Am späten Nachmittag des 24. November 2007 traf ich nach einem sehr angenehmen Flug in Bangkok und nach einer zügigen Taxifahrt im Stadtteil Thewet ein. Ich hatte über e-Mail einen Lageplan meines Hotels übermittelt bekommen und so hat auch der Taxifahrer gut hingefunden. Die Organisation passte. Aber weil man sich bekanntlich überallhin selber mitnimmt, war ich nicht nur übernächtig, sondern leider auch fiebrig, hustend, verschnupft und müde. Die Gelenke schmerzten… ich hatte einen veritablen Infekt mitgebracht, der meine ersten Tage in Thailand leider etwas mühsam machte.

Das Hotel war phantasievoll gestaltet und sauber. Man hatte mich erwartet und wies mir freundlich den Weg. Über eine Art Hühnerleiter erreichte ich mein Zimmer im dritten Stock. Mit Sack und Pack eine ziemliche Schufterei, aber ich war eben nicht in einem Top-Hotel abgestiegen. Selbst ist die Frau… Das Ambiente war leicht afrikanisch angehaucht, aber auch Hundertwasser könnte den Gestaltern über den Weg gelaufen sein. Ein breites, etwas hartes Bett, ein Wandbord, ein paar Haken an der Wand, ein Sessel, Ventilator, Dusche und WC. Durch die einander gegenüberliegenden Fenster war das Zimmer luftig, aber so ruhig, wie ich es mir gewünscht hatte, war es leider nicht. Gott sei Dank hatte ich einen guten Gehörschutz mit, den ich auf meiner gesamten Reise immer wieder recht gut brauchen konnte.

Die Stadt befand sich in einem absoluten Festtaumel: Das Fest Loi Krathong wurde gefeiert und des Königs Geburtstag am 5. Dezember nahte ebenfalls…. Die Hymne Thailands wurde stündlich über alle verfügbaren Lautsprecher gesungen, ebenso alle Kompositionen des Königs und auch alles Wissenswerte und Ehrenvolle über den König wurde erzählt (ließ ich mir sagen). Gebete, Segenswünsche und Ansprachen von Mönchen flimmerten über die Fernseher und dies alles wurde untermalt von dem Dauerlärm der Mopeds und Autos. Ein wenig viel auf einmal für eine nüchterne und ruhegewohnte Europäerin….

Es war Vollmond und zum Fest anlässlich des Endes der Reisernte strömten die Menschen in Scharen Richtung Fluss. An zahllosen Ständen gab es kleine bunte Blumenboote mit Räucherstäbchen und Kerzen, aber auch viel wasserliebendes Kleingetier zu kaufen. Diese waren als Opfergaben gedacht, die Menschen gingen damit zum Fluss, um sie dem Wasser zu übergeben. Trotz meiner Erschöpfung, machte ich mich an Abend noch auf den Weg, kaufte eines der schwimmfähigen Blumengestecke und suchte den nahen Tempel am Mae Nam Chao Phraya, dem großen Strom auf, der Bangkok durchfließt. Es war nicht so einfach – zwar war der Fluss nicht weit, aber wo konnte man so nahe ans Wasser? Hohe Ufermauern oder Gebäude versperrten den Zugang. Außerdem war ich irgendwie zu früh dran und zu müde. So schenkte ich mein Boot einem kleinen Mädchen, das mit seiner Mutter Richtung Fluss unterwegs war. Charmant-schüchtern und von der Mutter ermutigt nahm das Mädchen das Boot gnädig entgegen und hat es sicher an meiner Stelle irgendwo der Flussgöttin geopfert.

Am nächsten Morgen nach einer kurzen und unruhigen Nacht genoss ich die Spezialität meines Hotels – Müsli mit Kokosmilch, Yoghurt und mit herrlichen frischen Früchten. Ein guter Kaffe gab meinem Blutdruck Gas und somit war ich bald startklar für die Stadt. Ich begann, sie zu Fuß und in der näheren Umgebung zu erkunden, versuchte mich zu orientieren und ein wenig vom Stadtteil wahrzunehmen.

