Angst hindert uns….
Erziehung in den 60ern – Teil 2
Ich erinnere mich noch ganz genau, wie oft der Strom bei uns ausfiel. Als Kind fand ich es am schlimmsten, wenn das abends im Dunkeln passierte. Bei Gewitter war es schon an der Tagesordnung, dass der Strom für eine Weile ausfiel. Diese beiden Konstellationen machten mir auch Angst. Ich bin dann immer ins Bett meiner Eltern gekrochen.
Ich wuchs in einer kinderreichen Siedlung auf und hatte jede Menge Spielkameraden. Das Schöne in diesen Jahren war, dass man als Kinder den ganzen Tag über draußen war. Den Spielplatz vor der Tür. Es gab bei uns einen verbotenen See, ganz in der Nähe und natürlich schlichen wir Kinder dort ständig hin und beobachteten die Fäkalien, die von unserer Siedlung da hineinliefen. Wie heizten mit Kohle und ich erinnere mich noch, das jeder von den Nachbarn, einen Berg von Kohle im Keller hatte.
Aber es geht nicht nur um mich in dieser Geschichte, sondern um diejenigen, die auch so aufgewachsen sind wie ich – mit all den Ängsten, die ich schon im ersten Teil erwähnt habe. Wenn die Eltern abends ausgingen und wir Kinder hatten Angst, klingelten wir einfach beim Nachbarn und schliefen dort. Der Zusammenhalt der Nachbarn war damals noch stärker ausgebaut – wie heute, wo viele Leute Haus an Haus wohnen und sich nicht kennen. Diesen Zustand fand ich in meiner Kindheit toll. Hatte mal jemand keine Zeit zum Spielen, klingelte man eben an der nächsten Haustüre.
So schön auf der anderen Seite, so negativ war es auf der einen Seite. Wir bekamen ja nicht nur von den Eltern – vom schwarzen Mann erzählt, sondern die Nachbarn, die Lehrer und das gesamte Umfeld führte diese Erziehungsmethoden durch. Angst hindert, lähmt und macht auch gefügig. Kinder hatten zu hören. Fakt Nummer 1. Wenn wir mal frech zu Erwachsenen waren, klingelten diese dann abends an der Haustüre und erzählten es unseren Eltern. Das gab Ärger. Die Erziehungsmethoden waren auch nicht gerade toll, wenn ich nur an den Teppichklopfer denke, den es mal auf den Hintern gab. Die Hände, der Leute saßen locker und auch der Nachbar erlaubte sich eine Ohrfeige zu geben, wenn man frech war. Schläge und Angst machte uns Kinder schon irgendwie anpassungsfähiger. Natürlich sind auch viele Kinder so nicht aufgewachsen, aber das ist eine andere Geschichte. Ich berichte hier von meinen Erfahrungen und von denjenigen – die gleiche oder ähnliche gemacht haben.
Ich kann mich nicht daran erinnern, dass unsere Eltern ständig um uns herum waren, so wie heute. Wir wurden nicht mit dem Auto zur Schule gefahren, wir gingen mit sieben alleine in die Schule. Wir waren auch viel Selbstständiger. Obwohl wir viel von Angst geleitet waren, bekamen wir aber von den Erwachsenenängsten nichts mit. Nachrichten kucken, das gab es nicht. Sportvereine, da gingen wir auch alleine hin, mit mehreren Kindern. Sogar einkaufen, wenn es sein musste. Unsere Eltern hatten andere Ängste, als wir. Wir glaubten ja an Gott, dessen Strafe auch ziemlich heftig ausfallen konnte, wir glaubten an den schwarzen Mann und diese Angst hat uns jedoch auch gleichzeitig geschützt – Dummheiten zu machen.
Ich erinnere mich auch noch an meine Kindergartenzeit, wenn wir nicht lieb waren, durften wie eine Weile in der Besenkammer im Dunkeln über unser Verhalten nachdenken.
Die normale Angst ist gesund – damit wir uns nicht am Feuer verbrennen, uns in Gefahr bringen, aber die anerzogene Angst, wie es oft üblich war in den 60ern, war dazu da um uns Kinder einfacher zu Händeln.
