In Bloomfontein angekommen, ließ mich mein "Fahrer" raus um zu seiner Freundin zu fahren. Ja und ich hatte natürlich nichts Besseres zu tun, als die nächste Kneipe anzusteuern. Diese Public Bar gehörte natürlich auch zu einem Hotel, was aber absolut nicht mit den deutsch geführten Häusern in Süd-West zu vergleichen war.

Egal nach einem Blick auf meine restliche Barschaft, es waren noch ca. 15 Rand (damals ca. 75 DM) da, beschloss ich doch mal nach einem Job zu fragen. Und siehe da, der Barmann sagte mir, dass der Chef jemand für die Privat-Bar suchte. Also traf ich etwa 2 Stunden später den Chef und hatte ca. 10 Minuten später den Job. Ich konnte am nächsten Tag dort anfangen und dann auch im Hotel schlafen.

Aber wie sollte ich denn wo die Nacht verbringen??? Ich hatte inzwischen gerade noch 5 Rand in der Tasche, und das reichte nun mal nicht für ein Hotelzimmer. Draußen schneite es, ja wirklich kein Witz, wenn es auch nur Schneeregen war. Das war allerdings das einzige Mal, dass ich Schnee in Afrika zu sehen bekam. Aber es war dort schließlich Winter.

Also habe ich entdeckt, dass das Postamt noch offen war, und so wollte ich dort nächtigen. Aber nach etwa einer Stunde kam die Polizei und sorgte dafür das das Postamt von mir und anderen geräumt wurde. Ich fragte dann die Polizisten, ob sie nicht noch einen Schlafplatz in einer Zelle hätten. Die Antwort.....sorry, we are fully booked...(ausgebucht)
Immerhin sagten sie mir wo mein Bekannter aus Otjiwarongo sein Auto abgestellt hatte, weil ihnen dessen Nummernschild aufgefallen war. Und sie fuhren mich sogar dahin. Irgendwie habe ich ihn mit seiner Freundin dann doch noch erwischt, und ich durfte dann auf dem Boden neben deren Bett nächtigen.

Am nächsten Tag fing ich dann an dort zu arbeiten.
Was mir sofort auffiel, und das war nicht zu übersehen, war der Zustand dieses sog. Chefs. Ich glaube fast, dass ich ihn zu der Zeit in seinem Hotel niemals unter ca. 3 Promille angetroffen hatte.

Die Privat-Bar war recht nett eingerichtet, aber jede Menge alter deutscher Liköre und Schnäpse, alle so genannte Ladenhüter. Ich habe dann vom Chef die Erlaubnis bekommen, jeden Abend einen "today's special" anzubieten. Ich habe da die tollsten Creationen an Cocktails zusammen gemixt, natürlich mit noch tolleren Fantasienamen und alles mit diesen alten bzw. uralten Likören.

Nur Frauen waren dummerweise Mangelware in diesem Städtchen.
Mit etwas dunkleren Frauen habe ich mich dort nie eingelassen. Mitten im Japieland nee, zu heiß. Ach so ja, die *"Japies" waren die von uns in Süd-West sogenannten weißen Nachfolger der Buren, die sich selbst Afrikaaner nannten und auch eben afrikaans sprachen. Ich gebe zu, dass der Ausdruck Japie nicht unbedingt als Ehrentitel gedacht war, eher das Gegenteil. Chef und Chefin waren auch dieser Spezies zuzuordnen. Ihr Mann kam morgens so gegen 11 Uhr zu mir meistens noch mit 1 oder 2 sog. Freunden um sich mehrere dreistöckige Whiskeys hinter die Binde oder sonstwo hin zu gießen.

Ich habe mich dann vor lauter Verzweiflung mit einer (für mich damals)alten Frau (wahrscheinlich schon ungefähr 50)eingelassen. Das hätte ich wohl besser lassen sollen, denn eines Abends kam sie zu uns ins Hotel. Davor hatte ich ihr bereits "das Wort zum Sonntag" gesprochen, also Schluss gemacht. Sie hat dann bestimmt so 2 Stunden mit meiner Chefin gesprochen, und immer wenn ich mal ein wenig Zeit hatte, habe ich um die Ecke geschielt. Ich sah dann schon ein paar Tränen, und meine Chefin rief mich dann später nach Feierabend rein. Sie teilte mir mit, dass sie es nicht wünschen würde, wenn ich "Damenbesuch" auf meinem Zimmer hätte.

Ich konnte nicht anders sondern fragte sie, ob es ihr lieber wäre, wenn ich statt dessen "Herrenbesuch" hätte. Das natürlich dazu noch in gekonnter Tuntenmanier, hat mir so richtig Spass gemacht. Ihr Gesicht hättet ihr sehen sollen...

Anschließend teilte ich ihr noch mit, dass ich es wohl überschlafen würde, aber am morgigen Tag dann wahrscheinlich
doch kündigen würde. Und so geschah es dann natürlich auch.

Ja ich bin dann weiter nach Johannesburg geflogen und war doch ganz froh, dass ich Bloomfontein hinter mir gelassen hatte.
Ja und nächstes Mal Jo'burg....