Wie oft im Leben habe ich schon geglaubt und gefühlt, „ich bin angekommen“. Endlich da angekommen, wo ich hin möchte. Das Ankommen bereitet mir gute Gefühle, es gibt mir Sicherheit, es sagt mir, dass das, was ich getan habe, richtig und gut war. Es ist wie ein Erfolg der sich nach langem Kampf und langer Suche endlich einstellt. Ja, jetzt ist alles rund, jetzt bin ich zufrieden, so kann es bleiben – nein, bitte Gott, laß es so bleiben!
Ich mag nicht mehr kämpfen, hab keine Energie mehr zu suchen, ich will Sein, Zufriedensein, Dasein, am Ziel sein ... der Kreislauf hat sich geschlossen, ich schlafe zufrieden ein und wache glücklich auf. Nein, Kleinigkeiten werfen mich nicht mehr aus der Bahn – ich bin doch angekommen, ich bleibe auf meiner Spur, laß mich nicht mehr rausdrängen – und erst unbewusst fange ich – wieder einmal - an, zu kämpfen. Ich will da bleiben, ich lasse mich vom Ziel nicht wieder wegdrängen, ich klammere mich daran fest, es ist mein Lohn für viel Leid – „es“ gehört mir. Jetzt, morgen, immer – denn ich lasse es ganz einfach nicht mehr los!

Doch – was ist jetzt?
Mein schönes wohliges rundes Angekommensein bekommt erste Risse, mein Job soll wegrationalisiert werden, mein Freund möchte noch mehr vom Leben haben, mein Kind wird größer und braucht mich nicht mehr, meine Wohnung erscheint mir ungemütlich, meine Stadt kalt und grau ... mein Außen zerbricht – wieder – Stück für Stück und parallell auch mein Innen – erneut. Ich lasse es los, mein Ziel, unfreiwillig, „es“ lässt mich los, lässt mich fallen und der Aufprall tut weh. Und ich stehe wieder ein Stück neben der Spur, bin wieder ent-gleist, aus der Mitte gerückt, wieder an einem Zwischenstop – weit weg vom Ziel.

Angekommen sein? Für eine kurze Zeit. Schön war es, vielleicht zu schön um zu bleiben, weil Schönheit immer vergänglich ist. Hab ich es mir selbst genommen durch meine Angst, durch meine Ungewissheit und Ungeduld, habe ich mich selbst aus der Bahn geworfen? Schuld? Ist es wichtig, wer „schuld“ ist? Es ist wie es ist ... Ich fange wieder an, auf zu neuen Ufern, neue Kämpfe, neue Ängste, neue Gefühle ----- und Vertrauen? Kann ich überhaupt noch vertrauen und wenn ja in was? In mich???

Werde ich jemals ankommen im Leben und wenn ja, werde ich es wirklich fühlen? Oder werde ich wieder ent-täuscht, wieder des-illusioniert und ernüchtert.

Kann man eigentlich im Leben ankommen? Ich glaube, immer nur für eine gewisse Zeit. Vielleicht kommen wir wirklich erst an, wenn wir unseren Weg hier beendet haben, wenn alles rund ist, wenn es nichts mehr zu tun gibt oder wir nichts mehr tun können. Ist das dann der Frieden, nach dem man sich so oft sehnt? Ich weiß es nicht, woher auch. Ich weiß nur, dass immer dann, wenn ich glaube, ich wäre „da“ mir dies wieder genommen wird oder ich es mir unbewusst selbst nehme. Den Sinn kann ich nicht verstehen ... je mehr man kämpft, desto mehr verliert man die Lust daran – und am Leben!