Aber das wollen wir ja nicht. Wir meinen ja immer, da müsste wer weiß was stattfinden, da müsste man wer weiß was veranstalten.


Und wer das Zentrale unbedingt in so'n ganzen ideologischen Überbau aus "Richtiger Beziehung" einbetten will, der muss sich nicht beklagen, wenn eine Beziehung dann aufwändig und einschränkend wird.



Es wird ja niemandem verboten, eine "Beziehung light" zu leben!



Wir alle haben ja schon Beziehungen hinter uns und da hat mehr oder weniger vieles nicht geklappt. Aber je älter und erfahrener wir werden, desto verbissener suchen wir nach der Quadratur des Kreises. Eine Beziehung, die uns alle Vorzüge und Annehmlichkeiten bietet, die uns aber mit keinem Ballast belastet. Unsere Vorstellungen und Wünsche werden immer ausgefeilter und wir werden immer weniger bereit, auch nur 1mm davon abzurücken. Dabei kann das doch gar nicht die richtige Marschrichtung sein.


Also wenn wir von der Liste der Punkte, die eine Beziehung mit sich bringt, immer mehr streichen, weil wir sie nicht wollen... Wir meinen immer, je weniger Punkte von der Liste übrig bleiben, umso schwieriger würde es, aber eigentlich stimmt das doch gar nicht, eigentlich wird's doch immer einfacher. Welchem Trugschluss unterliegen wir denn da?


Das, was eine Beziehung an Negativitäten hat, das muss ja niemand mitmachen. Das müssen nur deshalb mitmachen, weil wir immer unbedingt eine Beziehung haben wollen, bei der dieser gamze Ballast mit dabei ist: "Beziehung total".


Wie Tegtmeier sagen würde: "Ich mein, ich weiß wat ich mein. Fällt mir getz nur'n bissken schwer zum erklär'n." Also versuche ich es mit einem Gleichnis:



Ich möchte aus dem Alphabet einer Beziehung... meinetwegen die Punkte C, H, L, P und X. Warum gehe ich dann nicht hin und lebe eine Beziehung, die genau diese Punkte bietet und mehr nicht? Warum suche ich dann eine Beziehung, die das komplette Alphabet bietet, und am besten noch das kyrillische und hebräische mit dazu... Das Problem mit zunehmendem Alter ist doch, dass mir immer klarer wird, dass ich nur C, H, L, P und X will und alles andere nicht. Und ich scheue mehr und mehr davor zurück, eine Beziehung einzugehen, weil ich Angst habe, dass ich mich dann auch wieder mit A, B, D, usw. bis Z herumschlagen muss. Wenn es mir darum geht, ab und zu mal ins Theater oder Essen zu gehen, warum muss ich denn dann allnächtlich jemanden neben mir liegen haben, der so schnarcht, dass ich die ganze Nacht kein Auge zumache oder der ständig vor der Glotze sitzt, so dass ich den Mülleimer sowieso immer selber raustragen muss?


Ich meine, der Spruch mag zwar doof sein, weil er gewöhnlich in einem etwas anderen Zusammenhang gebraucht wird: "Ich halte mir doch nicht gleich 'ne ganze Kuh, wenn ich ab und zu mal ein Glas Milch trinken will", aber es ist doch was wahres dran. Wir wollen mal ein Glas Milch trinken, meinen aber, uns dazu gleich eine ganze Kuh im Haus halten zu müssen. Und dann beklagen wir uns über den Dreck, den Geruch, die Arbeit usw., die das mit sich bringt. Die Lösung suchen wir darin, die Kühe immer akribischer auszuwählen in der Hoffnung eine zu finden, die nicht riecht, keinen Dreck macht, nicht das Parkett zertrampelt, nicht unsere Zimmerpflanzen auffrisst usw., dafür aber super Milch gibt, am besten gleich fettarm, laktosefrei und gut gekühlt.



Was reitet uns, von morgens 7:00 bis Mitternacht vor der Glotze zu sitzen, wenn wir eigentlich nur diese Comedyshow und jenen Spielfilm gucken wollen? Sind wir von Religion, Kultur, Traditionen, Gesellschaft usw. dermaßen gehirngewaschen, dass wir meinen, wir müssten uns unbedingt das volle Programm reinziehen, auch und vor allem das volle Programm "Beziehung"?