überall wird nun wieder gesammelt, pfadfinder für die örtlichen tafeln, radiosender für kinder in not, die lions club damen, der rotary club, das rote kreuz…. alle appelieren an unser verständnis für diejenigen unter uns, denen es nicht so gut geht. 

ich denke, dass es in fast jeder stadt personen gibt, die zum jahresende ohne festes einkommen sind, weil kündigungen ausgesprochen wurden. auch gibt es bestimmt ganz viele leute, die dieses jahr weihnachten ohne ihre liebsten verbringen müssen. 

warum nur fällt uns grade zur weihnachtszeit auf, dass es viele bedürftige leute gibt? z.b. auch obdachlose, die uns im sommer ärgern, weil sie an beliebten stellen in den städten betteln oder in den parkanlagen übernachten. in dem stadtteil in emden, wo ich wohne sind der tagesaufhalt und die übernachtungsmöglichkeit angesiedelt. emden ist eine kleinstadt und man kennt sich…. auch die obdachlosen sind bekannt. viele sind mit hunden unterwegs. gut gepflegte hunde, für die gebettelt wird. die leute stören nicht und bekommen neben einer kleinen gabe ein freundliches „moin“. mir haben einige schon mal sehr geholfen, als mein auto nicht ansprang und die mich geschoben haben. 

am freitag bin ich mit selbst gemachter marmelade, ein paar süßigkeiten und einem adventsgesteck zum tagesaufenthalt gegangen. mir war ziemlich mulmig zumute, als ich mich dem eingang näherte. im aufenthaltsraum saßen neun leute. junge und ältere, auch eine sehr junge frau war darunter. freundlich wiesen sie mir den weg in die küche, wo ich alles abgeben konnte. sehr ordentlich war es da, zwar alt und nicht besonders schön, aber sauber. ich bekam ein „danke schön und ein schönes wochenende“ mit auf den weg, als ich ging. 

zuvor hatte ich mit dem sozialarbeiter gesprochen, der sagte, so etwas sei immer gerne gesehen. „IMMER“ gerne gesehen, hat er gesagt! also nicht nur zu weihnachten! 

auf der fahrt ins wochenende hatte ich viel zeit zum nachdenken. und ich habe mich immer mehr geschämt! hinter jedem dieser menschen steckt ein schicksal, welches ich mir nicht vorstellen, geschweige denn erleben möchte. nun habe ich ein ganz schlechtes gewissen, weil ich mich von der allgegenwärtigen spendenbereitschaft habe anstecken lassen. 

ich bitte alle, mich nicht zu hauen. ich finde es ja gut, dass gesammelt wird. aber bitte schön, doch immer und zu jeder jahreszeit! denn die bedürftigkeit beschränkt sich doch nicht nur auf die weihnachtszeit.