ATLANTIC - STAX - HI - MOTOWN
Die bekanntesten Soul-Label der 1960er/1970er Jahre hatten nicht immer ein identisches Publikum
In regelmäßigen Abständen besinnen sich Zeitungsredakteure auf die prägende Kraft der "schwarzen" amerikanischen Musik, die diese auf den gesamten Bereich populärer Musik hatte und hat und ... das nächste Revival wird ausgerufen.
Ich selbst "infizierte" mich schon als Kind mit der Begeisterung für die Musik der Afro-Amerikaner. Schnell waren die R'n'B-Charts (z.B. im Billboard-Magazine) für mich weitaus interessanter, als die parallel dort abgedruckten Pop-Charts, denn wer es in die R&B-Charts schaffte, hatte "seine eigenen Leute" überzeugt und nicht nur die "Fraktion der weißen Popmusik-Hörer", die ich selbst häufig als "ziemlich inkompetent" erleben musste.
Wenn man schon in den Kategorien von "Weiß" und "Schwarz" denkt, belustigt es immer wieder, dass meist die Produktionen der Soul-Schmieden "ATLANTIC-RECORDS" und "STAX" als "echt und schwarz" bezeichnet werden, während die ehemals Detroiter Firma "MOTOWN" als "zu sehr am weißen Geschmack orientiert" deklassiert wird.
Allerdings ... sowohl "ATLANTIC" als auch "STAX" hatten weiße Gründer und Inhaber, während "MOTOWN" die einzige von Schwarzen gegründete und geführte Firma in diesem Musiksegment war. Berücksichtigt man dann noch, dass viele Studiomusiker, die bei ATLANTIC und STAX den von Puristen so gelobten "schwarzen Sound" einspielten, Weiße waren ....
Dagegen hatte MOTOWN mit seinen FUNK BROTHERS eine fast ausschließlich schwarze Band, die übrigens seinerzeit als eine der besten Musikergruppierungen der U.S.A. galt (fast alle FUNK BROTHERS hatten einen soliden Jazz-Background). Legendär waren der Bassist JAMES JAMERSON und sein Freund und Kollege, der "Jahrhundert-Schlagzeuger" BENNY BENJAMIN.
In seinem kritisch-kompetenten Bestseller "Where Did Our Love Go" schreibt der afro-amerikanische Schriftsteller und Musikkritiker Nelson George über Jamerson und Benjamin "... togehter they raised hell" und ein anderer Musikkritiker schrieb über Benjamins Schlagzeug-Begleitung bei einem frühen MOTOWN-Titel der Isley Brothers "satan himself on drums ..."
Früher oder später folgt bei (deutschen) Presse-Artikeln über Soul-Musik regelmäßig das "Diana Ross-Bashing" ... nun, ja. Eine kleine Stimme, die von Produzenten gern in eine Tonlage getrieben wurde, die nicht die "natürliche" Tonlage des Energiebündels Ross war ... das klang dann fast zwangsläufig (über-)angestrengt, atemlos und manchmal auch schrill. Die "männliche" Sichtweise vieler Kritiker Diana Ross habe "nur durch ihre Beziehung zum MOTOWN-Eigner Berry Gordy Karriere gemacht", kann als widerlegt gelten.
Ross hatte vielmehr den "eisernen Willen" als Sängerin erfolgreich zu werden und dadurch die gesellschaftlichen Fesseln zu sprengen, die ihr das Detroiter Arme-Leute-Ghetto "Brewster Projekt" angelegt hatte.
Ex-Supremes-Kollegin Mary Wilson erinnert sich in ihrer Enthüllungsgeschichte "Dreamgirl - My Life As A Supreme", dass Diana Ross irgendwann in der völlig erfolglosen "Vorlaufphase" der Supremes verlauten ließ "today I'll get Berry ...", in sein Büro stürmte und??? Vermutlich machte Sie Gordy folgendes klar: "Ich werde Karriere machen, mit oder ohne MOTOWN und dafür werde ich kämpfen und arbeiten bis zum Umfallen". Welcher Unternehmer wird eine derart motivierte und arbeitswütige Mitarbeiterin schon ziehen lassen? Also, Karriere mit MOTOWN.
