AUGENWISCHEREI.......
ein „X“ für ein „U“ vormachen, unwirklich, Blendwerk, Scharlatanerie, Magie und Zauber!
Ganz sicher unseriös, auf vordergründige Wirkung ausgelegt, geeignet zu täuschen, zur Vorteilserlangung eingesetzt.......so, der im „normalen“ Sprachgebrauch verstandener Begriff.
Über unsere Augen wischen....., entspannt die Brille abnehmen, zurücklehnen, mit den weichen Fingerspitzen unsere Augen unter den geschlossenen Lidern sanft zu massieren, schenkt uns Sekunden des Nachdenkens, des kurzzeitigen Ausstieges, des Rückzuges, aus unserer Welt der permanenten Bereitschaft begehrt, gefragt, schön, eloquent, präsent, intelligent und vor allem, geliebt zu werden.
Was also haben unsere Augen mit dem Grad der Angespanntheit in uns selbst zu tun?
Treffen wir auf ein Gegenüber, das unsere Aufmerksamkeit verdient, dem wir unser Interesse signalisieren wollen, so werden wir in eines seiner Augen, meist das linke Auge, blicken. Ja, es stimmt, wir firten mit beiden Augen, versenken unseren verliebten Blick aber nur in eines der Augen unserer Angeschmachteten.
Was tun wir also?
Wir „fokussieren!“
Permanent und fortwährend sind unsere Augenmuskeln damit beschäftigt unseren Blick zu „schärfen“, zu „fokussieren!“
Damit sind sie logischerweise die am meisten beschäftigten Muskeln, neben dem Herzmuskel, in unserem Körper.
Was wäre nun, wenn wir uns bewußt vom Zwang des permanenten Fokussierens freimachen könnten?
Wir würden unsere Augenmuskeln entspannen, was wiederum für unser Gehirn das Signal wäre, auch der restlichen Muskulatur diesen Luxus zu gönnen........
Tiefe Entspannung, das wäre wohl die Folge!
So und nun zur Lösung.
„DER WEICHE BLICK“, er fokussiert nicht mehr, endet irgendwo am Horizont meiner Bereitschaft, loszulassen.
Mein Gesichtsfeld ist nach wie vor belebt, sehe die unmöglichen weißen Socken des Nadelgestreiften zwei Stühle links von mir, den servierenden Kellner rechts, die aufgerüschte, Tortenessende zwei Tische weiter.......
Ich spüre, wie der Verkehrslärm des Straßencafes in leiser werdendes Summen übergeht, die Hitze des Nachmittages sich wohlig um meine Schultern legt, Entrücktheit und verzauberter Rückzug in mich selbst.
Ich entspanne, wenn sie wollen, dann meditiere ich im Moment......
Das alles nur, weil mir jemand den „WEICHEN BLICK“ erklärte, der mich sehen läßt, ohne zu „fokussieren“..... und das ist keine „AUGENWISCHEREI!“
© W. Griffelspitzer
