Jedes Jahr die gleichen Probleme.

Kaum wird es kalt und leer in den Gärten, beginnt die Saison für Einbrecher. Wer seine Makita oder Hilti dann noch dort aufbewahrt, guckt in die Röhre, die Versicherung zahlt nämlich nicht. Auf solche Maschinen sind auch nicht alle Einbrecher aus.

Manchmal fehlt nur eine Dose Ravioli und man sieht, hier hat sich jemand Kaffee gekocht, sogar die Tasse gespült! Wäre nicht die aufgebrochene Türe, bliebe der Ärger klein. Dieses Gefühl aber…“wer hat aus meinem Becherchen getrunken, wer mit meinem Messerchen gestochen..“ ist wohl nur, wenn es sich bei dem Eindringling um Schneewittchen handelt, wirklich erfreulich.

Im letzten Jahr war der Siggi stinkesauer. Man hatte ihm den feuchten Vorrat von insgesamt 200 Flaschen für seinen 60. Geburtstag entwendet. Bier, Cola, Fanta, Wein, sogar das Mineralwasser….alles futsch!

Anton traf es noch schlimmer, denn dem wurde der Aufgesetzte weggesoffen und das geht schon mal gar nicht, weil er dem Gärtner heilig ist! Schließlich wurden die dafür benötigten Früchte sorgfältig herangezogen, geerntet und mit Zutaten angesetzt, die dem Familiengeheimnis unterliegen.

Ich nehme braunen Zucker und Vanillestangen, aber nicht weiter sagen!!

Jedenfalls gab es 2009 bei Anton kein eigenes Schlehenfeuer, kein Cassis, keinen Rumtopf. Die Krönung jedoch war, dass der Eindringling seinen Rausch in Antons Bett ausschlief und dabei vergaß, auf die Toilette zu gehen. Antons Frau, die Gusti, schimpfte auch über die Kringel auf dem Holztisch, weil dieser unverschämte Mensch ihre Untersetzer verschmäht hatte.

„Dem werd` ich helfen, in fremde Betten zu pinkeln! Überlegt doch auch mal, wie wir dem das Handwerk legen,“ schnaubte Anton und machte „Bretter“ auf seiner Stirn.

„Du könntest Rizinusöl in deinen Aufgesetzten tun, “ überlegte Siggi laut, der immer noch seinen Flaschen nachtrauerte.

„Unseren Alkohol versauen? Was ist, wenn ich mal ein Gläschen will?“ Anton winkte ab und Gusti tippte sich an die Stirn

„Damit der auch noch ins Bett kackt? Das ist `ne echte Scheißidee!“

„Weiße Mäuse! Wir holen zehn weiße Mäuse und lassen die hier in der Laube frei, dann denkt er vielleicht, er sei reif für die Nasenbleiche!“

Gusti war einer Ohnmacht nahe.

„Weiße Mäuse? Wer macht den Dreck von denen weg und was ist, wenn die sich vermehren? Hinter der Holzverkleidung? Habt ihr keine Ideen, die ihm mehr schaden als uns?“

„Watt meinz du denn, Anton?“

„Pst, er denkt nach, “ wimmelte Gust alle ab, bis Anton mit leuchtenden Augen aufsprang.

„Ich hab`s! Kommt heute alle mal nach Einbruch der Dunkelheit her! Paul, haste noch die Sense? Bring die mal mit!“

Gegen 19 Uhr war sein Publikum versammelt. Mit einer Plastiktüte in der Hand öffnete Anton weit seine Laubentüre und begab sich hinter diese „spanische Wand“. Erst wurde seine Latzhose über die obere Türkante gehängt, gefolgt vom Wollpulli. Als die lange Unterhose auf den schon hängenden Teilen landete, wurde es spannend. Alle starrten gebannt auf die Tür. Einer weniger hart gesottenen Frau wurde die Aufführung zu  mulmig.

„Ich geh mal fix in meinen Garten, nachsehen, ob das Gras blüht, “ raunte sie und hielt sich die Hand vor Augen. Den dürren Anton ohne ALLES….das schlägt nicht nur jeden Eindringling in die Flucht!

Anton schlug mit der Hand gegen die Türe und Gusti löschte das Licht in der Laube. Dunkelheit umfing uns…

Plötzlich sprang mit lautem Schrei ein Skelett hinter der Türe vor. Sogar ich erschreckte mich, obwohl ich vorbereitet war…wer sich versteckte, kam ja auch wieder vor.

In phosphoreszierendem Weiß kam das Knochengerüst auf uns zu…echt gruselig! Gusti schaltete das Licht wieder ein und man konnte den engen, schwarzen Anzug sehen, auf den die Knochen mit Leuchtfarbe gemalt waren.

„Gib mal den Umhang und die Sense, “ bat Anton und seine Gusti half bei der Kapuze. Tief in die Stirn gezogen konnte man die leeren Augenhöhlen nur ahnen. Nun reichte man dem Skelett noch eine Art Kette aus Hölzern, die so angebracht wurde, dass man sie nicht sah. Gleich nach den ersten Schritten war es in meinem Kopf

..nun hebt sich der Schenkel , nun wackelt das Bein,Gebärden da gibt es vertrackte;                                                                                                                            dann klippert`s und klappert`s mitunter hinein, als schlüg` man die Hölzlein zum Takte…

Ja, das war Grusel pur!

Durch das Regenwetter zeigte uns eine Fußspur im Schlamm, wo der Eindringling auf die Dächer kletterte, um darüber ungesehen in die Gartenhäuser zu gelangen. So leise es ging, saßen wir in der Laube des Nachbargartens, immer zwei Leute hielten für eine Stunde in der Kälte Wache. Ein Handy brummte ...

„Aha, der Typ ist im Anmarsch!“

Wir flitzten schnell zu unseren Verstecken in Antons Garten…;-)

Mit meinem Fernglas konnte ich zumindest graue Konturen erkennen, andere waren auf ihr Gehör angewiesen, weil der Vollmond sich gerade hinter dicken Wolken versteckte. Es knirschte auf dem Dach.  Plopp, nun war der Eindringling herab gesprungen..

„Duuu bist meiiiiinnn!“ Düster hallte der Bass von Anton durch die rabenschwarze Nacht. Nur ich sah, dass er dem Burschen dabei die Hand auf die Schulter legte.

Der Schrei ging durch Mark und Bein. Ich habe nie vorher einen Menschen aus dem Stand zwei Meter hoch springen sehen. Ein Schatten fegte über das Dach des Gartenhauses, alte Blätter stoben auseinander und segelten sanft von der Laube, was im Mondlicht wunderschön wirkte. Der alte Geselle hätte auch ein wenig früher aus seinem Wolkenbett steigen können.

 Anton schickte noch ein finsteres „Ich kriege dich…!“ über das Dach und schon war der Spuk vorbei.

Wir waren sicher, den Richtigen erwischt zu haben. Der Typ kannte keine Toilette, denn da, wo er aus dem Stand aufs Dach gesprungen war, hatte sich eine müffelnde Pfütze gebildet….

„Der fängt ab sofort ein neues, besseres Leben an, “ war Anton sicher und überlegt nun, ob er die Methode als „Antons Lebenshilfe e.V.“  ausbauen soll.