Im tiefen Wald von Connorsreuth

pflückte Gesine Beeren.

Die blauen waren grad so weit,

sie färbten Mund und Hand und Kleid.

Da tat sie Hunde hören.

 

Von Jericho das Tal hinauf 

da kam ein wilder Mann.

Der Fürst, er ritt im vollen Lauf

nahm fast Gesines Tod in Kauf,

dass sie kaum fliehen kann.

 

Hochedler Herr von Jericho

ach, lasst mich doch am Leben,

gestorben mach’ ich Euch nicht froh

und meinem Liebesten ebenso

könnt’ ich nicht Minne geben.

 

Schon bald in aller Herrgottsfrüh

werd ich sein Eheweib.

Bring Mitgift ihm, viel wie noch nie

Tausend Stück Rind- und Schweinevieh

 und schenk ihm meinen Leib.

 

Der Fürst, er steigt vom Pferd herab,

betrachtet sie mit Wonne.

Der Speichel rinnt ihm nicht zu knapp

von seines Mundes Rot herab

und blinzelt in die Sonne.

 

Oh edle Maid von Connorsreuth
Ihr müsst Euch doch entsinnen.
Wenn eine Jungfrau hat gefreit,
dient sie dem Fürst die erste Zeit.
Da gibt es kein Entrinnen.

Oh edler Herr von Jericho,
ich kenne Euer Recht.
Doch wäre ich von Herzen froh
ließt' Ihr mich für den Gatten so
wie er mich haben möcht'

 

Oh edle Maid von Connorsreuth

es ist nicht Euer Schade.

Ihr tragt ein weites, langes Kleid

das gradezu nach Minne schreit.

Auch passt es mir gerade.

 

Oh edler Herr von Jericho,

Ihr kommt zur falschen Zeit.

Zuerst müsste ich mal aufs Klo,

unpässlich bin ich sowieso

und nicht für Euch bereit.

 

Ich fliehe in das Herrenhaus

wo meine Brüder wohnen.

Die machen Euch dann den Garaus

Es sieht mir gar nicht danach aus

als würd sich’s für euch lohnen.

 

Oh edle Maid, ihr wisset nicht,

ich schicke Euch Soldaten.

Ein jeder ist darauf erpicht

dass er mal jemanden ersticht.

Da seid ihr schlecht beraten.

 

Oh edler Herr, ich freu mich so

auf Hans und Franz und Frieder.

Auf Kunz und Kuno sowieso

die machte ich schon öfter froh

und ließ sie an mein Mieder.

 

Die Worte waren kaum verhallt,

da wendet er das Pferd,

und wortlos ritt er aus dem Wald,

vergaß die Sache eh schon bald.

Die Maid war ihm nichts wert.

 

Drum wisse, Maid, ein jeder Mann

will eine reine Magd.

Bei der ist er der erste dann,

doch ließ sie auch schon andre ran,

ist sie nicht mehr gefragt.

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© Jürgen Berndt-Lüders

Bildquelle: STAR DIVISION CD. 10.000 Cliparts und Fotos