Es passiert eine Menge, wenn man sich selbst hinterfragt und nicht nur seine Verhaltensmuster, nein, auch seine Beziehungsmuster.

 

Und vor dem Ergebnis dieses hinterfragen...........

 

stehe ich meistens nur fassungslos.

 

Die ganzen Jahre über, immer die selben Beziehungsmuster. Die Männer mögen äußerlich total unterschiedlich gewesen sein, eins hatte sie wohl alle gemeinsam, es waren Männer mit mehr oder weniger ausgeprägten narzisstischen Persönlichkeitsstörungen. Ich brauche mir nur meine 20-jährige Ehe mit einem Alkoholiker anzusehen, von der ich einfach nicht lassen wollte und aus der ich mich nur gelöst habe mit Hilfe eines anderen, meiner letzten langjährigen Beziehung.

 

Wäre ich damals schon in eine Klinik gekommen, wie diese, in der ich grade war, vieles in meinem Leben seitdem hätte anders verlaufen können.

 

Ja wäre, hätte, wenn. Ich weiß liebe M.B., das war gestern und vor mir liegt die Zukunft, doch ohne zurückzuschauen kann man nicht reflektieren, kann man nicht hinterfragen.

 

Ich reflektiere hier meine letzte Beziehung. Kennengelernt im Internet, real getroffen. Die Bereitschaft sich zu verlieben, die Bereitschaft sich auf etwas neues einzulassen, ist stark ausgeprägt,

 

denn........

 

 

ich will mich aus der alten Beziehung lösen und lösen kann ich mich nur, wenn es etwas Neues gibt. Also einen neuen Mann an meiner Seite. Das war mein Denkmuster. „Ohne Mann an ihrer Seite ist Frau eben nicht Frau“. Wie gesagt, alte Denkweise – altes Verhalten.

 

Und da lerne ich diesen Mann kennen, seine Wirkung auf mich ist enorm. Ich frage nicht viel, frage nicht nach Familie, glaube herauszuhören, er sei geschieden, er spricht immer nur in der Ich-Form. Ich war mit meinem Wohnmobil unterwegs, ich mache in meiner Freizeit das und das, ich....

 

In den 3 Wochen meine Urlaubs treffen wir uns genau 3 Mal, ansonsten jede Menge SMS und Telefonate und nach dem 3 Treffen gehe ich in die Offensive. Ich mache ihm per SMS ein eindeutiges Angebot. Welcher Mann kann da schon widerstehen? Also er nicht, auch wenn er erst mal so tut. Er hat grade erste eine gescheiterte Beziehung hinter sich, habe sich daraus noch nicht gelöst, sei noch nicht bereit und und und.

 

Und....

 

im Endeffekt will er natürlich auch. Es macht „Mann“ nur interessanter wenn er nicht sofort darauf eingeht (umgekehrt natürlich Frau auch).

 

Dann ist es so weit, der letzte Urlaubstag, das letzte Treffen. Wir sind am Bahnhof verabredet. Er kommt mit seinem Roller, ich soll mit dem Auto hinter ihm herfahren. Wir erreichen ein Appartementhaus in Fürth, hier wohnt er (angeblich). Zumindest stehen Name an Tür, und Klingelschild. Sein Name, das zumindest stimmt. (Später stellt sich heraus, dies ist eine Zweitwohnung). Der Mann hat eine enorme erotische Anziehung auf mich, der Sex an diesem Nachmittag ist super. Wir trennen uns, er trifft sich mit seinem Sohn und der neuen Schwiegertochter, so sagt er.

 

Am nächsten Tag ist Heimreise angesagt. Unterwegs mehre SMS von ihm. Wie toll er es mit mir fand. Wie traurig er ist, dass ich jetzt abgereist bin, wie schade, dass es keine Wiederholung gibt. Auch SMS mit sehr erotischem Inhalt, die mir Lust nach mehr machen.

 

Zu Hause angekommen erwartet mich der Alltag. Trinkender Mann, Probleme mit dem jüngsten Sohn, Stress auf der Arbeit. Eben Alltag und dazwischen immer wieder SMS, Telefonate und Chats mit diesem Mann. Ich will ihn wieder sehen. Er windet sich, die Entfernung und seine Zeit und um seine kranke Mutter muss er sich kümmern …....und und.

Und dann, also erst mal fährt er ja jetzt mit dem Wohnmobil nach Spanien und dann hat er einige Tagungen als Stadtrat und auch einige Termine, aber dann im November, da könne er sich eine Woche frei nehmen. Begeistert springe ich darauf an. Eine Woche raus aus dem Beziehungsstress zu Hause. Ja, von meiner Seite aus kein Problem. Andern Tags nehme ich Urlaub für die Woche im November, bespreche mit meiner Tochter, wie es zu Hause weitergeht. In der Zeit sind Schulferien, sie fährt zu ihrem Freund und sie nimmt ihren Bruder mit und auch die Hunde. Alles kein Problem.

