). Von dort werden andere, auch höhere Areale aktiviert. Gegenstand der Forschung ist zur Zeit der Nachweis dieser Reaktionsmuster. Diese können sehr komplex sein und sehr dynamisch. Aus den miteinander gekoppelten Verhaltensmustern sucht sich das Gehirn automatisch den dauerhaft benutzten Weg. Man könnte von einem Netz von Trampelpfaden sprechen, die solange begangen werden, wie sie für die Funktion des Gesamtwesens Mensch Sinn machen. Dafür ist keine Systemverwaltung notwendig, sondern es ergibt sich von allein. Das Gehirn organisiert sich ohne erkennbare Instanzen selbst. Nahezu anarchistisch stehen wesentliche Antriebe neben völlig unwichtigen. Was gebraucht wird, setzt sich durch.
Auch die Angstmuster unterliegen diesem Phänomen. Unwichtige Ängste, z.B. die Angst vor einer Spinne werden bei erneutem Abruf immer tiefer verankert. Der Trampelpfad wird breiter.
Wenn vorher nur dicke schwarze Spinnen die Angst ausgelöst haben, so sind es bei Arachnophoben (Leute , die panische Angst vor Spinnen haben) schließlich sogar die kleinen Babyspinnen, die sich vom Wind an dünnen Seidenfäden tragen lassen.
Die Angst hat sich selbst zu Hochleistungen trainiert.

!! Angstmuster sind trainierbar, können aber ebenfalls durch gezieltes Training abgebaut werden !!

Die Waage der Gefühle
Menschen spüren in sich selbst immer wieder Gefühle, die eine überraschende Tiefe erreichen können.
Verliebt sein gehört in diese Kategorie tiefer Gefühle. Die gesamte Wahrnehmung der Welt ringsherum ändert sich schlagartig. Vorher unscheinbare Details werden mit alles überschwemmender Intensität wahrgenommen. Und liebevoll werden Eigenschaften (in rosa Licht getaucht) wahrgenommen, die im Alltag oft eher hinderlich sind.
Hier schlägt die Waage der Gefühle in eine, meist sehr positiv empfundenen Richtung aus.

Was ist passiert? Im Gehirn werden Neurotransmitter ausgeschüttet. Dazu gehören GABA, Serotonin, Dopamin, Glutamat und komplexe Proteine wie die Endorphine. Deren feine Balance ändert sich unter dem Eindruck einer Schlüsselsituation.
Die Psyche erzeugt eine chemische Reaktion durch noch nicht eindeutig bekannte Prozesse. Neuronen, mit dem Potential solche Stoffe zu erzeugen oder abzurufen, sind aktiviert worden.

Das alles spielt sich im Unterbewusstsein ab. Dort werden die Grundmuster der Handlungsfähigkeit gespeichert und sind in erstaunlicher Vielzahl vorhanden. Man kann von übereinstimmenden Instinkten sprechen, die in der Geschichte der Evolution entstanden sind. Es kommt beim Beispiel Verliebtsein zu einem synchronen Verhalten, das ursprünglich für die Arterhaltung gedacht war. Die Verliebten stimmen sich aufeinander ein, suchen die Nähe zu einander und haben Sex........so zumindest ist der Instinktappell.

Es können diesem "Urverhalten" andere Verhaltensmuster überlagert werden. Menschen, die mit Verliebtsein nur schmerzhafte Erfahrungen verbinden, sind in diesem Muster gestört und erfinden oft Auswege, Verliebtsein nicht an sich heranzulassen.
Man spricht dann oft von einer Angstbesetzung, da das Verhalten nicht mehr mit dem natürlichen Muster übereinstimmt und der Auslöser die Angst vor dem Verliebtsein ist.

Bildhaft wäre da also das Schild UMLEITUNG. An den natürlichen Kanälen vorbei, ist ein Mechanismus installiert worden, der sofort greift, wenn ein Appell mit dieser Gefühls-Farbe auftaucht. Abwehrmuster werden aktiviert, z.B. die typischen Vorgehensweisen wie bei einer Ent-liebung.
Häufig gerät ein solcher Mensch in innere Konflikte.
Es ist ein Bedürfnis da, aber das kann nicht gestillt werden. Frustration ist oft eine der Folgen (auch diese ist natürlich und zwingt den Menschen neue Lösungswege zu suchen).


%%%%% Rest ist noch Baustelle %%%%%%%%%%%%%%%%%%%
14.11.07, wälze immer noch Literatur zum Thema und werde etliches in die Thematik einfließen lassen (natürlich mit Quellenverweis)

An dieser Stelle will ich noch anmerken:
Ich bin dankbar für Informationen und Buchtipps, Kritik und Lob (motiviert mich). Es sind im PN Wege offen mich zu erreichen. Aus Zeitgründen gebe ich keine Tel.Nr. ohne Grund von mir preis. Bitte habt dafür Verständnis.

Eigenmerker : falsch trainierte Reaktionen, Reaktionsweg
:Drogen und ihre Macht
:NLP
:Therapien
:Gruppenarbeit