Wenn ich jemanden helfen kann, tue ich das gerne, so wie ich überhaupt ein hilfsbereiter Mensch bin.


Aber gerade als hilfsbereiter Mensch muß man vorsichtig sein, dass man des guten nicht zuviel tut, d.h. man Hilft eventuell, wo überhaupt keine Hilfe erforderlich ist.





Die Hilfe kann mental statt finden oder physisch.





An einigen Beispielen möchte ich die Vielseitigkeit der Hilfe aufzeichnen die sich ins fast ins unendliche hochrechnen lassen.





Ohne zweifel und sehr beliebt war die Hilfe bei Umzügen.


Ich könnte auf Anhieb gar nicht sagen, wie oft ich schon in Umzüge verwickelt war, was ich aber auch gerne getan habe.


Meine Hochgeschätzte Spezialität, lag im Verpacken, - und natürlich wieder auspacken,- von zerbrechlichem Hausrat.





Auch sehr beliebt war meine Hilfe bei Nachbarn, wenn ich die Blumen goss, während sie in Urlaub waren.


Weil sie mich aber nicht in ihre Gießgewohnheiten eingeweiht hatten, gingen einige Pflanzen später ein, weil ich es zu gut gemeint hatte.


Als sie mir den Grund nannten, gaben sie sich mühe, dass es bei mir nicht als Vorwurf an kam, sondern eher als eine Feststellung.


Schließlich wollten sie ja im nächsten Jahr auch wieder in Urlaub fahren.





Als ein Computertechniker meinen PC wieder auf Vordermann gebracht hatte, weil ich es geschafft hatte, das System dermaßen durcheinander zu wirbeln, dass nichts, - aber auch gar nichts mehr lief, belehrte er mich, nach getaner Arbeit, auf eine derart arrogante und hochnäsige Art,- vergewisserte sich mindestens 10 mal, ob ich das auch verstanden habe,.. bis mir der Kragen platzte und ich mit gezügeltem Zorn, sagte: " Nicht in dem Ton junger Mann!


Sie können ganz normal mit mir sprechen und dass sie Ahnung von der Materie haben, habe ich vorausgesetzt."


Zuerst sprachlos, brabbelte er dann eine Entschuldigung vor sich hin,... mache die Gewohnheit usw.


( In sofern habe ich ihm auch geholfen, nämlich wieder auf den Teppich zu kommen.)





Auf dem Rücken muß ich wohl ein Schild gehabt haben, welches mich als seelischen Mülleimer auszeichnete.


Ob das nun meine Freundin war, ob es Arbeitskolleginnen oder sogar Kollegen waren, alle kamen sie zu mir mit all ihren Problemen und Problemchen.


Die Freundin hatte Stress mit ihrem Freund, die Kolleginnen fühlten sich gemobbt oder fanden nicht genügend Anerkennung vom Chef, der ihre Arbeit nicht zu würdigen wußte.


Der Kollege wollte eine Bestätigung, dass er doch der bessere Anwärter sei, für einen freiwerdenden Posten.





Immer tat ich mein Bestes, wobei ich feststellen mußte, dass meine Hilfe meistens darin lag, dass ich mir den Nonsens anhörte und hier und da tröstend auf sie einsprach.





Nach der Arbeit mußte ich über eine stark befahrene Straße um zum Parkplatz zu gelangen.


Vor dem Zebrastreifen stand eine alte Frau auf ihren Stock gestützt. Der Überweg war nicht durch eine Ampel geregelt und es ging mir durch den Kopf, die Frau schafft das nie alleine auf die andere Seite zu kommen.





Ohne großes Aufhebens hakte ich mich bei ihr unter, gab den Autofahrern durch entschlossene Handzeichen zu erkennen, dass wir über die Straße wollten.


Diszipliniert ließen uns die Autofahrer passieren und schon waren wir drüben.


Bevor ich die alte Dame danach fragen konnte , wo sie denn hin möchte, schaute sie mich ganz lieb lächelnd an und fragte:


" ... bringen Sie mich auch wieder zurück?"





Nachdem wir beide herzhaft gelacht hatten, fragte ich sie, warun haben sie nicht gleich gesagt, dass sie nicht rüber wollte?


" Ich kam ja nicht dazu, ich wollte mir doch nur die schönen Autos anschauen,"


Immer noch lachend, gingen wir zurück und sie bedankte sich bei mir.


Wofür sie sich bedankt hat, weiß ich immer noch nicht so genau, vielleicht dafür, dass ich ihr gezeigt habe, wie man das macht, für den Fall, dass sie doch mal allein rüber möchte.





Jüngst holte ich meine Enkelin vom Kindergarten ab.


Sie band sich umständlich die Schuhe und hilfsbereit wie ich nun mal bin, - oder war es die Ungeduld,- wollte ich ihr helfen.


" Aber Oma, das kann ich doch alleine," sagte sie vorwurfsvoll, " Du brauchst mir nicht zu helfen."





Gerne kommt auch der Spruch von hilfsbereiten Leuten:


" Das ist doch leicht, das kann doch jedes Kind."


Damit kann man jemanden auch Beleidigen, daher achte ich darauf, dass ich das nicht sage.





Nun sagt doch selbst, haben`s die hilfsbereiten Leute nicht schwer?


Was habt ihr denn so erlebt? Denn ich denke ihr seit doch alle, mehr oder minder, hilfsbereit.


L.G.





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