Ein wohlhabender Mann wollte seinem Sohn die andere Seite des Lebens zeigen und brachte ihn für eine Woche bei einer Bauernfamilie auf einem Aussiedlerhof unter.

Er holte ihn nach sieben Tagen in der Luxuslimousine ab, schaltete die Klimaanlage ein und fragte

„Na, mein Junge, was hast du über das Leben und die Armut gelernt, bei diesen Leuten, die kaum eine Schule besuchten, kein großes Haus haben, kein Auto oder warmes Wasser und keinen Strom?

„Sie leben völlig anders als wir! Kein Wecker klingelt am Morgen, sie stehen einfach auf, wenn es hell genug ist, um etwas zu sehen. Wird es wieder dunkel, setzen sich  ganz nahe zusammen um das Feuer und erzählen Geschichten, bis sie müde sind und schlafen gehen. Du sitzt dann im Musikzimmer und hörst klassische Musik, Mutter sieht sich alte Filme im Wohnzimmer an, ich sitze vor meinem PC und spiele. Wir sehen uns kaum in dem großen Haus, die fühlen sich sogar. Wir sind durch das TV und das Internet mit der virtuellen Welt zusammen, sie leben in der richtigen Welt.

Unser Garten geht bis zum hohen Zaun, ihrer geht bis zum Horizont. Sie wissen, was man dort alles sammeln und ernten kann. Wenn wir all unsere Lampen anmachen, sehen sie zum Licht von Mond und Sternen und wenn wir im gechlorten Pool schwimmen, haben sie Bäche und Flüsse mit kristallklarem Trinkwasser, kalt, aber erfrischend. Es sind Fische darin, die sie nicht füttern müssen und Krebse und Muscheln, die gut schmecken.

Eine Mikrowelle gibt es dort natürlich nicht, sie kochen ihr Essen selber über einem Feuer, es schmeckt ganz anders als das von uns. Wenn sie Musik haben wollen, singen sie oder hören dem Konzert der vielen Vögel, Grillen und anderen Tieren zu, lauschen, was der Wind aus der Ferne mitbringt. Die Frauen gehen nicht zum Frisör, sie flechten sich gegenseitig ihr langes Haar zu Zöpfen, Schnecken und Kronen.

Wenn man zur Arbeit aufs Feld geht, bekommt man kein Geld für Fastfood. Die Bäuerin macht einen Korb mit Obst und  Stullen fertig und in einer Kanne gibt es Milch oder Tee für alle. Wir haben einen Hund, sie haben Schafe, Ziegen, eine Kuh und zwei Pferde, die auch einen Wagen ziehen können. Der ist offen und sie brauchen keine Klimaanlage und auch kein Benzin. Für den Winter gibt es dicke Kleidung aus Schaffswolle. Das Fahrzeug stinkt nicht und man kann überall damit fahren, wo es keine vollen Autobahnen gibt.

Ich bin dir wirklich sehr dankbar, dass ich selber sehen konnte, in welcher Armut wir leben!“