Die Zeit bis November wird mir lang, angeheizt durch eindeutige Chats und zweideutige SMS.

 

Endlich. Morgens um 5 fahre ich los. Die Autobahn ist frei, ich gebe Gas. Zwischendurch immer wieder SMS. Wann bin ich endlich da. Die Wegbeschreibung zu dem Appartement hat er mir per E-Mail geschickt.

 

Da die Abfahrt Nürnberg/Fürth. Ich halte mich an die Wegbeschreibung, verfahre mich trotzdem weil ich mal wieder rechts mit links verwechsle, finde dann den Weg wieder und bin endlich da.

Er hat Kaffee gekocht, der Kaffee wird kalt. Wir fallen übereinander her. Ich bin ausgehungert nach Zärtlichkeit, nach dem Gefühl Haut auf Haut und alles das gibt er mir. Auch nach dem Sex. Stundenlanges gegenseitiges Streicheln. Ach, hat er das vermisst, flüstert er. Ja, ich auch, schon seit langem. Ausgehungert bin ich nach dieser Zweisamkeit. Und dann.... ja dann kommt der Hammer. Du, ich muss dir noch etwas sagen. Du hast ja nie gefragt. Aber ich bin verheiratet. Schock. Ungläubig schaue ich ihn an. Meine Ehe besteht schon lange nur auf dem Papier, meine Frau macht sich nichts aus Sex, hat sich nie etwas daraus gemacht und ich bin schließlich ein Mann. Ich sauge diese Worte auf. Suche Entschuldigungen für mich, diese Beziehung weiter zu führen. Will sie. Will das, was dieser Mann mir zu geben hat. Will das, was ich nie gekannt habe und lasse mich darauf ein, obwohl ich mir einmal geschworen hatte. NIEMALS eine Beziehung mit einem verheirateten Mann. Ich glaube ihm alles was er sagt, weil ich es so sehen und so glauben will, obwohl ich weiß, dass die Ausrede, mit meiner Frau läuft schon lange nichts mehr, so alt ist, wie es Beziehungen gibt und meistens gelogen ist. Weiß von einer Freundin, deren Geliebter das auch immer zu ihr gesagt hat und die dann ihn mit hochschwangerer Frau Hand in Hand in der Stadt sieht. Die uralte Lüge, immer wieder geglaubt, weil man sie glauben will. Denn glaubt man sie nicht, dann steht diese an sich so fragwürdige Beziehung schon vor dem Aus.

 

Abends fährt er nach Hause. Ich weiß jetzt, dies hier ist eine Zweitwohnung die er sich von seinem Einkommen als Stadtrat gekauft hat, von der seine Frau nichts weiß. Gekauft, als er eine andere Freundin hatte, mit der er 8 Jahre zusammen war. Diese Beziehung ist vorbei. Sagt er. Sie hat Schluss gemacht. Sagt er. Er hat unendlich darunter gelitten. Sagt er. Und ich glaube ihm alles. Ich genieße die Tage mit ihm. Außer Sex zeigt er mir auch vieles in der Umgebung. Es ist wunderbar, es ist traumhaft. Dieser Mann ist das wovon Frau nur träumen kann. Ich bin ihm verfallen mit Haut und Haaren. Der Abschied kommt. Wir weinen beide. Ich fahre unter Tränen. Unterwegs wieder eine SMS nach der anderen und dass er mich liebt, so wie er nie eine Frau vorher geliebt hat. Das er sich nicht hat vorstellen können, eine Frau wie mich jemals kennen zu lernen. Nicht Bauknecht aber ER weiß was Frauen wünschen. Was Frauen hören wollen. Er ist Pianist in dieser Beziehung. und er spielt virituos. Wir haben verabredet, dass ich mindestens einmal im Monat zu ihm fahre. Einmal im Monat Genuss, Lebensfreude, Gier, Zärtlichkeit und Zuhause wartet der triste Alltag.

 

Ich funktioniere, wartend auf den nächsten Monat, wartend darauf, zu ihm zu fahren. Mehr sehe ich nicht mehr, mehr will ich nicht mehr.

 

Ich habe es endlich geschafft meinen Mann aus der Wohnung zu bekommen. Bin jetzt alleine mit den Kindern. Uns könnte es gut gehen, wenn der Terror nicht wäre, der uns alle fertig macht. Der betrunken Mann, der ständig vor der Türe steht und klingelt. Die schiefen Blicke der Nachbarn. Der Sohn, der darunter leidet, wenn er den Vater mit anderen trinkend im Park sitzen sieht, durch den er geht, wenn er von der Schule nach Hause kommt.

