In unserer kaputten Beziehung - wir leben seit 3 Jahren getrennt - sind meine Ex und ich hochspezialisiert. Sie ist für die Streicheleinheiten da, die die Kinder brauchen, sie kocht das Essen und meckert über die nicht-aufgeräumten Zimmer und ich bin der Papa-Taxi-Chauffeur und arbeite bei "Zahlemann-und-Söhne". Meine Telefonnummer ist auf dem Handy meiner 12jährigen Tochter fest einprogrammiert. Die von meiner Ex nicht.
Das alles klappt hervorragend. Ein Augenaufschlag genügt und ich kaufe ein, wenn meine Ex keine Zeit hat und erledige, was ich (besser) kann. Großzügig vergesse ich, das ausgelegte Geld einzufordern.
Mit sowas haben wir keine Probleme.
So gut, so schön, aber weshalb sind wir kein Pärchen? Weil wir alle Punkte aussparen, die zu Konflikten führen könnten, und das sind eine ganze Menge. Wenn sie wieder gestresst ist und herum mault, wenn sie anfängt, wie wild zu putzen, halte ich die Klappe und lasse sie machen. Ich evakuiere die Kinder und nehme sie mit zu mir.
Warum klappt das Zusammenleben nicht? Vielleicht sind wir beide beziehungsunfähig?
Seit 3 Jahren leben wir nun getrennt, und weder sie noch ich haben einen anderen Partner. Das spräche dafür.
Manchmal stelle ich mir vor, ich käme in ihr (früher unser) Schlafzimmer und sie sähe mich wortlos bittend an. Dieser Blick, den ich kenne, weil ihre Hotmone ihr Recht fordern. Ich glaube, ich würde fliehen.
Da ist also nix mehr.
Neulich spielte ich Papa-Taxi. Meine Tochter und ihre Schulfreundin, zwei ziemliche Plappermäuler, unterhielten sich über Jungs. Meine Tochter hat Pubertäts-Pickel, und ich habe ihr in väterlicher Fürsorge eine Creme besorgt, die wirklich hilft. So meinte denn die andere, jetzt könne meine Tochter ja endlich ausprobieren, ob sie bei Johannes (wie kann man nur so heißen) Chancen habe. Da kam mir die Verbindung zwischen der altersbedingten Beziehungsunfähigkeit und den beginnenden Beziehungen der Geschlechter.
Leute, nicht nur das Verhalten von Männern und Frauen hat sich so entscheident verändert, sondern jedes Alter hat seine Eigenarten. Die Kids baggern genau wie wir, als wir winzig waren, aber wir Alten verhalten uns beziehungsfeindlich, weil wir so viele Erfahrungen haben.
Wir alle machen unsere Prägungen im Laufe des Lebens mit. Und wenn uns dann jemand über den Weg läuft, der völlig andere Erfahrungen gemacht hat, schütteln wir empört den Kopf und lehnen eine Beziehung zu (mit?) dem Mann, ggf. der Frau ab. Wir tippen uns innerlich gegen den Kopf.
Das innere Bild, das wir von uns uns unserem möglichen Partner haben, stimmt oft nicht mit den Realitäten überein. Ich sehe mich als Kraftfutter für alles, was weiblich ist, und manche korpulente Frau erblickt sich im Spiegel mit den Augen einer viel jüngeren Frau, die überhaupt nicht versteht, weshalb sie kein Mann mehr registriert.
Beziehungsunfähig kann ich nicht sein, wenn ich mit meiner Ex noch so weit auskomme, dass wir uns beide um die Kinder kümmern können, ohne uns ständig zu streiten. Aber wir haben anfangs völlig andere Vorstellungen von einer glücklichen Beziegung gehabt als sie - realistisch gesehen - möglich waren. Wir sind enttäuscht und haben aufgegeben. Jetzt ist der Zug abgefahren. Wir stecken so voller gegenseitiger Erfahrungen, dass wir kein vernünftiges Gespräch mehr zustande bringen.
Frage: wird es nicht zwangsläufig immer wieder so kommen, wenn man seine Verliebtheit am Anfang zum Maßstab macht und nicht den Verstand und die Menschenkenntnisse? Vermeidet man nur deshalb intensive Gespräche über die Erwartungen des anderen, weil wir Angst davor haben, ins Fettnäpfchen zu treten? Hindert uns diese Angst daran, jemanden zu finden, mit dem wir eine neue, glücklichere Beziehung aufbauen können?