Er sah sie an der Ecke des Hauses, nahe dem Eingang stehen. Sie wirkte nervös und fiel sofort auf.

Zwischen den sexy gekleideten Frauen, die an der Hauswand lehnten oder mit tiefen Ausschnitten aus den unteren Fenstern sahen, war sie wie eine Distel inmitten von Rosen.

Sie begann, kurze Stücke auf und ab zu laufen, steckte ihre Hände dabei in die Taschen ihrer blauen Latzhose, was den Stoff noch enger um ihr hübsches rundes Hinterteil spannte. Mike wusste nicht warum aber die Frau war so voller Gegensätze. Die Rundungen riefen laut

„Hier ist alles dran, komm, wähle mich“, während ihr Gesicht eher brummig wirkte, was Mike sehr schade fand, denn auch ihr Gesicht gefiel ihm.

Irgendwie wirkte sie etwas schmuddelig. Jetzt sah sie auf ihre Armbanduhr und ihre Brauen zogen sich noch mehr zusammen. Mike kombinierte ...seltsames Aussehen, nervös, sie wartete auf jemanden…da hatte wohl ein Freier besondere Wünsche und eine Frau in Arbeitskleidung gebucht. Hatte er sie versetzt? Sie sah suchend die Straße entlang zum Eingang dieser Bordellstraße.

Jetzt oder nie, dachte sich Mike und ging ein paar Schritte auf sie zu. Er fühlte sich bei dieser Frau irgendwie unsicher, obwohl er nicht zum ersten Mal hier war. Sie bemerkte ihn und schaute halb belustigt, halb genervt zu ihm. Musste sie jetzt nicht einen ihrer Anmachsprüche sagen? Mike lächelte sie an und ihre einzige Reaktion war, ihn mit leicht schräg gelegtem Kopf aus großen Kinderaugen anzuschauen.

Die Stille zwischen ihnen donnerte inzwischen wie ein Wasserfall.

„Hallo! Wartest du auf jemanden?“ Endlich bekam er den Mund auf.

„Ja! Schließlich muss ich endlich mal an die Arbeit, “ gab sie mit einem Glitzern in den Augen zu, dass Mike unendlich reizte.

„Wenn deine Verabredung nicht kommt, würdest du dann auch für mich arbeiten?“

Ihr Lächeln wurde so breit, dass es über das ganze Gesicht ging.

„Na klar! Kommt nur darauf an, was du willst und ob du das auch bezahlen kannst. Einfach oder Luxus, gibt ja soooo viele Möglichkeiten!“

„Was würde mich Luxus denn kosten?“

„Na, den gibt es so ab 30.000, nach oben offen. Kommt immer etwas auf die Größe an, “ erwiderte sie und irgendwie zuckte ihr Bauch dabei. Mike war völlig verwirrt.

„Auf die Größe kommt es beim Preis an? Hab ich ja noch nie gehört!“

„Klar! Auf die Größe und das Material!“

Mike verstand nun gar nichts mehr, zumal er sah, dass diese Frau krampfhaft versuchte, ihr Lachen zu unterdrücken.

„Sag` mal, bist du sicher, dass du zum Arbeiten hier hin gehörst?“

„Tausendprozentig! Also, was willst du?“

Mike hatte plötzlich so ein warmes Gefühl im Bauch und sein Mund sprach völlig gegen seinen Willen

„Küssen würde ich dich jetzt gern, trotz des Drecks in deinem Gesicht.“

„Küssen kostet `nen Ehering, “ erwiderte die Frau und hatte gar kein Grinsen mehr im Gesicht.

Mike konnte nicht antworten, er sprang gerade um sein Leben, denn ein VW-Bus kam angebraust und stoppte kurz hinter seinen Fersen.

„Alles klar, Maria? Diese verdammte Innenstadt, kein Durchkommen, “ brummelte der drahtige, kleine Mann, der die gleiche Haarfarbe wie diese Frau hatte und kramte schon hinten aus dem Auto etwas heraus.

„Alles in bester Ordnung, Papa. Mit dem Bohrhammer bin ich in einer Stunde fertig, “ erklärte sie und schielte dabei zu Mike. Dem ging gerade ein Licht auf. Darum hatte sie diese Latzhose an, darum hatten ihre Augen so geblitzt…sie hatte ihn gründlich hochgenommen.

Der Mann trug einen Werkzeugkoffer in den nahen Eingang, Maria hatte den Bohrhammer unter dem Arm und grinste

„Na, was ist denn jetzt mit dem Ehering? Willste oder nicht?“

„Soll ich den aussuchen oder kommst du lieber mit? Ich könnte dich abholen, deine Nummer hab ich ja,“  meinte Mike und zeigte auf das Auto, während Maria im Eingang verschwand.

Gas, Heizung, Sanitär  Peter J…. Tel……

Mike schrieb die Nummer auf sein Handgelenk, obwohl er sich auch den Namen hätte merken können. Langsam schlenderte er in Richtung Parkplatz. In seinem Kopf war eine Melodie…Maria, Maria, Maria, Mariiiiiiaaaaa. West-side-story…

„Mariiiaaa..“ Mike sang glücklich lächelnd bis eine Stimme neben ihm erklärte

„Zu den Mädeln geht es da lang!“

Marias Vater hatte die Scheibe herunter gekurbelt, wies in die andere Richtung und begutachtete den singenden jungen Mann.

„Der Weg zu dem einzigen Mädel, das ich noch möchte, führt über den Juwelier,“ gab Mike zu.

„Soll ich dir geben, “ sagte Peter J. und hielt Mike eine Visitenkarte hin. Der grinste, zog den Hemdsärmel hoch und wies auf die Telefonnummer, nahm die Karte aber trotzdem.

20 Uhr? Glücklich las Mike die wenigen Zeichen hinten auf der Karte.

Es wurde ein sehr schöner Abend, Mike durfte Maria küssen, obwohl die Juweliere schon geschlossen hatten. Gegen ein Uhr in der Frühe wurden Marias Eltern, die ihr Schlafzimmer unter dem Zimmer von Maria hatten, von sanften Tönen geweckt.

Jemand stand mit der Gitarre unter Marias Fenster und sang hingebungsvoll..

„Wie heißt die einzige Frau die mich betört?...Maria, Maria, Maria, Mariiiiaaaaa..“

Nach dem Konzert stieg der junge Mann brav in sein Auto, warf Kusshände in die erste Etage und fuhr winkend weg.

„Ich denke, er ist es, “ schmunzelte Maria J. Senior und kuschelte sich lächelnd an ihren Mann. Der nickte und meinte, Mike sei ein kluger Bursche bevor er summte „…Mariiiiaaaaa..“

Noch nach vielen Ehejahren erzählt Mike gern, dass Maria seine Bordellbekanntschaft ist.