 

Dann endlich Dezember. Ich fahre über das Wochenende nach Nürnberg. Wieder ein wunderbares Wochenende mit einem wunderbaren Mann. Wieder Trennung, wieder Tränen, wieder Liebesschwüre. Ich beschließe, so kann das nicht weiter gehen. Doch im Januar fahre ich wieder hin. Zwischenzeitlich ist seine Mutter gestorben. Nach der Beerdigung in Bayreuth, dort ist auch sein Vater begraben und lebt sein Bruder mit Familie, sitzt er auf der Autobahn fest, nachdem es dort einen schweren Unfall gegeben hatte. Es schneit, er sitzt mit seiner Frau stundenlang eingesperrt im Auto und hat eine Panikattacke. Er traut sich nicht mehr, das Haus zu verlassen, hat Angst vor allem, ist krankgeschrieben. Ich hole ihn von seinem Zuhause ab, wir fahren in die andere Wohnung. Trotz allen Umständen, wird das Wochenende wieder schön. Ich beschließe nach Nürnberg zu ziehen. Er ist glücklich über diesen Entschluss, gibt es uns doch die Möglichkeit mehr Zeit miteinander zu verbringen. Er fährt in Therapie nach Prien. Ich besuche ihn am Wochenende dort. Suche zwischenzeitlich eine Wohnung in Nürnberg, kündige meinen Job. Meine Kinder sind mit dem Wechsel einverstanden, sind doch auch sie von der Situation zu Hause mehr als gestresst.

Meine Tochter beschließt, nicht mit mir nach Nürnberg zu ziehen, sondern zu ihrem Freund nach Ludwigshafen und dort ihre Ausbildung weiter zu machen. Es ist August, der Möbelwagen steht vor der Tür. Wir packen. Erst meine Sachen, vorne die Sachen meiner Tochter. Ludwigshafen liegt ungefähr auf halbem Wege, dort laden wir ihre Sachen aus. Ich fahre weiter.

 

Angekommen am neuen Wohnort wartet er schon, hilft mit einräumen, freut sich ganz offensichtlich, dass ich jetzt in seiner Nähe bin. Noch habe ich Urlaub. Den ganzen September. In der Zeit sehen wir uns täglich. Ich suche Arbeit und finde zu Anfang Oktober auch eine. Er ist immer noch krankgeschrieben. Wird wohl nicht mehr in seinen Job als Justizvollzugsbeamter zurückgehen können. Er hat also viel Zeit für mich und wir genießen diese Zeit. Ich kann nicht genug von ihm bekommen. Trotzdem immer der Wermutstropfen. Seine Ehe. Nein, versichert er mir, da läuft nichts mehr. Ich kann nicht mit zwei Frauen zusammen sein. Wenn ich liebe, dann liebe ich richtig und ich liebe dich. Nein, ich trenne mich nicht von meiner Frau, weil ich dann alles verlieren würde, was ich mir aufgebaut habe. Und ich glaube ihm, will ihm glauben, weiß trotzdem, das stimmt nicht, will die Wahrheit nicht sehen. Immer wieder versuche ich aus dieser Beziehung raus zukommen. Merke, sie tut mir nicht gut. Ich bin oft depressiv. Schaffe es nicht. Beschließe jemand anderen zu suchen, damit ich dann au dieser Beziehung raus komme. Er kommt dahinter, macht Schluss mit mir – bis mittags – da steht er vorm Tor der Firma, will mit mir reden, wir gehen Kaffee trinken. Nein, er liebt mich zu sehr, er verzeiht mir, er kann sich nicht von mir trennen, hat Tränen in den Augen. Und so geht es weiter. Im Jeden Sommer fährt er mit seiner Frau in Urlaub, jeden Sommer leide ich. Nein, mit seine Frau läuft das nichts, ich glaube ihm, weil ich es will. Und ich leide. Werde immer depressiver. Und dann kommen wieder solche Sachen wie – ich komme nach Hause, finde einen Klebezettel an der Türe, schau im Zimmer deines Sohnes nach. Dort finde ich einen Zettel, schau in der Küche am Kühlschrank, schau im Bad am Spiegel, schau im Wohnzimmer, schau in deinem Schlafzimmer und dort steht dann auf meinem Schreibtisch ein Strauß Blumen und ein Zettel. Ich liebe Dich. Und ich kann nicht anders, ich glaube ihm und ich liebe ihn. Und ich sehe nicht, dass seine Therapie, mittlerweile war er ein zweites Mal, nichts bei ihm bewirkt. Woher soll ich auch wissen, dass man sich in einer Psychotherapie verändert. Ich kenne und kannte niemanden, der eine gemacht hat. Wir machen gemeinsame Urlaube, nicht so lange, wie die mit seiner Frau. So lange kann er nie weg von zu Hause. Trotzdem sind diese Urlaube ein Traum.

