"Zyniker: ein Mensch, der die Dinge so sieht, wie sie sind, und nicht, wie sie sein sollten."
Ambrose Bierce

Für jeden Quark gibt es ein passendes Zitat.

Mal was widersprüchliches von dem Wilde(n) Oscar?

"Ein Zyniker ist ein Mensch, der von jedem Ding den Preis und von keinem den Wert kennt."

und oh Wunder:

"Zynismus: ein Ding zu betrachten, wie es wirklich ist, und nicht, wie es sein sollte."


Es ist doch wirklich traurig, dass die persönlichen Befindlichkeiten in PN immer die Oberhand gewinnen.
Um was geht es hier eigentlich noch? Um ein Ziel oder um persönliche Wahrnehmung.
Es fing als sehr interessante und auch widersprüchliche Diskussion an und verendete in Niggelichkeit. Sehr schade.


»Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen.« Das soll Marie Antoinette gesagt haben.
Das wäre für mich Zynismus pur.

In der dortigen Diskussion aber anzufangen, einzelne Platiner in Schubladen zu stecken oder über einen Kamm zu scheren, zeigt mir, dass wieder etwas aus dem Ruder läuft.
Wir kennen von einzelnen Platinern immer nur Momentaufnahmen bzw. lesen Kommentare zu bestimmten Themen. Dabei geht es doch schon los, mit der Einteilung in sympathisch und unsympathisch.

Wer dann noch ein Defizit für Nuancen hat, der wird es schwer haben, objektiv bzw. diskussionsoffen zu bleiben.

Ratz fatz gibt es pro und kontra und es endet in der traurigen Tatsache, dass der, der nicht sofort meiner Meinung ist, selbstverständlich mein Feind sein muss.
Ist es nicht traurig, Menschen nach einem Minimum an Information charakterisieren zu wollen? Warum soll ein Mensch, der hier auf Grund eines "anderen" Humors beissende Kommentare schreibt, nicht auch eine weiche, verletzliche oder gar sympathische Seite haben?
Es klingt doch so viel zärtlicher und angenehmer, wenn ich jemanden als Bildungsallergiker bezeichne, statt ihn einen Vollidioten zu nennen,  oder?

Hier in PN und im Leben wird ständig ausgeteilt, Lob, Spott, Häme und Ironie.
So lange dabei kein  Mensch gedemütigt wird, sollte das nicht weiter interessieren. Wenn da nicht die persönlichen Befindlichkeiten wären und der Hang, etwas missverstehen zu wollen.

Wer sind wir, dass wir uns anmaßen, den Stab zu brechen? Aber wenn wir es tun, dann sollte man verdammt noch mal so fair bleiben und dem anderen zugestehen, ebenfalls die Wahl der Waffen zu haben.
Hier ist doch alles versammelt, die Weltverbesserer, denen ich gönne, dass sie nicht ständig enttäuscht werden. Oder den Zyniker und den Sarkasten, der hoffentlich oder sicherlich auch Grund zur Freude findet.

In einem Leben, dass ich von jemandem persönlich nicht kenne und daher auch nicht bewerten möchte. Aber hier geht es im Prinzip auch nicht unbedingt um den Weltfrieden, hier geht es um Manifestation. Der Feind muss einfach erkennbar sein.

Schon mal dabei in den Spiegel gesehen? Klar wäre es schön, wenn wir in einer fairen Welt leben würden, lieber Geld für Arbeit, Bildung und Nahrung bereitstellen würden, statt den nächsten Panzer oder das nächste Kriegsschiff zu taufen.
Wobei, hat es jemand schon mal als zynisch empfunden, dass Kanonen gesegnet werden?

Was war mit Till Eulenspiegel? Der Spott und Hohn über seine Zeitgenossen ausgegossen hat? Die von ihm Bloßgestellten sahen in ihm sicherlich nicht unbedingt den Narren.
Despoten, die sich hinter ihrer Macht verstecken, sind oft zynisch, und das können sie sich auch leisten, zumindest solange, bis das Volk aufbegehrt und mit Blut und Leben für den Wechsel zahlt.

Wie jetzt in Ägypten, die so tolle Arabellion in Afrika. Da werden Menschen getötet, bei dem Versuch einen Despoten loszuwerden. Aufgeputscht durch scheinheilige Unterstützung aus dem Westen und an die Regierung kommen die Generäle, die schon dem Despoten zugedient haben. Wäre es also zynisch zu sagen, dass sich im Prinzip nichts geändert hat?

Oder darf man da nicht zynisch werden? Ich kenne keine Revolution, die letztendlich wirklich Freiheit, Frieden und Brüderlichkeit gebracht hat. Die französische Revolution hat ihre Kinder auch gefressen, und nicht in sondern auch deren Freiheit.

