Stimmung(s)buch oder eine wahre Begebenheit

Scheußlicher Dezembermorgen, nass, kalt, windig, 3 Grad, gefühlte ?10 Grad (So nennt man das heutzutage gerne). Ich bin mit meinem Wagen unterwegs in Richtung ? nur noch nach Hause ?, freue mich auf die Wärme, die mich dort erwartet. Mir fällt ein, dass ich noch ein Geschenk für ein achtjähriges Mädchen besorgen muss. Kurze hektische Überlegungen wie ich diesem Gang noch entgehen kann, keine Chance! Sie kommt gleich aus der Schule und ich hätte kein Geschenk. Widerwillig lenke ich meinen Wagen in Richtung Buchladen, finde natürlich keinen Parkplatz direkt vor der Türe und muss ihn in einer gehörigen Entfernung abstellen. Wie immer zu dünn angezogen, nasskalter Gegenwind. Missmutig und innerlich fluchend lege ich den Weg zum Buchladen zurück, nehme die drei Stufen zum Geschäft auf einmal und trete ein. Vergessend was hinter mir liegt, atme ich unbewusst tief ein, nehme den besonderen Geruch der Bücher wahr, versuche den Raum mit meinem Blick in seiner Gesamtheit zu erfassen und nehme das angenehme und ruhige Stimmenwirrwarr auf. Für einen Montagmorgen ist viel Betrieb, klar: Weihnachten steht vor der Türe. Ich gehe in den Raum mit den Kinderbüchern, stehe etwas ratlos vor den Regalen (Die Kategorien könnten etwas besser gekennzeichnet werden!). Es stört mich nicht, ist vielleicht auch gut so, ich habe dadurch mehr Zeit zum Atmen, zum Genießen.
Was ich zum Beispiel in Bekleidungsgeschäften hasse und dann deshalb auch reserviert reagiere, geschieht und habe es herbei gesehnt: Es dauert keine dreißig Sekunden und ich werde von einer Verkäuferin angesprochen, ob sie mir helfen kann. Ich sage ihr, was ich mir vorstelle und sie greift zielsicher in das Regal und gibt mir eine Auswahl an Büchern. Woher weiß sie so genau, was ich mag? Obwohl ich mich innerlich schon längst entschieden habe, plaudern ich/wir? noch einige Zeit über Bücher; ich genieße es. Dann bezahle ich und während sie das Buch in Geschenkpapier einpackt, schlendere ich durch den Laden und nutze die Zeit, um noch mehr von der Atmosphäre aufzunehmen. Diesmal nehme ich beim Verlassen des Geschäfts nicht die drei Stufen auf einmal. Auf der zweiten bleibe ich stehen, um einen älteren Herrn, der den Eingangsbereich auf dem Bürgersteig hastig und mit leicht gesenktem Kopf quert, vorbei zulassen. Er stoppt kurz, ist unsicher ob er einfach weitergehen soll ? ich lasse ihm mit einer leichten, lustigen Verbeugung den Vortritt, er lächelt, bedankt sich und setzt seinen Weg fort. Eine Frau, die an ihrem Fahrrad steht, beobachtet interessiert die Szene und während sie eine Hand in einen Handschuh zwängt, sagt sie mit einem sympathischen Lächeln und einem ganz leichten Hauch von Spott und Wissen in ihren Augen?. "Kommt man aus einem Buchladen, ist man die Freundlichkeit in Person". Sie kennt es! Überrascht, irritiert, sekundenlang nach Worten suchend lächle ich, halte kurz die eingepackten Bücher hoch, zwinkere ihr zu und sage? "Ja, die Dinger haben was!" Ich gehe zu meinem Wagen zurück... Hm, so kalt ist es eigentlich gar nicht.