Der Autor von "Groove am Hofe" (DIE ZEIT) wärmt das Klischee von der "Intrigantin" Diana Ross wieder auf. Wo sind die Belege für derartige Vermutungen? Der Rauswurf der Ross-Konkurrentin Florence Ballard aus den Supremes: Florence Ballard kam mit ihrer Rolle innerhalb der Gesangsgruppe nicht mehr zurecht (mehrere Jahre hatte Ballard abwechselnd mit Ross die Leadstimme gesungen und alle Songs waren Flops) und wurde als Alkoholikerin, die ständig Auftritte versäumte, auf der Bühne pöbelte und ihr Äußeres vernachlässigte schließlich untragbar für die erfolgreichste weibliche Gesangsgruppe aller Zeiten.
Alternative war seinerzeit die Auflösung des Trios (dabei waren sie endlich überaus erfolgreich geworden und ... alle drei Sängerinnen verdienten dieselbe Summe, obwohl Ross die Hauptarbeit machte!) Intrigen gegen Aretha Franklin, wie der ZEIT-Artikel unterstellt? Das ist Unsinn! Obwohl Aretha (Detroiter Quasi-Nachbarin von Ross) beim Konkurrenz-Label ATLANTIC unter Vertrag war, ging sie bei MOTOWN ein und aus (na, überrascht?). Die Lösung des Rätsels: Aretha Franklin war mit dem Leadsänger der MOTOWN- Gruppe FOUR TOPS, Levi Stubbs eng befreundet und ist als Duett-Partnerin auf mehreren FOUR TOPS-Alben zu hören (z.B. auf "Back Where I BELONG" und auf einem Christmas-Album). Von Diana Ross wurde Aretha Franklin liebevoll "Rita" genannt.
Kleine Stimme der "erfolgreichsten Sängerin aller Zeiten" (na, schon wieder überrascht?), weit vor all den Streisands, Dions, Madonnas usw.? Ja! Allerdings nicht die Lautstärke ist entscheidend, sondern Unverwechselbarkeit, Modulation, Stimmfarbe ... Diana Ross erkennt jeder Fan nach wenigen Musiktakten sofort.
In den 1970er/1980er Jahren wurde Diana Ross in den U.S.A. zur "Entertainerin des Jahrhunderts" gewählt. Wer ihre Grammy-prämierte Broadway-/TV-Show "An Evening With Diana Ross" kennt, hält diese Auszeichnung nicht für allzu abwegig. Auch andere Sängerinnen (Billie Holiday - nein, ich will sie nicht vergleichen, denn ich liebe beide) hatten winzige Stimmchen und waren dringend auf Mikrofone angewiesen - so what? Mächtige Stimmen (z.B. Houston) haben dagegen oft um Austrahlung gerungen und doch nur metallische Schärfe produziert.
Die Jahre von 1963/64 bis 1970 waren für die amerikanische Popmusik, nicht zuletzt durch den unverwechselbaren MOTOWN-Sound, goldene Jahre. Nie zuvor und bis heute nicht gab es eine derart kreative, innovative und produktive Phase. Aus diesem Pool bedient sich die inzwischen leider weitgehend langweilige und überproduzierte Pop-Musik bis heute. Ich war damals sehr jung und für mich wurde MOTOWN, ATLANTIC, STAX und HI-RECORDS (Al Green u.a.) ein fester Bestandteil meines Lebens "The Soundtrack Of My Life"
Ich möchte keinen der ca. 15.000 MOTOWN-Titel missen (natürlich kenne ich nicht alle). Jede Neu-Entdeckung z.B. auf dem Edel-Label "HipO-Select", das mit seinen ehemaligen Rhino-Leuten wahre MOTOWN-Juwelen aus dem Archiv zutage fördert und klangtechnisch erstklassig aufbereitet, deklassiert die Mehrheit der heutigen Pop-Musik zu Muzak (Kaufhaus-Gedudel).