Ist es zynisch festzustellen, dass die Sklaverei noch nie beendet wurde? Dass es Parallelen zur modernen Zeit gibt? Immerhin sind die ALG-II Bezieher frei, oder doch nicht? Oder verwechsel ich das jetzt mit dem Arbeitnehmer, der sich den Rücken kaputt schuftet, während sich bestimmte Kasten dieser Gesellschaft eine Rente zusichern, die kein normaler Mensch mit 1oo Jahren Arbeit erwirtschaften könnte?


Wie sagte doch Volker Pispers, "Der Ackermann, der lebt nicht über seine Verhältnisse. Der hat das versucht, das geht gar nicht! Der Ackermann, der lebt über unsere Verhältnisse." Klingt doch etwas zynisch, oder? Aber ist irgendwie auch wahr. Na was denn jetzt?

"Die Wahlen sind frei, kostenlos, manche sagen sogar, sie sind umsonst." Volker Pispers

Ach ja, ist es zynisch zu behaupten, dass die Sklaven wenigstens versorgt waren und ein Dach über dem Kopf hatten? Das sollte man den Menschen fragen, der arbeiten will und den unsere Gesellschaft als Sozialschmarotzer hinstellt.

Zynismus, der die Welt gefährdet, der geht von Herrschenden aus, von den sogenannten Schreibtischtätern, die selber nie dort gesteckt haben, wo sie andere Menschen hinschicken.

Die paar zynischen Sprüche, die hier in PN abgesondert werden, sind doch lächerlich. Satire, darf die nur von Satirikern kommen oder Kabarettisten?
Sarkasmus und Spott nur von "besonderen" Menschen mit einer abgeschlossenen Spezialausbildung?

Im Zusammenhang zu lesen, zwischen die Zeilen zu blicken und zu erkennen, dass die Wirklichkeit viel grausamer und "bescheidener" ist, als unsere schlimmste Befürchtung macht das uns oder den einzelnen Menschen zum Zyniker?
Oder zum Realisten? Oder gibt es dem einen oder anderen nicht eher ein Mittel in die Hand, um den alltäglichen Wahnsinn letztendlich zu überleben?
Wer wäre ich, dass ich einem Zyniker absprechen wollte, Liebe empfinden zu können? Oder einem Träumer nicht auch Hass und Fanatismus zuzusprechen?
Dieses ständige Schwarz-Weiß ist so langweilig und desillusionierend.

Vor allem, warum soll oder kann man einem Menschen seine Erfahrungen und Eindrücke absprechen wollen? Was habe ich davon, als Optimist, einem Pessimisten seine Befindlichkeiten abreden zu wollen? Oder umgekehrt?
Unsere Welt ist kein Taka-Tuka-Land und wir können meist nur reagieren, zum Agieren fehlt es uns an Macht.

Wir können uns ein X für ein U vormachen lassen oder wir können uns die Nische heraussuchen, die uns die maximale Lebensqualität bietet, die wir vertragen können.

Geld allein macht bekanntlich nicht glücklich, aber es schadet auch nicht, immer etwas davon zu haben.
Das ist einfach etwas aus dem berühmten Zyklus "Mit 80 Floskeln um die Welt." meine Lebenshilfe für "Durchgeknallte". Denn wer "normal" ist, der wird hier und wo sonst auch immer einfach untergehen. Entweder als Mitläufer oder als Überrannter.
Mag sein, dass man nicht über jeden Witz lachen kann, entweder weil man nicht gut drauf ist, ihn eh schon kennt oder einfach keinen Sinn für "Humor" hat. Aber vielleicht ist dieser humorlose Mensch (das ist keine Anspielung) ja doch ein Scherzbold und ich verstehe seinen Humor nur nicht?
Ich hatte heute einen sehr unterhaltsamen Abend. Ich war zum Ausbilder Schmidt eingeladen und habe mich dort köstlich über ihn amüsiert.
Er hat folgenden Spruch gebracht: "Wenn ich einen Menschen treffen möchte, der mich mag, schaue ich in den Spiegel."

Nun könnte man darüber trefflich streiten, ob das zynisch, sarkastisch oder ironisch ist. Ich fand es zum Lachen. Wie so vieles hier im Platinnetz.
Doch darüber irgendwann mehr, nur nicht heute. So ein Polarisierer wie ich, muss sich erst mal den angenehmen Dingen im Leben widmen. Man glaubt es kaum.
 

Übrigens, ich bin der Meinung, dass Wahrheiten meist sehr weh tun und man dem einen oder anderen eher mit einem zynischen Spruch oder beissendem Sarkasmus begreiflich machen kann, dass etwas verändert werden muss. Ungeschminkte Wahrheiten brennen sich ein, vor allem wenn sie einem in einer Form an den Kopf knallen, die man sich merkt. Und nur darum geht es mir. 

Nicht um menschenverachtende Nazis und deren Ideologie. Die fanden Wagners Musik auch ganz toll. Sind deshalb die Festspiele in Bayreuth abgesagt?

"Keine Literatur kann in puncto Zynismus das wirkliche Leben übertreffen."
Anton Tschechow

und der war nun nachweislich kein Zyniker.

© Paul Archie, Januar 2012