..Man sollte sein Handeln an jeder Stelle selbstkritisch überprüfen, um ggfs. Fehler zu erkennen, gegenzusteuern und dann Entscheidungen zu revidieren oder seine Handlung zu verändern. So können auch Fehler zum Positiven umgewandelt werden, wenn man sie erkennt und entsprechende Schlüsse daraus zieht.

Einen solchen „Fehler“ glaubt nun die CDU erkannt zu haben, wenn man ihrem Generalsekretär Herrn Pofalla Glauben schenken möchte. Im ARD-Morgenmagazin neulich verkündete er, dass die CDU angesichts steigender Energiepreise und des Klimawandels eine Trendwende auch vom Koalitionsvertrag in ihrer Energiepolitik vollziehen möchte. Sie sieht die Alternative, um von Umweltzerstörung und Ölabhängigkeit wegzukommen eindeutig bei der Atomenergie – und hier nicht etwa bei einem Neubau eines Kernreaktors, sondern in der Laufzeitverlängerung bestehender Atommeiler. „Die sichersten der Welt“...

Hierzu ein paar Anmerkungen:

1)Herr Pofalla hat meiner Meinung nach richtig erkannt, dass wir so schnell wie möglich weg müssen vom Öl. Es schadet dem Klima und macht uns abhängig allein von den Märkten. Hinzu kommt, dass Öl als Ressource nicht mehr ewig vorhanden sein wird. Selbst neue Ölfelder zu erschließen würde ökologisch katastrophale Auswirkungen haben – eventuell gar kriegerische Auseinandersetzungen hervorrufen (wie man gestern lesen konnte, sei Russland bereit, seinen territorialen Anspruch auf der Antarktis auch militärisch durchzusetzen – dort werden unterhalb des Eises die größten Ölvorkommen vermutet. Bisher schützte das Eis vor ernsthaften Bohrungen, doch das Eis schmilzt rasant dahin).

2)Neue und ggfs. auch „sicherere“ Atomkraftwerke zu bauen in Deutschland dürfte anhand des zu erwartenden Widerstands, gerichtlicher Verfahren, der langen Genehmigungsverfahren usw. dem aktuellen „Energieproblem“ nichts nutzen. Politik, die von Wahl zur Wahl denkt, und eben die Gefahr birgt, nicht mehr gewählt zu werden, lässt sich dafür keine Zeit mehr – und hat sie vermutlich auch nicht. Insofern ist es nur logisch, dass Pofalla dafür plädiert, die Laufzeiten der bestehenden Reaktoren zu verlängern. Deutsche Kernkraftwerke aber per se als die sichersten der Welt zu bezeichnen ist angesichts der Realitäten ein schlechter Witz. Biblis und Krümmel würden in Laufzeitverlängerungen selbstredend mit einbezogen.

3)Herr Pofalla will aus Fehlern lernen. Der Fehler, den er erkannt zu haben glaubt, ist der, dass mit dem Ausstiegsvertrag, den die Rot-Grüne Koalition zu verantworten hat – der allerdings auch Bestandteil des bestehenden Koalitionsvertrages ist (Schwarz-Rot) – die Abhängigkeit vom Öl gewachsen ist. Vordergründig hat er Recht. Dies ist dann der Fall, wenn nicht gleichzeitig nach Alternativen von Atomenergie und der Verbrennung fossiler Energievorräte gesucht wird. Der massive Ausbau der sogenannten regenerativen Energieerzeugung, deren Förderung und Weiterentwicklung mit ähnlicher – auch finanzieller Hingabe, wäre eine ebensolche Alternative.

4)Das Energieproblem dauerhaft zu lösen bedarf globaler Anstrengungen. Es ist erkannt und selbst mögliche Lösungen sind vorhanden. Darauf will ich jetzt aber gar nicht eingehen – vielleicht nur soviel: würde man eine Fläche wie die des Landes Niedersachsen komplett mit Sonnenkollektoren ausstatten (nicht in Niedersachen, sondern etwa in der Sahara) wäre der derzeitige Weltenergiebedarf gedeckt.

5)Die Probleme der Atomenergie und ihre Gefahren scheint Herr Pofalla aber nicht erkannt zu haben. Ob der einzelne Atommeiler nun sicher ist oder nicht, ist angesichts der Probleme, die allein deren Müll verursacht und dessen Verwendung, Transport und Lagerung (von Vernichtung kann ja gar nicht erst die Rede sein) fast zu vernachlässigen. Dieses Problem schleppen noch hunderte Generationen nach uns mit sich herum. Außerdem bringt es doch nichts, die Abhängigkeit vom Öl gegen die Abhängigkeit von Versorgungsgiganten einzutauschen.

Was Herrn Pofalla und die Verantwortlichen in der Bundes-CDU angeht scheint es so zu sein, dass man den Teufel wieder mit dem Belzebub austreiben will. Anstatt sich wirklich um nachhaltige Lösungen zu bemühen, wird wieder geflickschustert.
Die derzeitige Devise kann nur heißen, dass Energie gespart wird, wo es geht. Im übrigen muss die Autoindustrie schnellst möglich weg vom Verbrennungsmotor – in der Beziehung ist jetzt wirklich Schluss mit lustig. Das Bewusstsein in weiten Teilen der Bevölkerung hat sich schon gewandelt – aber nun muss auch die Politik ihre Energie darauf verwenden und ihre Möglichkeiten ausnutzen eine Energiepolitik weg von fossilen Brennstoffen und ohne Atomkraft massiv zu fördern, zu unterstützen und zu verwirklichen. Man sollte eben aus Fehlern lernen.