Denn Gehorsam war das Wichtigste.
Der dritte und letzte Teil folgt bald….
aboutpixel.de © Petra Hager
Ich wuchs in einer kinderreichen Siedlung auf und hatte jede Menge Spielkameraden. Das Schöne in diesen Jahren war, dass man als Kinder den ganzen Tag über draußen war. Den Spielplatz vor der Tür. Es gab bei uns einen verbotenen See, ganz in der Nähe und natürlich schlichen wir Kinder dort ständig hin und beobachteten die Fäkalien, die von unserer Siedlung da hineinliefen. Wie heizten mit Kohle und ich erinnere mich noch, das jeder von den Nachbarn, einen Berg von Kohle im Keller hatte.
Aber es geht nicht nur um mich in dieser Geschichte, sondern um diejenigen, die auch so aufgewachsen sind wie ich – mit all den Ängsten, die ich schon im ersten Teil erwähnt habe. Wenn die Eltern abends ausgingen und wir Kinder hatten Angst, klingelten wir einfach beim Nachbarn und schliefen dort. Der Zusammenhalt der Nachbarn war damals noch stärker ausgebaut – wie heute, wo viele Leute Haus an Haus wohnen und sich nicht kennen. Diesen Zustand fand ich in meiner Kindheit toll. Hatte mal jemand keine Zeit zum Spielen, klingelte man eben an der nächsten Haustüre.
So schön auf der anderen Seite, so negativ war es auf der einen Seite. Wir bekamen ja nicht nur von den Eltern – vom schwarzen Mann erzählt, sondern die Nachbarn, die Lehrer und das gesamte Umfeld führte diese Erziehungsmethoden durch. Angst hindert, lähmt und macht auch gefügig. Kinder hatten zu hören. Fakt Nummer 1. Wenn wir mal frech zu Erwachsenen waren, klingelten diese dann abends an der Haustüre und erzählten es unseren Eltern. Das gab Ärger. Die Erziehungsmethoden waren auch nicht gerade toll, wenn ich nur an den Teppichklopfer denke, den es mal auf den Hintern gab. Die Hände, der Leute saßen locker und auch der Nachbar erlaubte sich eine Ohrfeige zu geben, wenn man frech war. Schläge und Angst machte uns Kinder schon irgendwie anpassungsfähiger. Natürlich sind auch viele Kinder so nicht aufgewachsen, aber das ist eine andere Geschichte. Ich berichte hier von meinen Erfahrungen und von denjenigen – die gleiche oder ähnliche gemacht haben.
Ich kann mich nicht daran erinnern, dass unsere Eltern ständig um uns herum waren, so wie heute. Wir wurden nicht mit dem Auto zur Schule gefahren, wir gingen mit sieben alleine in die Schule. Wir waren auch viel Selbstständiger. Obwohl wir viel von Angst geleitet waren, bekamen wir aber von den Erwachsenenängsten nichts mit. Nachrichten kucken, das gab es nicht. Sportvereine, da gingen wir auch alleine hin, mit mehreren Kindern. Sogar einkaufen, wenn es sein musste. Unsere Eltern hatten andere Ängste, als wir. Wir glaubten ja an Gott, dessen Strafe auch ziemlich heftig ausfallen konnte, wir glaubten an den schwarzen Mann und diese Angst hat uns jedoch auch gleichzeitig geschützt – Dummheiten zu machen.
Ich erinnere mich auch noch an meine Kindergartenzeit, wenn wir nicht lieb waren, durften wie eine Weile in der Besenkammer im Dunkeln über unser Verhalten nachdenken.
Die normale Angst ist gesund – damit wir uns nicht am Feuer verbrennen, uns in Gefahr bringen, aber die anerzogene Angst, wie es oft üblich war in den 60ern, war dazu da um uns Kinder einfacher zu Händeln.
Denn Gehorsam war das Wichtigste.
Der dritte und letzte Teil folgt bald….
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