 

Ich mache einen großen Fehler, ich nehme Rücksicht auf seine Eifersucht, suche mir am neuen Wohnort keinen Bekannten-, keinen Freundeskreis. Lebe nur für ihn und das Zusammensein mit ihm, obwohl mich diese Eifersucht auch stört, lasse ich mir von ihm einreden, dies sei nur ein Zeichen seiner großen Liebe zu mir.

 

Fast 9 Jahre sind wir zusammen. Dezember vor Weihnachten sagt er mir, dass nach unserer Reise nach Paris Schluss sein wird, er kann nicht mehr. Es macht ihn nervlich fertig. Dieses hin und her zwischen seiner Frau und mir. Ich weine, ich drohe ….wenn ich dich nicht haben kann, soll dich auch keine andere haben. Ich kläre deine Frau über mich und deine Vergangenheit mit all den anderen Frauen auf. Er bleibt. Wir verleben eine traumhafte Zeit inParis, Karneval fahren wir nach Köln. Es ist alles wie immer. Er versichert mir, wie sehr er mich liebt. Und dann kommt das Ende.

 

Mittags treffen wir uns in meiner Mittagspause wie schon so oft, gehen Kaffee trinken, er verabschiedet sich, fragt mich, liebst du mich. Ich antworte – ja. Wir sehen uns heute Abend.

 

Nach Feierabend nach Hause. Zu Hause erwartet mich ein Brief und mein Hausschlüssel. Er schreibt. Er hält es nicht mehr aus. Er ist nervlich am Ende. Er geht jetzt mit dem Wohnmobil für eine Weile ins Ausland. Er wird das Handy abstellen, ich solle mich nicht mit seiner Frau in Verbindung setzen, diese sei selbstmordgefährdet und er sei froh, dass sie sich im Moment wieder beruhigt habe. Er liebt mich immer noch.

 

Ich stehe da wie versteinert. Versuche trotzdem ihn anzurufen, bekomme irgendwann eine SMS er sei jetzt in Frankreich. Er liebe mich. Ich bin wie erstarrt. Ich will weinen, ich kann es nicht.

Am nächsten Tag gehe ich zur Arbeit, lasse mich Mittags nach Hause schicken, ich sei krank. Gehe zum Arzt, lasse mich krankschreiben. Und......... ja, heute schäme ich mich dafür........ich setze mich mit seiner Frau in Verbindung. Wir treffen uns und ich erhalte den nächsten Schlag ins Gesicht. Nein, ihr Mann sei nicht im Ausland, er sei am Wochenende nach Bayreuth gezogen, er habe seit einem Jahr eine Freundin dort. Sie habe dies über den Mann diese Freundin erfahren, letzten Sommer schon. Habe versucht ihre Ehe zu retten. Doch es sei angeblich seine große Liebe und sie habe ihm ein Ultimatum gestellt und jetzt sei er weg. Wir unterhalten uns über alles. Sie stellt mir Fragen über Frauen, bei denen sie einen Verdacht hatte, ich bestätigte ihr den Verdacht. Sie ist aufgelöst, kann es nicht glauben, dass er sie über Jahrzehnte hinweg betrogen hat. Sie gelten in Familie und Bekanntenkreis als glückliches Ehepaar. Sie überredet mich, zu ihr zu kommen, ruft ihn an und macht einen Gesprächstermin mit ihm aus, ich solle zu diesem Zeitpunkt das sein und ich bin da …...... leider. Er betritt die Wohnung, er sieht mich, er wird kreideweiß. Die Auseinandersetzung, die folgt, möchte ich nicht beschreiben. Es ist furchtbar, furchtbar für alle Seiten. Ich weiß, es ist zu  Ende, ich will es nicht akzeptieren. Ich will meinem Leben ein Ende setzen. Der Versuch misslingt. Immer wieder Telefonate mit ihm, Chat mit ihm und auch Treffen. Ich falle in schwerste Depressionen, komme aus diesem Loch nicht mehr heraus.

 

Bis ich es 2 Jahre später endlich schaffe zum Arzt zu gehen und dann in Therapie.

 

Heute weiß ich, diese Beziehung war krank, war von Anfang an eine Beziehung zweier kranker Menschen. Heute würde ich solch eine Beziehung nie mehr eingehen. Heute weiß ich, ich muss mich selbst lieben und akzeptieren, denn nur dann bin ich fähig eine gesunde Beziehung zu leben.

Heute habe ich mir und ihm verziehen. Weiß, dass er immer noch krank ist und daher nicht beziehungsfähig. Ich selbst bin auf dem Wege der Genesung, ich muss noch viel daran arbeiten. Der Weg wird nicht leicht. Doch nach 14 Wochen Therapie und den Erfolg, den ich durch diese bis heute verzeichnen kann, weiß ich, es lohnt sich.

 

Text: Nika Nachtwind