Inhaltsbeschreibung Anfang April 2008. Kai Carmann, Ende Dreißig, ist auf dem Sprung in den Vorstand einer Bank. Er lebt und arbeitet in Hannover. Oft, wenn er durch das Fenster seines Penthouses blickt, sieht er diesen Stadtstreicher vorbeiziehen. Der Kerl entweiht seine exklusive Wohnlage.

 „Wenn der Dobermann mir das Gesicht zerbissen hätte, würde ich nie Vorstand werden“, ist sein Resumé, als er im Whirlpool seines Lofts sitzt und an die Attacke beim Marathontraining am Nachmittag denkt.Dass ihm dieses Schicksal erspart blieb, verdankt er Dr. Rolf Barenbourgh (60), dem Stadtstreicher, der in einem Zirkuswagen in der Leinemasch lebt.Kai will sich erkenntlich zeigen. Ihre ersten Kontakte sind sperrig. Kais Dünkel und Karrierefixierung treffen auf Rolfs abgeklärte und natürliche Art. Er lädt Kai abends zu sich ein.

Sie kommen ins Gespräch. Aus fragilem Humor wächst abtastendes Interesse am Anderen.Und sie verabreden sich erneut. Aus Plaudereien werden Gespräche, in denen sie sich begegnen und entdecken. Die sich entwickelnde Freundschaft, die Gespräche zurren an Kais etablierten Denkmustern. Er beginnt, sich auf jedes neue Treffen zu freuen. Die Gespräche bereichern, das wachsende Vertrauen und die Nähe tragen. 

Der Marathon im Mai war seit Monaten Kais Fixpunkt. Eine hervorragende Zeit sollte eine markante Facette seiner Vita werden.Nach gut zwanzig Kilometern bricht Kai ab. Exzellent in der Zeit liegend, weil er in Sichtweite einen zusammengebrochen Zuschauer erkennt: Rolf. Kai begleitet Rolf im Rettungswagen, während der Notaufnahme und zur Intensivstation. Schwerer Infarkt. Er besucht Rolf im Krankenhaus. Beim zweiten Besuch muss er ihm mitteilen, dass er in die Zentrale nach Frankfurt beordert wurde. Die Freundschaft zu Rolf gleitet ihm im Tagesgeschäft durch die Finger, ohne dass er es merkt. 

September 2008, gerade in Hannover gelandet, hört er den Aufruf, dass Oliver Barenbourgh zum Informationsschalter gerufen wird. Der mit seinem Vater in vorwurfsvoller Distanz verharrende Sohn von Rolf. Kai spricht ihn an, und erfährt, dass Rolf vor wenigen Tagen verstarb. An Herzversagen, still eingeschlafen in seinem Zirkuswagen. 

Kai geht noch einmal  dorthin. Nur einige Quadratmeter gelben Rasens und die Abdrücke der Räder erinnern an die Abende und Gespräche mit Rolf im Zirkuswagen.Er setzt sich auf den Feldstein, auf dem er nach der Kampfhund-Attacke saß und resümiert sein menschliches Versagen, eine Freundschaft zu erhalten.