Empathie hindert mich oft daran, etwas zu tun, was mir nützen würde, aber anderen schaden könnte.
Ich könnte endlich ohne innere Widerstände in Uganda nach Öl bohren und den Einheimischen die Landwirtschaft versauen, und ich würde als Energieproduzent die Bundesregierung verklagen, wenn sie mir meine abgehalfterten Atommeiler abschaltet. Und das alles ohne schlechtes Gewissen. Denn mir würden die menschlichen Zusammenhänge und die Ängste anderer überhaupt nicht klar.
Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.
- Und ich würde geliebt
Stark fühlende Frauen (und nicht nur die) lieben nun mal stark handelnde Männer, die wie ein Fels in der Brandung auf ihrer Meinung bestehen und kein Verständnis für Menschen haben, die Kindereien wie Korrekturen an der eigenen Persönlichkeit vornehmen, sobald sie durch ein paar läppische Fakten vom Gegenteil ihres bisherigen Standpunktes überzeugt wurden.
Empathen sind auf Dauer langweilig. Sie sind pflegeleicht für andere, während Homo robustus spannend ist und mit Empathen seine Spielchen treibt, was die wiederum ganz toll finden, weil sie daran den Reifegrad ihrer Empathie messen können.
Machte man Homo robustus’ Fangemeinde auf dessen Widersprüche aufmerksam, bewiese man ihnen anhand von Fakten, dass ihre Zuneigung zum starken Mann eher auf Devotismus beruht als auf Empathie und ihr Idol nichts weiter als ein grober Klotz ist, auf den eigentlich ein grober Keil gehört, so würden sie entgegnen, „das das ja etwas ganz Anderes“ sei und sie empathisch festgestellt hätten, dass eben dieser Leitwolf ein ganz toller Typ sei und man ihn weiterhin verehren und den nichtswürdigen, kleingeistigen Kritiker im gleichen Atemzug verachten würde.
Man lechzt nach der Zuneigung eines Homo robustus und nicht nach der des Empathen.
Was brächte es mir also, empathisch zu bemerken, dass andere auch keine Hirnis sind, über die man allenfalls lachen kann, wenn dies doch keine/r honoriert? Weil man die unbeirrbaren Grob-mentalen doch so liebt?
Irgendwann bin ich ein richtiger Mann. Orientiert Euch dann an mir. Und findet eine Entschuldigung für alles, was ich so an Widersprüchen fabriziere. Ich werde es Euch durch gelegentliche Freundlichkeit vergelten. Darauf könnt ihr dann lauern.
