Wo kommt sie her, die Angst? In den 60ern war es regelrecht modern uns Kindern Angst zu machen. Sei es wir, hörten, vom „bösen schwarzen Mann“, der uns holen will. Oder gar der „Knecht Ruprecht“, der uns verhauen wollte, wenn wir nicht lieb waren. Ja, die Erziehung in den 60ern Jahren – war einfacher als heute. Ich kann mich nicht erinnern, dass unsere Eltern früher so ein Aufhebens um uns gemacht haben, wie wir es heute mit unseren Kindern tun. Ich sag scherzhaft dazu, früher wurden wir Kinder versklavt und heute versklaven sie uns. Um auf die Angst zurück zukommen. Wir durften damals noch nicht so viel fernsehen wie heute unser Nachwuchs vor der Glotze hängt. Es gab auch keine liebevollen Geschichten, die uns das Einschlafen erleichtern sollte, nein es gab Max & Moritz, die schrecklichen Gebrüder Grimm und der Struwelpeter. In den 60ern sagten die Hebammen schon zu den frischgebackenen Müttern „verwöhnen Sie bloß nicht ihr Kind, lassen sie es schreien“. Meine Mutter erzählte mir, dass sie mich als Baby in der Waschküche abstellte, wenn ich nicht aufhören wollte, zu schreien. Autsch, hier stellten sich bei mir schon die ersten Verlustängste ein.

Etwas später, im zarten Alter von vier (wir sind immer noch in den 60ern), wurde gewartet, bis das Kind eingeschlafen war (in diesem Fall ich) und dann sind meine Eltern auf die Rolle gegangen. Wie es jedoch so oft mit den lieben Kindern ist, werden die wach (in diesem Fall wieder ich) und wer lief nachts im Dunkeln kreischend durch die Wohnung und suchte nach den Eltern? Ich! Was ist das für ein Gefühl, für ein Kind, was zu klein ist an die Lichtschalter zu kommen und feststellen muss, dass die Eltern weg sind?

Da sind sie wieder, die Verlustängste.

Mein Gott bin ich mit Ängsten aufgewachsen. Ich hatte total Angst vor meinen Eltern, wenn die Lehrerin mir androhte, meine Eltern anzurufen. Eine Vier oder fünf, auf dem Zeugnis – kam gar nicht in die Tüte. Was hatte ich Albträume in meiner Kindheit. Überall wurde ich vom „bösen Wolf“ (den gab es ja in jedem Märchen) verfolgt – der mich fressen wollte. Uaaa. Was hatte ich Angst.

Ich hatte Angst in den Keller zu gehen, denn da wohnte der „schwarze Mann“. Einmal war auf der Firma meiner Mutter Nikolausparty angesagt und ich als Zwerg freute mich total darauf. Was ich nicht wusste, es gab auch den „Knecht Ruprecht“ – den die Eltern arrangiert hatten, um uns bösen Kindern eine Lektion zu erteilen. So kam, wie es kommen musste, dieser Furcht einflößende Mann nahm mich mit vor die Türe. Ich dachte er will mich verkloppen und schrie die ganze Firma zusammen. (Ich frag mich, wie kann man so was den Kindern nur antun). Überall wurden wir Kinder mit Ängsten konfrontiert, womit wir in unseren kleinen Kindertagen überfordert waren. Respekt kannten wir nicht, auch vor den Lehrern nicht. Es war die blanke Angst.

Der Grundsteine der verschiedenen Ängste, die uns ein Leben lang verfolgen – werden schon in der Kindheit gelegt.

Fortsetzung folgt bald…



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