Es war nicht weit zur Nationalbibliothek und daran grenzte ein offensichtlich etwas vornehmerer Schulbezirk. Übergewichtige Kinder wurden dort von ihren Nannys oder mit einer Limousine abgeholt bzw. zu McDonalds um die Ecke geschleppt. Zwei prächtige Wats mit schönen Gärten und alten Bäumen fand ich an schmalen Klongs und direkt am großen Fluss. Dazwischen fanden sich einige stattliche Einfamilienhäuser mit viel Holz in gepflegten Gärten. Andererseits gab es viele ganz normale Straßenzüge mit teilweise sehr armen Behausungen aus Wellblech, mit einfachen Stadthäusern und natürlich auch mit einem regionalen Markt.

Ich gestehe, dass ich viele Gebäude an den Straßen einfach hässlich fand. Die riesigen Werbetafeln, die die Wände zierten, die freihängenden Leitungen, der Kabelsalat entlang der Straßen, die armseligen kleinen Geschäfte, die stinkenden und lauten TukTuks und die zahllosen Buden, an denen irgendwas Geröstetes, Gegrilltes, Gesottenes zum Essen angeboten wurde, fand ich erst einmal nicht sehr attraktiv. Beim ersten Gang durch den regionalen Markt drehte es mir fast den Magen um. Ich hatte wohl das schlechteste Eck gleich am Anfang erwischt, in dem Gestank von Schweine- Hühner- und der Fischdärmen vorherrschten ….aber da muss man durch!

Beeindruckend dagegen war für mich gleich vom Beginn an die Freundlichkeit und Fröhlichkeit der Menschen und auch ihre Gelassenheit und Rücksichtnahme! Man wird in Thailand nicht angerempelt und auch nicht rücksichtslos auf die Seite oder vom Gehsteig gedrängt. Auch die Größe der Thailänder ist mir sehr angenehm. Ich passe gut zu ihnen in dieser Hinsicht...Jeder weicht ein wenig aus, ein Lächeln verbindet immer, auch wenn man sonst nichts voneinander versteht.

Am späten Nachmittag, mit ermüdeten Knochen konnte ich schließlich nicht umhin, einen der zahlreichen Massagesalons zu versuchen und ließ mir eine Fußmassage angedeihen. Eine erstaunliche Erfahrung für Nichteingeweihte! Angenehm und lockernd einerseits, andererseits auch sehr schmerzhaft, denn meine geschundenen Beinvenen reagierten auf die eindrücklichen Berührungen entlang der Schienbeine äußerst empfindlich. Einige Hämatome zeugten noch tagelang von der „Zartheit“ der empfangenen Massagen.

Am zweiten Tag organisierte ich zunächst Fahrt und Unterkunft zum nächsten Reiseziel Phitsanulok. Danach fuhr ich mit dem Boot ins Zentrum der Stadt und zum königlichen Palast. Wenn man dort die ersten Tempel sieht, ist man einfach überwältigt von soviel goldener Pracht und wird im Strom der vielen Menschen mitgeschwemmt. Wie viele Tempel ich noch zu sehen bekommen würde, konnte ich ja zu diesem Zeitpunkt noch nicht einschätzen. Ich schlenderte in Eigenregie und ohne Führer durch die riesige Anlage und gab mir viel Zeit zum Schauen. Mein Bedürfnis, alles genau zu wissen und kennen zu lernen fand seine Grenze in der überwältigenden Fülle der Details. Die Beschreibung des Palastes, die man mit der Eintrittskarte erhält, reichte aus. Ich hätte mir auch mit einer Führung kaum mehr gemerkt….

