...oder, alle guten Dinge sind drei !
Es näherte sich wieder das Fest der Feste.
Weihnachten - und damit die unsäglich quälende Aufgabe: das Weihnachtsmahl.
Und wie jedes Jahr hatte sie dafür nicht viel übrig. "Humbug", dachte sie, als sie den vielen Fragen auswich, wie sie es denn dieses Jahr kulinarisch gestalten würde. Sie fand das alles übertrieben und antwortete nur mürrisch, dass dem Weihnachtsessen viel zu viel Wert beigemessen werde und sie anderes zu tun habe, als ihre Zeit dafür zu verschwenden.
Die jährlich wiederkehrende Einladung ihrer Freundin, gemeinsam zu kochen, schlug sie auch dieses Jahr in den Wind und auch die regelmäßigen Essensangebote lehnte sie verdrossen ab.
Sie wollte ihre Ruhe und eine gute Schnitte Brot würde ebenso ihren Dienst tun. Sie war des Theaters um das Weihnachtsessen einfach nur noch müde. Als ob zu Weihnachten nur das Essen zählte.
Am Abend vor dem 24. Dezember, als sie sich nach drei Ramazzottis kurz vorm Einschlafen noch einen Tee kochte, sah sie auf einmal im Teeglas das Antlitz ihrer verstorbenen Großmutter.
Müde rieb sie sich die Augen und beschloss, sich lieber nun schon schlafen zu legen. Doch da schien ihr, als höre sie die Oma mit hohler Stimme zu ihr sprechen und ihr drei Geister ankündigen ... Sie solle auf die Geister hören, damit sie nicht so enden werde wie die Oma selbst, die nun verdammt sei in alle Ewigkeit Weihnachtsenten zu braten ...
"Humbug", dachte sie erneut und schob die Vision auf ihren Ramazzotti.
*****
Die Turmuhr schlug Mitternacht. Das Rattern einer Eieruhr riss sie aus dem Schlaf. Neben ihrem Bett stand der Geist der vergangenen Weihnacht in der Gestalt ihrer alten Kochlehrerin.
Sie erschrak, als diese ihr mit dem Kochlöffel zuwinkte ihr zu folgen, doch ehe sie es sich versah, schwebte sie mit ihr zum Fenster hinaus.
"Schau", hauchte der Geist ... und sie sah sich als Kind.
Es war Weihnachten und sie sah sich im Kreis der Geschwister, vertieft in ein Spiel, in dem sie die Anführerin eines Indianerstammes war. Da kam ihre Mutter ins Zimmer und holte sie zum Backen. Sie hörte die Stimmen ihrer Brüder wie sie lachten und weiter spielten. Dann verschwand das Bild und sie sah sich nun etwas älter wie sie mit wütend funkelnden Blicken vor ihren Weihnachtsgeschenken saß und mit ihrem Vater diskutierte, dass sie die Spielküche nie gewollt hatte und lieber den Chemiekasten ihres älteren Bruders nehmen würde.
Mit Wehmut erinnerte sie sich daran und musste dann doch grinsen, weil die Spielküche rein zufällig schon am zweitem Weihnachtstag kaputt gegangen war...
Der Geist ihrer Kochlehrerin führte ihr noch einige Begebenheiten aus ihrer Vergangenheit vor Augen. Szenen, in denen sie versuchte zu backen und zu kochen und wie sie daran scheiterte. Als der Geist ihr dann noch zeigte wie einmal ein Weihnachtsmahl scheiterte, weil sie vergessen hatte der Ente vor dem Braten den Plastikbeutel aus dem Po zu holen, hatte sie genug und bat den Geist, sie doch nun bitte wieder ins Bett zu lassen ... sie wollte nichts mehr sehen.

Kaum hatte sie sich wieder behaglich eingekuschelt, hörte sie das laute Surren eines Mixers: vor ihr stand der Geist der diesjährigen Weihnacht. Diesmal in der Gestalt ihrer Mutter, und eingeschüchtert folgte sie der winkenden Hand.
Der Weihnachtsgeist führte sie zu Freunden, Verwandten und Bekannten, die sich mit Tüten abschleppten, akribisch Listen schrieben wen sie einladen würden, wer was essen würde und was sie alles bräuchten. Sie sah die Freunde verschwitzt und gehetzt durch die Läden laufen. Sie sah sie den ganzen Weihnachtsmorgen kochen und backen und putzen.
Und während sie all das sah, hörte sie die Stimme der Mutter, die den Eifer der Freunde lobte und über ihre Tochter klagte, die all dies nie getan habe. Weihnachten ist doch eine besondere Zeit und dazu gehört, dass man sich mit dem Weihnachtsessen Arbeit macht. Was habe sie, die Mutter, nicht schon alles getan für das Fest der Liebe und sie werde nicht die Hoffnung aufgeben, dass ihre Tochter doch noch ein Kind des Weihnachtsmahles werden würde.
Allein vom Zusehen erschöpft wie die anderen rotierten und der Monologe ihrer Mutter müde, bat sie flehentlich, ihr doch die Qual zu ersparen und sie gehen zu lassen.
Ermahnend, an die Enten in der ewigen Hölle zu denken, schleuderte der Geist der diesjährigen Weihnachten sie zurück in ihr Bett.
Doch noch voller Grauen wagte sie nicht einzuschlafen. Wusste sie doch nun, dass der Albtraum noch nicht zu Ende war und der dritte Geist noch kommen würde.
Und kaum den Gedanken gedacht, stand er schon vor ihr.
Der Geist der kommenden Weihnacht. Die Gestalt lächelte, sah zufrieden aus und winkte sie nur wortlos zu sich.
Und Seite an Seite schwebte sie mit dem Geist der kommenden Weihnacht durch die zukünftigen Jahre.
Sie sah sich zufrieden im Kreise von Freunden und in der Familie ihres Sohnes.
Sah sie alle miteinander in Restaurants sitzen, in die sie eingeladen hatte und alle glücklich schwatzend ein Weihnachtsmahl zu sich nahmen. Sah sich bei ihrer Schwiegertochter am Weihnachtstisch sitzen, die ein wunderbares Essen gekocht hatte und glücklich war, dass sie als Oma mit den Kindern unterwegs gewesen war.
Sah ihren wohlgenährten Sohn grinsend seinen Kindern erzählen von seinen Weihnachten als seine Mutter nicht kochen konnte, aber von dem Spaß den er hatte, dass sie Freunde einlud und sie Spiele spielten. Erzählte ihnen von den Weihnachtskeksen, die so hart und schwarz geworden waren, dass er damit eine Burg baute und dass sie immer Zeit hatte für ihn an Weihnachten.
Sie warf einen Blick zum Geist der kommenden Weihnachten, der ihr liebevoll zu zwinkerte, sein Weinglas einmal schwenkte und das Bild löste sich auf.
*****
Weihnachtsmorgen... und behaglich streckte sie sich in ihrem Bett... verwundert rieb sie sich die Augen, dachte an die letzte Nacht und die drei Geister... und auf einen Schlag fiel ihr ein: Heiligabend - heut war Weihnachten.
Voller Freude sprang sie aus dem Bett, ihre schlechte Laune war verschwunden. Hörte sie doch noch die letzten Worte des Geistes...
"Das haste gut gemacht, Mädel - wir hatten schöne Weihnachten!"

Text von Lia Fail
1.Bild-Ver2gter reloaded
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Avatar-T.Charles
Wer im Adventskalender die ersten Türchen verpasst hat
und gerne noch nachlesen möchte...
findet sie hier:
