Chiquinha ( die 1.).

1969 war ich ....mit meinem damaligen Ehemann und unserer 9 jährigen Tochter ...... nach Brasilien ausgewandert. Es war aus beruflichen Gründen meines Exmannes. Da es für längere Zeit (Jahre) gedacht war, hatten wir uns einen Bungalow gemietet  der etwas ausserhalb der Stadt Bauru...... in einem ruhigen Viertel......lag.

Mein Traum war es  .... auch bereits in Deutschland...., einmal einen Affen zu haben, denn diese Tiere hatten es mir schon immer besonders angetan. Auf die Rasse kam es mir dabei gar nicht so an...... Hauptsache es war ein Affe und nun war ich ja in einem "Affenland"!

So nach und nach hatten wir einige Leute kennengelernt. Darunter war auch ein Vertreter für Spanplatten, der sehr viel in Brasilien herumreiste und sich ab und zu bei uns blicken liess. Ihm hatte ich von meiner  Vorliebe für exotische Tiere schon vor längerer Zeit erzählt  und  war somit bereits im Besitz von einem gelb-blauem Ara und einem jungen Nasenbär, die er mir von seinen Reisen mitgebracht hatte. Bei seinem nächsten Besuch wollte er versuchen, mir einen Affen mitzubringen und ich war darauf auch schon äusserst gespannt.

Als er wieder erschien, hatte er eine grössere, quadratische Holzkiste dabei, zwischen deren Ritze eine kleine Hand hervorlugte. Vorsichtig trug ich die Kiste ins Badezimmer und schloss die Tür, damit mir beim öffnen , der Affe nicht auf nimmerwiedersehen verschwand.

Endlich aufbekommen, sprang mir eine schwarz-hellbrauner Kapuzineräffin mit einem Satz und Gekecker auf die Schulter und machte sich sofort an meinen Haaren zu schaffen. So wie es aussah, fühlte sie sich sofort wohl zumal sie ganz zahm war.

Um ihre Taille trug sie einen Gürtel, an dem eine lange dünne Kette hing und so konnte ich sie daran festhalten und nach draussen gehen. Der Zwergpudel ( den ich aus Deutschland begenommen hatte ) staunte nicht schlecht und auch meine Tochter machte grosse Augen.

Der Vertreter hatte strahlende Augen als er sah, dass seine Überraschung gelungen war und ich mich über sein Mitbringsel freute. Er sagte, dass die Äffin Chiquinha hiess, sie bereits einige Jahre alt wäre und er sie einer alten Bekannten abgeknöpft hätte, da diese sich sowieso nicht mehr richtig um sie kümmern würde. Ausserdem wäre sie völlig zahm.

Komisch..... meine Pudeldame interessierte den Affen überhaupt nicht ( sie war anscheinend Hunde gewohnt). Kinder dagegen mochte sie anscheinend weniger, denn als sie meine Tochter sah, lief sie auf sie zu, ergriff ihre Hand und biss ihr in den kleinen Finger. Das war nicht so lustig aber da meiner Tochter bereits im Schulalter war, nahm sie das nicht so übel zudem die Überraschung immer noch nicht verflogen war.

Da es in Brasilien üblich ist, das die Häuser noch einen kleinen, anschliessenden Trakt hinter dem Haus  für die Dienstmädchen haben, hatte ich eine klasse Behausung für den Affen, denn unser Dienstmädchen kam morgens und verschwand wieder am Nachmittag.

Die Kette war auch lang genug, so das der Affe sich durch die offene Tür  relativ frei bewegen konnte und eine grosse, ausgepolsterte Kiste stellte ich auch noch als Schlafplatz ins Zimmer.

Am nächsten Tag wollte ich dann mal sehen, wie ich es dem Tierchen am besten gerecht machen  konnte. Doch dazu kam es nicht mehr. Mein Blick aus dem Fenster ....am nächsten Morgen....sagte mir, das die Kette zwar noch im Hof lag aber keine Affe mehr dran hing. Ganz klar, dass ich mit einem Satz aus dem Bett war und sofort in der näheren Umgebung nach dem Affen suchte, was mir allerdings keinen Erfolg bescherte und auch mit meiner Fragerei in der Nachbarschaft  kam ich nicht weiter, zudem gerade Ostersonntag war und viele Leute in der Kirche.

Na ja...... Chiquinha blieb verschwunden und ich war darüber recht traurig. Nun hatte ich endlich einmal einen Affen gehabt und der war bereits nach einem Tag weg.

Als nach den Feiertagen mein Ex zu Feierabend nachhause kam, gab es Neuigkeiten.  Der Chef von meinem Ex wohnte nur 2 Strassen weiter in einem  grossen Bungalow, mit sehr grossem Garten. Er war an diesem Morgen ziemlich wütend gewesen und hatte meinem Ex erzählt, dass bei ihm....... während die ganze Familie in der Kirche war..... ein Affe getobt hätte und hätten sie den, bei ihrer Rückkehr, nicht noch durch die Bäume hüpfen sehen, hätten sie angenommen, dass dort  eher eine Bombe eingeschlagen war.

Chiquinha hatte dort anscheinend ganze Arbeit geleistet. Es gab im ganzen Garten keine einzige Blume mehr, die nicht abgeknickt war, im Zweitwagen hing ....durch das geöffnete Fenster ..... ein laufender Wasserschlauch und im Inneren lag ein grosses , kaputtes Paket Waschpulver, dass alles vollschäumte. Zudem waren sämtliche Kabel herrausgerissen. Im inneren des Hauses waren alles Ostereier angebissen und dann weggeworfen worden, die Gardinen runtergerissen und in den Räumen überall Zucker verstreut . Auch davon gab es keine heile Tüte mehr.

Mein Ex-Mann hatte sich das alles schweigend angehört und auch ich fiel aus allen Wolken, als er mir davon erzählte. Hätte nie geglaubt, dass ein so kleiner Affe so viel Schaden anrichten kann.........

Wie intelliegent diese Rasse allerdings wirklich sind, konnte ich feststellen, als ich Chiquinha Nr. 2 hatte......

Es erübrigt sich zu erzählen, dass ich nun nicht  weiterhin in der Nachbarschaft nach dem Affen fragte und der Chef meines Ex erfuhr nie, woher der Affe kam.

Chiquinha blieb für immer verschwunden und ich habe auch nie wieder etwas von ihr gehört.