Ich war doch noch ziemlich müde unterwegs an diesem Tag…....Aus dem kühlen Europa kommend, ist nicht nur die Hitze und Luftfeuchtigkeit gewöhnungsbedürftig, obwohl die Temperatur mit ca. 31° C für Einheimische sogar mehr als erträglich war. Der Fluss und die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsbooten halfen mir am Anfang sehr, mit dieser schwülen, lauten Stadt leichter zurecht zu kommen. Ich trieb mich einige Zeit relativ gemächlich per Boot stromauf- und stromabwärts herum, fotografierte viel zu viel, stieg bei verschiedenen Stationen aus, ging ein Stück, besichtigte Parks, Plätze und Tempel, schloss mich immer wieder dem Strom der vielen Touristen an und fuhr gegen Abend wieder zurück ins Hotel. Etwas verwundert stellte ich im Boot fest, dass mindestens jeder/jede zweite Thailänder/in ein gelbes T-Shirt mit dem königlichen Wappen trug und als ich eine junge Thailänderin fragte, was das zu bedeute, legte sie mit einer rührenden Geste ihre Rechte aufs Herz und meinte: „My king has birthday“…..

Nach der dritten Nacht in Bangkok war ich trotz der netten Atmosphäre im Hotel ziemlich froh, weiterreisen zu können. Ich sehnte mich nach kühleren und überschaubareren Gefilden. China Town, die Hochbahn, die riesigen Shopping-Zentren, das alles hatte nicht wirklich Anziehungskraft für mich.

Am Hualalomphong-Bahnhof organisierte ich vor meiner Abreise Richtung Norden mit Hilfe eines freundlichen Reisebüroangestellten noch den Flug von Chang Mai nach Bangkok zurück und weiter nach Trat und Kho Chang (der geplante und fast letzte Teil meiner Reise) und schließlich saß ich im voll besetzten Zug Richtung Norden, nach Phitsanulok, einer mittelgroßen Stadt etwas 350 km nördlich von Bangkok.

Am Ende der Reise kehrte ich wieder nach Bangkok zurück. Weitere Freunde aus Österreich waren einen Tag vorher in Bangkok eingetroffen und ich freute mich, sie zu sehen! Wir Vier, die wir die Reise im September und Oktober ausgeheckt hatten, verbrachten den letzten Tag meines Thailand-Aufenthaltes gemeinsam. Sie hatten noch große Pläne, ich konnte schon viel erzählen.

Auf dem Fluss tuckerten wir gemeinsam in die nördlich von Bangkok gelegene Provinzhauptstadt Nothanburi. Hier gab es kaum Touristen und wir genossen die gelassene Atmosphäre einer zwar großen, aber ganz normalen thailändischen Provinzhauptstadt, bummelten durch den riesigen, bunten Markt, suchten lange nach einer Art von Café, belustigten uns auf der Zuschauerbank bei einem Männerfriseur während sich ein Freund kahl scheren und rasieren ließ und lachten viel über uns und andere Kleinigkeiten.

Am Nachmittag folgten wir noch den Empfehlungen unseres Wirtes (ein interessanter und weit gereister Mann, mit dem es ein Vergnügen war, sich zu unterhalten) und mieteten ein Longtailboot für eine etwa zweistündige Fahrt in die großen Khlongs von Thonburi in ländlichere Gefilde und zurück ins nächtliche grandios beleuchtete Zentrum von Bangkok.

Die Stimmung am späten Nachmittag, zum Sonnenuntergang und schließlich die Nacht am Fluss, das werde ich sicher nicht so schnell vergessen. Da fand sich wirklich noch ein Stück romantisches Bangkok. In einem Fischrestaurant auf einer Terrasse unmittelbar am Mae (=Mutter) Nam (= Wasser) Chao Phraya genossen wir unser Abendessen und feierten den Urlaubsstart meiner Freunde und meine bevorstehende Heimreise. So fand ich zum Schluss Bangkok doch ganz schön und sollte ich wieder hinkommen, werde ich neugierig sein auf weitere Erkundungsfahrten.

Bangkok an Beginn und am Ende der Reise – was aber lag dazwischen?