© Jamerson akas Knüppel
Ich selbst "infizierte" mich schon als Kind mit der Begeisterung für die Musik der Afro-Amerikaner. Schnell waren die R'n'B-Charts (z.B. im Billboard-Magazine) für mich weitaus interessanter, als die parallel dort abgedruckten Pop-Charts, denn wer es in die R&B-Charts schaffte, hatte "seine eigenen Leute" überzeugt und nicht nur die "Fraktion der weißen Popmusik-Hörer", die ich selbst häufig als "ziemlich inkompetent" erleben musste.
Wenn man schon in den Kategorien von "Weiß" und "Schwarz" denkt, belustigt es immer wieder, dass meist die Produktionen der Soul-Schmieden "ATLANTIC-RECORDS" und "STAX" als "echt und schwarz" bezeichnet werden, während die ehemals Detroiter Firma "MOTOWN" als "zu sehr am weißen Geschmack orientiert" deklassiert wird.
Allerdings ... sowohl "ATLANTIC" als auch "STAX" hatten weiße Gründer und Inhaber, während "MOTOWN" die einzige von Schwarzen gegründete und geführte Firma in diesem Musiksegment war. Berücksichtigt man dann noch, dass viele Studiomusiker, die bei ATLANTIC und STAX den von Puristen so gelobten "schwarzen Sound" einspielten, Weiße waren ....
Dagegen hatte MOTOWN mit seinen FUNK BROTHERS eine fast ausschließlich schwarze Band, die übrigens seinerzeit als eine der besten Musikergruppierungen der U.S.A. galt (fast alle FUNK BROTHERS hatten einen soliden Jazz-Background). Legendär waren der Bassist JAMES JAMERSON und sein Freund und Kollege, der "Jahrhundert-Schlagzeuger" BENNY BENJAMIN.
In seinem kritisch-kompetenten Bestseller "Where Did Our Love Go" schreibt der afro-amerikanische Schriftsteller und Musikkritiker Nelson George über Jamerson und Benjamin "... togehter they raised hell" und ein anderer Musikkritiker schrieb über Benjamins Schlagzeug-Begleitung bei einem frühen MOTOWN-Titel der Isley Brothers "satan himself on drums ..."
Früher oder später folgt bei (deutschen) Presse-Artikeln über Soul-Musik regelmäßig das "Diana Ross-Bashing" ... nun, ja. Eine kleine Stimme, die von Produzenten gern in eine Tonlage getrieben wurde, die nicht die "natürliche" Tonlage des Energiebündels Ross war ... das klang dann fast zwangsläufig (über-)angestrengt, atemlos und manchmal auch schrill. Die "männliche" Sichtweise vieler Kritiker Diana Ross habe "nur durch ihre Beziehung zum MOTOWN-Eigner Berry Gordy Karriere gemacht", kann als widerlegt gelten.
Ross hatte vielmehr den "eisernen Willen" als Sängerin erfolgreich zu werden und dadurch die gesellschaftlichen Fesseln zu sprengen, die ihr das Detroiter Arme-Leute-Ghetto "Brewster Projekt" angelegt hatte.
Ex-Supremes-Kollegin Mary Wilson erinnert sich in ihrer Enthüllungsgeschichte "Dreamgirl - My Life As A Supreme", dass Diana Ross irgendwann in der völlig erfolglosen "Vorlaufphase" der Supremes verlauten ließ "today I'll get Berry ...", in sein Büro stürmte und??? Vermutlich machte Sie Gordy folgendes klar: "Ich werde Karriere machen, mit oder ohne MOTOWN und dafür werde ich kämpfen und arbeiten bis zum Umfallen". Welcher Unternehmer wird eine derart motivierte und arbeitswütige Mitarbeiterin schon ziehen lassen? Also, Karriere mit MOTOWN.
