Er konnte nicht mehr denken, alle Handgriffe und Bewegungen kamen ganz automatisch. Ohne zu überlegen hatte er das zweiflügelige Fenster aufgemacht. Ein leichter, warmer Windzug fuhr über sein Gesicht.


Wie war er hierhergekommen? Warum sah er wie in einen Tunnel hinein? Das offene Fenster war der Ausgang? Der Ausgang aus all seinen Problemen? Ja, es konnte nur so sein. Aber wieso hatte er keine Gedanken mehr? Nur noch Stille rauschte in seinen Ohren.


Vor ein paar Tagen, als sein Wagen wieder mal im Stau stand, saß er mit all den anderen Lemmingen auf der Autobahn fest. Dort konnte er denken, vor und nach den Aufträgen und den Entfernungen dazwischen blieb viel Zeit. Zeit in der er sich immer häufiger die Frage stellte, warum er nicht aussteigt? Aus dem Auto und einfach über die andere Seite der Bahn geht.

Es müsste doch eigentlich schnell gehen, einer von den notorischen Rasern oder spätestens ein LKW, wenn er die linke Spur unbeschadet überquert haben sollte, müsste ihm doch die Erlösung bringen. Es wäre endlich alles vorüber. Vorbei mit dem Stress, dem Ärger mit den Frauen, die Sehnsucht nach seinen Kindern. Wohltuende Dunkelheit und Stille war wie ein stummes Versprechen.


Keiner würde mehr an ihm zerren, ihn in immer ausweglosere Situationen bringen, die ihn zum Gejagten machten. Er war inzwischen der Hase geworden, den die Hunde jagten. Immer häufiger suchten ihn die Gedanken auf. Wie verheißungsvoll doch der ersehnte Frieden sich ihm aufdrängte.


Warum weiter kämpfen? Schluss mit dem Stehaufmännchen-Syndrom. Lass die anderen doch gewinnen, Du hast schon verloren. Oder? War das die Freiheit, ihnen allen den Finger zu zeigen? Ihnen keine Macht mehr über sich zu geben?


All diese Dinge waren fort, die Fensterflügel zeigten in die Freiheit. Ein kleiner Schritt noch, einfach auf das Fensterbrett hoch und dann ……


klingelte sein Handy.


 

 

© Paul Archie, Januar 2012