Mit Verlaub gesagt, ich bin der jüngste Platiner. Habe eigentlich gar nichts verloren in dem Netzwerk 40 Plus. Doch bei mir ist das eine Ausnahme.
Einmal im Monat lass ich mich besonders hübsch machen. Da wird gekämmt und gebürstet und dann geht’s los zum Stammtisch „Berlin-Süd und Umland“ in die Country-Kneipe nach Richtershorn. Wenn ich dort schwanzwedelnd angedackelt komme, gibt’s immer ein lautstarkes Hallo. Nicht, weil ich ein so knackiger Kerl bin, mag mich jeder. Der Grund: ich bin ein Hund. Wuff!
Und da ich auf vier Beinen durch die Platiner-Welt marschiere und kein Wadenbeißer und Kläffer bin, wurde ich vom Stammtisch zum Maskottchen erkoren. Das hat viele Vorteile. Ich bin auf dem Gruppenfoto verewigt, stehe auch sonst immer im Blitzlichtgewitter, muss nicht immer wie ein Hund unterm Tisch liegen, sondern habe einen Stammplatz, so dass ich einen guten Rundblick über das Stammtisch-Geschehen habe. Ach ja, hätt’ ich fast vergessen, als Maskottchen bekomme ich auch immer viele Leckerlis. Die zaubern die Stammtischdamen nett verpackt aus ihren Handtaschen. Und von den Mannsbildern erhalte ich Streicheleinheiten. Ist doch auch was!
Ich fühle mich pudelwohl bei meinem Stammtisch, versteh zwar nicht, warum so oft gelacht wird. Doch die gute Laune färbt schließlich auch auf mich ab. An den Gesprächen kann ich mich leider nicht beteiligen, weiß gar nicht, was alle so viel zu reden haben.
Und wenn um 21 Uhr die Live-Musik beginnt, sind die Stammtischler nicht mehr zu halten, stürzen auf die Tanzfläche und lassen mich einfach einsam am Tisch zurück. Das nehme ich den Platinern nicht übel. Laute Musik ist sowieso nichts für meine Schlappohren. Ich werde schließlich ins Auto bugsiert, kann dort in Ruhe schlafen und träume vielleicht sogar schon vom nächsten Stammtisch. Denn ich will noch recht lange das Maskottchen Kalle vom Stammtisch „Berlin-Süd und Umland“ sein.
* Dieser Beitrag wurde zum "Sommerstammtisch-Wettbewerb 2009" eingereicht
