Zucken nicht unsere Mundwinkel ein wenig, wenn wir die deutschen Namen von sula bassana und uria aalge das erste Mal mit bekommen? Umspielt nicht ein spöttisches Lächeln unsere Lippen, wenn wir Filme über diese beiden Vogelarten sehen? Warten wir nicht regelrecht darauf, dass sie ständig über ihre eigenen Füße stolpern, ihre mühsam gelegten Eier ungeschickt von der Felskante stoßen und bei dem Gewühle in der Brutkolonie hektisch aneinander stoßen? Und passiert etwa dergleichen? Nein, allenfalls ist der Gang etwas tölpelhaft und trottelig, aber die Namen könnten als Synonym für Menschen herhalten, die uns ständig durch ihr Verhalten auffallen, so wie Unglücksraben und dumme Gänse.
Machen wir uns also über Menschen lustig und nicht über Vögel. Amüsieren wir uns ein wenig auf Kosten von Zeitgenossen, die sich - wie ich zum Beispiel - ständig außerhalb der gesellschaftlich üblichen Verhaltensweisen bewegen und die nichts verstehen und nicht verstanden werden. Lachen wir Tagträumer und ADSler doch einmal über uns selber, vor allem, wenn wir unter uns sind.
You may say that I’m a dreamer,
But I’m not the only one
(aus dem Lied ‘imagine’ von John Lennon)
Zuerst lachen wir am besten über andere, nein, am besten lachen wir natürlich hinterher über uns, denn wer zuletzt lacht, lacht am besten. Ich bezweifle nämlich, dass die, die von der Gesellschaft nicht für Tagträumer gehalten werden, wirklich die größeren Realisten sind.
Lachen wir also zuerst über die Wissenschaftler. Würde ein Soziologe oder ein Psychologe einen Artikel wie diesen hier schreiben, machte er sich zuerst ein Konzept und suchte dann nach Beweisen für seine Thesen, die er zu bringen gedächte. Hierzu bräuchte er Quellen, die er im Anhang aufführen müsste. Solche Quellen bestehen aus Veröffentlichungen von anderen Wissenschaftlern, die bekannter sein müssen als der Autor selber, der dieses Buch schreiben wollte. Weil aber in den letzten Jahrzehnten eine Menge geschrieben worden ist, findet der Autor dieses Buches jede Menge Beweise für seine Thesen, die er gern bringen möchte. Er könnte aber auch genauso gut das Gegenteil beweisen, wenn er wollte, aber das will er ja nicht.
Solange also nicht zuerst die Quelle vorhanden ist und dann daraus getrunken wird, sondern immer dann, wenn jemand Durst hat, nach einer Quelle gesucht wird, ist es reiner Zufall, welche Quelle den Durst des Autoren löschen wird. Das sagt nichts über die Qualität der Quelle aus.
Meine Quelle bin ich selber. Ich habe meine Erfahrungen, und hieraus „trinke“ ich. Es mag sein, dass andere andere Erfahrungen gemacht haben, und deshalb werde ich mich unterstehen, auch nur die geringste Behauptung als absolute Wahrheit dar zu stellen. Außerdem geht es hier um den Unterhaltungswert meines Artikels und überhaupt nicht um den Beweis der Berechtigung meiner Darlegungen.
Die erfolgreichsten Wissenschaftler haben oft am Beginn ihrer Forschungen Visionen, und Visionen sind Träume und Phantastereien. Sie würden gern unbedingt irgendein Ziel erreichen, was noch niemand vor ihnen erreicht hat. Sie würden gern irgendein Problem lösen, was der Menschheit entscheidend weiter helfen kann. Sie haben Angst vor Fremdem und würden gern erreichen, dass auch der Rest der Astrophysiker daran glaubt, dass es kein außerirdisches Leben geben kann, weil unsere Erde schließlich in einer einmalig günstigen Konstellation zu Sonne und Mond steht. Und plötzlich tanzen die kleinen grünen Männchen vor uns herum und es tauchen Wissenschaftler auf, die schon vor Jahren bewiesen haben, dass es kleine grüne Männchen geben muss.
Visionen hatte auch Christoph Columbus, als er den Seeweg nach Indien suchte. Ich möchte nicht wissen, wie viele potentielle Entdecker nach irgend etwas gesucht haben und dabei jämmerlich umgekommen sind. Der Erfolg ist also das Kriterium. Er gibt also nachträglich Recht und macht aus Träumern Realisten. Sind wir alle so lange Tagträumer, bis sich ergeben hat, dass aus Tagträumen Realitäten geworden sind?
Ich will diesen Artikel nicht belegen, belegen und noch mal belegen. So nach dem Motto: Mich könnt ihr ja ruhig für einen fabulierenden Laien halten, für einen Spinner, der nicht weiß, was er da schreibt, aber der, der und der hat dieselbe Meinung wie ich zu diesem Thema. Und der, der und der oder die, die und die sind anerkannte Wissenschaftler, die schon dutzende von anerkannten Veröffentlichungen vorlegen konnten. Denen werdet ihr doch wohl glauben. Hinter vorgehaltener Hand: immer in der Hoffnung, dass meine Träume durch die Träume anderer aufwertbar sind, die mehr akzeptiert werden als ich selber.
Ich möchte schreiben dürfen, dass fast alle ernst zu nehmenden Menschen Tagträumer sind, denn mit einem Zeitgenossen, der sich rein auf bewiesene Fakten bezieht, möchte ich nicht mehr als nötig zu tun haben. Diese Aussage beruft sich auf ein Gefühl, dass sich aus meinen Lebenserfahrungen ergeben hat. Ich möchte dieses Gefühl nicht wissenschaftlich untermauern, indem ich hier anführe, wie viel Prozent meiner Begegnungen mich zu diesem Schluss kommen ließen oder welche Autoritäten zum gleichen Schluss gekommen sind wie ich.
Außerdem wäre eine solche Statistik mit Sicherheit gelogen.
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Varianten der Tagträumereien ergeben sich aus den Geschichten selber, die ich erzählen will.