Der Autor von "Groove am Hofe" (DIE ZEIT) wärmt das Klischee von der "Intrigantin" Diana Ross wieder auf. Wo sind die Belege für derartige Vermutungen? Der Rauswurf der Ross-Konkurrentin Florence Ballard aus den Supremes: Florence Ballard kam mit ihrer Rolle innerhalb der Gesangsgruppe nicht mehr zurecht (mehrere Jahre hatte Ballard abwechselnd mit Ross die Leadstimme gesungen und alle Songs waren Flops) und wurde als Alkoholikerin, die ständig Auftritte versäumte, auf der Bühne pöbelte und ihr Äußeres vernachlässigte schließlich untragbar für die erfolgreichste weibliche Gesangsgruppe aller Zeiten.
Alternative war seinerzeit die Auflösung des Trios (dabei waren sie endlich überaus erfolgreich geworden und ... alle drei Sängerinnen verdienten dieselbe Summe, obwohl Ross die Hauptarbeit machte!) Intrigen gegen Aretha Franklin, wie der ZEIT-Artikel unterstellt? Das ist Unsinn! Obwohl Aretha (Detroiter Quasi-Nachbarin von Ross) beim Konkurrenz-Label ATLANTIC unter Vertrag war, ging sie bei MOTOWN ein und aus (na, überrascht?). Die Lösung des Rätsels: Aretha Franklin war mit dem Leadsänger der MOTOWN- Gruppe FOUR TOPS, Levi Stubbs eng befreundet und ist als Duett-Partnerin auf mehreren FOUR TOPS-Alben zu hören (z.B. auf "Back Where I BELONG" und auf einem Christmas-Album). Von Diana Ross wurde Aretha Franklin liebevoll "Rita" genannt.
Kleine Stimme der "erfolgreichsten Sängerin aller Zeiten" (na, schon wieder überrascht?), weit vor all den Streisands, Dions, Madonnas usw.? Ja! Allerdings nicht die Lautstärke ist entscheidend, sondern Unverwechselbarkeit, Modulation, Stimmfarbe ... Diana Ross erkennt jeder Fan nach wenigen Musiktakten sofort.
In den 1970er/1980er Jahren wurde Diana Ross in den U.S.A. zur "Entertainerin des Jahrhunderts" gewählt. Wer ihre Grammy-prämierte Broadway-/TV-Show "An Evening With Diana Ross" kennt, hält diese Auszeichnung nicht für allzu abwegig. Auch andere Sängerinnen (Billie Holiday - nein, ich will sie nicht vergleichen, denn ich liebe beide) hatten winzige Stimmchen und waren dringend auf Mikrofone angewiesen - so what? Mächtige Stimmen (z.B. Houston) haben dagegen oft um Austrahlung gerungen und doch nur metallische Schärfe produziert.
Die Jahre von 1963/64 bis 1970 waren für die amerikanische Popmusik, nicht zuletzt durch den unverwechselbaren MOTOWN-Sound, goldene Jahre. Nie zuvor und bis heute nicht gab es eine derart kreative, innovative und produktive Phase. Aus diesem Pool bedient sich die inzwischen leider weitgehend langweilige und überproduzierte Pop-Musik bis heute. Ich war damals sehr jung und für mich wurde MOTOWN, ATLANTIC, STAX und HI-RECORDS (Al Green u.a.) ein fester Bestandteil meines Lebens "The Soundtrack Of My Life"
Ich möchte keinen der ca. 15.000 MOTOWN-Titel missen (natürlich kenne ich nicht alle). Jede Neu-Entdeckung z.B. auf dem Edel-Label "HipO-Select", das mit seinen ehemaligen Rhino-Leuten wahre MOTOWN-Juwelen aus dem Archiv zutage fördert und klangtechnisch erstklassig aufbereitet, deklassiert die Mehrheit der heutigen Pop-Musik zu Muzak (Kaufhaus-Gedudel).
© Jamerson akas Knüppel
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