Freitagabend 19.30 Uhr. Über dem Stammtisch im Grünen Baum waberten schon dicke Rauchschwaden. Viel gesprochen wurde im Moment nicht, denn die Kellnerin mit dem tiefen Ausschnitt und viel Holz vor der Hüttn hatte gerade den Kalbsnierenbraten mit Rotkraut und Knödeln serviert. Alle schaufelten mehr oder weniger zivilisiert große Portionen in sich rein. Nur der Wasserkarl, der „schnäkte“ nur.
Wasserkarl hieß er, weil in seinem Dorf, wo fast jeder mit jedem, zumindest „um Ecken herum“ verwandt war, es drei Männer gleichen Namens gab. Er arbeite bei der „Gemeinde“, sprich: er las unter anderem jährlich die Wasser- und Gasuhren ab, sein Vetter, der Radiokarl, besaß ein Elektrogeschäft und da gab es noch den dritten Karl Schwalb, aber der war Pfarrer und den nannte man nur: Hochwürden oder den Herrn Pfarrer.
Aber zurück zum Wasserkarl. Sein geringer Appetit fiel auf. „Snnn los“ fragte ihn mit vollem Mund sein bester Spezl, der Tortenschorsch, der war von Beruf, sicher: Konditor. Tortenschorsch hörte seinen Spitznamen allerdings nur ungerne, besonders seit es im Fernsehen die Serie die Schlümpfe gab, und manche ihn hinter seinem Rücken Tortenschlumpf hänselten.
Nix“ grummelte Wasserkarl. „Und warum schnäkste nachher so am Essen rum?“ „Zwecks de Babett“. Barbara, von den Älteren im Dorf Babett genannt, von ihrer Clique allerdings Babsi gerufen, war Wasserkarls hübsche blonde 16jährige Tochter. „Ja und was?“ Seufzend legte Wasserkarl sein Besteck weg: „Sie hott Abschlußball hobt“. „Jaaaaaa was', weiter?“
Wasserkarl nahm einen tiefen Schluck aus seiner Maß und dann sprudelte es nur so aus ihm heraus: seine Tochter, die er hütete wie einen Augapfel, hatte ein „Gespusi“ mit ihrem Tanzstundenpartner.
Das hatte Karl auch nur durch ein zufällig belauschtes Telefonat erfahren, seine Ehefrau, dieses hinterlistige Weibsbild hatte das die ganze Zeit gewusst, ja sie hatte den Verehrer sogar schon öfter, wenn Karl beim Stammtisch war, bewirtet, sie sprach mit Engelszungen auf ihn ein, das wäre doch nur ein unschuldiger Jugendflirt, der Junge sei wirklich ein ganz netter, wohlerzogener, käme aus guten Hause und ginge ja aufs Gymnasium und seine Tochter sei eben kein Baby mehr, er müsse sich damit abfinden, dass sie eines Tages erwachsen würde, ja auch sein Jüngster kannte den Verehrer seiner Tochter persönlich schon und fand ihn voll coool. usw. Und zum Abschlußball, da könne die Babsi ja wohl schlecht alleine hingehen.
Das beruhigte Karl ein wenig, aber am besagten Abend war er wie ein Tiger im Käfig auf und abgelaufen, denn der junge Mann, den er vorher noch nie gesehen hatte, würde seine Tochter abholen. Da stand sie nun: in einem Abendkleid, das für seinen Geschmack viel zu viel Babett zeigte, geschminkt und die Haare nicht zum Pferdeschwanz gebunden, sondern hochgesteckt. Viel zu aufgetakelt, fand Karl.
Ein Auto fuhr an: ein dicker Benz, gut, Hungerleider sind seine Eltern schon mal nicht, ging es Karl durch den Kopf, es klingelt und Karl öffnet die Türe.
Seit der Zeit leidet Karl an Magenverstimmung.
Tortenschlumpf, Entschuldigung Tortenschorsch schaut Karl fragend an:
„Ja was war denn dann an dem Bub so schlimm?“ „Bei denen hotts in der Küche gebrannt!“
Ach du meine Güte! Also ein dunkelhäutiger!! Junge war der Tanzgalan von Babett! Und seine Frau hatte das gewußt und auch noch gutgeheißen! Dass das dem Wasserkarl die Freude an dem Nierenbraten verdorben hatte, das konnte Schorschl aus ganzem Herzen nachvollziehen. „Resi!: bring den Enzian, dem Karl is net guat“.
