Bin ich ein Dickhäuter?
Einer, der sich hinstellt und dem Leben die Zunge rausstreckt?
Wie Götz von Berlichingen zu bitten?

Was sagt die äußere Erscheinung über das Wesen aus?
Berechtigt ein „dickes Fell“ für ständige Sticheleien und Beleidigungen?
Schirmt der dicke Panzer wirklich ab?
Verhindert er tiefgehende Betrachtungsweise?


Dies ist kein Jammertext. Ich bin für mein Aussehen weitgehend verantwortlich.
Ich weiß, dass all die Leckereien, seitdem ich nicht mehr rauche, direkt anschlagen, mit vollem Erfolg. Dass mein Körper durch Krankheit und Medikamente zur rapiden Gewichtszunahme neigt.

Ich weiß, dass ich mich mehr bewegen muss.
Unbedingt.! Ideal wäre Aquagymnastik.
All dieses weiß ich genau. Ich habe einen medizinischen Beruf erlernt. Besitze Fachwissen über Organismus und Stoffwechsel.

Ich merke, dass ich aus meinem Winterschlaf erwache. Mit jedem Tag mehr, der nach Frühling schmeckt. Ich kann an diesen Tagen auf vieles verzichten. Mich auf meine Ziele konzentrieren.

Es ist ein langer Weg. Ich beschreite ihn Stück für Stück. Hinaus aus der Dunkelheit.
Dem Winter meines Lebens. Zurück in das Licht. In den Frühling meines Ich.

Ich gehe diesen Weg meiner Behinderung angepasst. Kehre immer wieder auf ihn zurück, auch wenn ich die Abzweigungen benutze.
Halte Ohren, Augen, Sinne geöffnet. Vergesse auf meinem Weg andere nicht.
Darauf bin ich stolz.

Ich habe mich in den letzen fünfundzwanzig Jahren äußerlich verändert. Mir ein „dickes“ Fell angeschafft.

Es hat mich nicht geschützt.

Ich bin verletzlich.

© Doris Sponheimer

Bildquelle Ulrich E.K.Schmidt-Pixelio