BUCHTIPP "Deine Juliet" - ein Briefroman
Ich gönne mir gerade einen frisch erschienen Briefroman, der von einer 70jährigen Buchhändlerin und Bibliothekarin geschrieben wurde und von Margarete Längsfeld übersetzt (was in meinen Augen bereits ein Gütezeichen ist).Mary Ann Shaffer: Deine Juliet
Es geht um die Zeit der deutschen Besatzung auf der Kanalinsel Guernsey, in der eine Gruppe von Menschen, von denen die meisten "eigentlich" gar nicht lasen, mit dem Lesen anfingen, um vor den Deutschen Fress-Treffen mit heimlich gehorteten Vorräten plausibel zu legitimieren.
Sie behaupteten, allesamt zur "Guernsey Gesellschaft für Literatur und Kartoffelschalenauflauf" (den aßen sie nämlich dann und anderes!) zu gehören und deshalb wöchentlich abends auch noch nach der Verdunklung zusammen zu sitzen - und für den Fall, dass die Deutschen das überprüfen würden, mußten sie ja nun auch Bücher gelesen haben.
Sie plünderten also den örtlichen Buchladen (der kaum noch Bücher hatte, weil alle zum Heizen und Kochen gekauft worden waren) und fingen mit dem Lesen und dem Diskutieren über Literatur an und hatten gegen alle Absichten bald eine Art echten literarischen Zirkel. Manche lasen in der ganzen Zeit nur ein einziges Buch, aber das dann ganz genau!
Daneben hielten sie auch noch zusammen, halfen sich gegenseitig, waren Freunde, machten heimlich ein bißchen Widerstand auf ihre Art...
Über all das gerät kurz nach dem Krieg eine junge Londoner Journalistin (besagte Titel-Juliet), die eigentlich ein Buch über "Marotten" schreiben will, mit ihnen allen in einen Briefwechsel, in dem sie die Guernseyer Kriegszeit, den Club und sich selbst schildern...und zwar sehr anschaulich und jeder in einem anderen Schreibstil, jeder und jede mit anderen Erlebnisprioritäten.
Die Clubmitglieder schildern sich gegenseitig, ihr Alltagesleben, ihre Lieblingsbücher und warum die ihnen so viel bedeuten - und sie erzählen aus der Kriegszeit, als die Deutschen sich bei ihnen eingenistet hatten.
Es ist erstaunlich, mit welcher Gelassenheit, wieviel Humor, Warmherzigkeit und durchaus auch Trauer diese Menschen die Ereignisse aus dieser Zeit erzählen; beim Lesen erfährt man sehr viel über das Leben auf dieser nach dem Krieg "vergessenen" Kanalinsel, wo sie z.B. ewig auf Essensflugzeuge oder -boote aus England gewartet haben, aber nichts kam.
Die Briefe zwischen Juliet und den Inselbewohnern werden ergänzt durch welche mit ihrer besten Freundin, mit der sie die Liebe diskutieren muss, dann mit ihrem Freund und Verleger und außerdem mit ihrem witzigen, gutaussehenden Londoner Liebhaber, der gerne ihr Ehemann wäre - alle auch recht amüsante, flotte Schreiber.
Und natürlich fährt Juliet dann irgendwann selbst nach Guernsey, und natürlich kommt die Liebe ins Spiel und ein Geheimnis muss aufgeklärt werden und und und...
Das Ganze ist geistreich, federleicht (trotz des ernsten geschilderten Zeitgeschehens), warmherzig, literaturbegeisternd und hochgradig amüsant.
Es gab Zeiten, in denen schrieben Menschen lange, schöne, flotte Briefe - hier kann man welche auf knapp 300 S. lesen.
Wer die "Rosenzüchterin" von Charlotte Link gelesen hat, kennt bereits einen anderen Roman über diese Zeit, auf der Nachbarinsel Jersey unter denselben Bedingungen spielend.
Der hier vorgestellte Roman hier ist leichter, spritziger, weniger "spannend", dafür sehr amüsant, ohne Dinge zu vereinfachen oder zu verharmlosen.
Ich habe bereits mehrmals in der Hannöverschen Straßenbahn Aufsehen durch lautes, hemmungsloses Kichern erregt!
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Mary Ann Shaffer: Deine Juliet.
Kindler Verl. 2008, 296 S. /19,90 Euro
Sie behaupteten, allesamt zur "Guernsey Gesellschaft für Literatur und Kartoffelschalenauflauf" (den aßen sie nämlich dann und anderes!) zu gehören und deshalb wöchentlich abends auch noch nach der Verdunklung zusammen zu sitzen - und für den Fall, dass die Deutschen das überprüfen würden, mußten sie ja nun auch Bücher gelesen haben.
Sie plünderten also den örtlichen Buchladen (der kaum noch Bücher hatte, weil alle zum Heizen und Kochen gekauft worden waren) und fingen mit dem Lesen und dem Diskutieren über Literatur an und hatten gegen alle Absichten bald eine Art echten literarischen Zirkel. Manche lasen in der ganzen Zeit nur ein einziges Buch, aber das dann ganz genau!
Daneben hielten sie auch noch zusammen, halfen sich gegenseitig, waren Freunde, machten heimlich ein bißchen Widerstand auf ihre Art...
Über all das gerät kurz nach dem Krieg eine junge Londoner Journalistin (besagte Titel-Juliet), die eigentlich ein Buch über "Marotten" schreiben will, mit ihnen allen in einen Briefwechsel, in dem sie die Guernseyer Kriegszeit, den Club und sich selbst schildern...und zwar sehr anschaulich und jeder in einem anderen Schreibstil, jeder und jede mit anderen Erlebnisprioritäten.
Die Clubmitglieder schildern sich gegenseitig, ihr Alltagesleben, ihre Lieblingsbücher und warum die ihnen so viel bedeuten - und sie erzählen aus der Kriegszeit, als die Deutschen sich bei ihnen eingenistet hatten.
Es ist erstaunlich, mit welcher Gelassenheit, wieviel Humor, Warmherzigkeit und durchaus auch Trauer diese Menschen die Ereignisse aus dieser Zeit erzählen; beim Lesen erfährt man sehr viel über das Leben auf dieser nach dem Krieg "vergessenen" Kanalinsel, wo sie z.B. ewig auf Essensflugzeuge oder -boote aus England gewartet haben, aber nichts kam.
Die Briefe zwischen Juliet und den Inselbewohnern werden ergänzt durch welche mit ihrer besten Freundin, mit der sie die Liebe diskutieren muss, dann mit ihrem Freund und Verleger und außerdem mit ihrem witzigen, gutaussehenden Londoner Liebhaber, der gerne ihr Ehemann wäre - alle auch recht amüsante, flotte Schreiber.
Und natürlich fährt Juliet dann irgendwann selbst nach Guernsey, und natürlich kommt die Liebe ins Spiel und ein Geheimnis muss aufgeklärt werden und und und...
Das Ganze ist geistreich, federleicht (trotz des ernsten geschilderten Zeitgeschehens), warmherzig, literaturbegeisternd und hochgradig amüsant.
Es gab Zeiten, in denen schrieben Menschen lange, schöne, flotte Briefe - hier kann man welche auf knapp 300 S. lesen.
Wer die "Rosenzüchterin" von Charlotte Link gelesen hat, kennt bereits einen anderen Roman über diese Zeit, auf der Nachbarinsel Jersey unter denselben Bedingungen spielend.
Der hier vorgestellte Roman hier ist leichter, spritziger, weniger "spannend", dafür sehr amüsant, ohne Dinge zu vereinfachen oder zu verharmlosen.
Ich habe bereits mehrmals in der Hannöverschen Straßenbahn Aufsehen durch lautes, hemmungsloses Kichern erregt!
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Mary Ann Shaffer: Deine Juliet.
Kindler Verl. 2008, 296 S. /19,90 Euro
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