Weihnachten, das war immer dann, wenn in ihrem Kinderzimmer Matratzen auf dem Boden ausgerollt wurden, die muffig und nach Mottenkugeln rochen und sie ihr Zimmer mit Omma Hildchen und Tante Edeltrudis teilen musste.

 

Das war auch immer dann, wenn sie in zu engen schwarzen Lackschuhen und einem zu dünnen Mantel durch den Schnee mitten in der Nacht in die Kirche geschleppt wurde, wo ein alter Mann stundenlang langweiliges Zeugs redete und man nichts sagen durfte. Außerdem verschwanden zu dieser Zeit immer einige ihrer Kuscheltiere, meist waren Häschen davon betroffen.

 

Als Erdmute ins Teenageralter kam, ging der letzte Rest vom Weihnachtsmythos endgültig flöten, die hilflosen Versuche ihrer Mutter mit der Kassette der Wiener Sängerknaben und frisch gebackenen Weihnachtsplätzchen Erdmute in „Stimmung“ zu bringen, scheiterten kläglich, spätestens dann, als Onkel Friedhelm im Suff in den Baum gefallen war.

 

Nun wohnte Erdmute schon seit sieben Monaten in ihrer ersten eigenen kleinen Wohnung und sie hatte die Eltern ihres Freundes für das Fest eingeladen. Obwohl, der 24ste, so sagte ihr Heribert, käme nicht in Frage, der sei nur für die engste Familie reserviert, aber am ersten Feiertag, so um 13 Uhr, da kämen sie dann.

 

Erdmute begann, ihre Wohnung schwiegermuttertauglich zu machen: so kippte sie z.B. literweise die chemische Keule ins Klo, um auch der letzten Bakterie den Garaus zu machen. Sie überzog ihr Girokonto bis zur Schmerzgrenze, es fing schon mit dem  Geschirr und der Tischdecke an, von der Deko, für die sie wieder Verlängerungskabel  etc. brauchte, den Geschenken, dem Champagner und den Fressalien ganz zu schweigen.

 

Auch an den Baum hatte Erdmute gedacht. Sie hatte das 2-Meter Ungetüm eigenhändig nach Hause und in den dritten Stock geschleppt, sich beim Aufstellen drei Fingernägel abgebrochen und einen Teil der Tapete ruiniert.

 

Alles war perfekt vorbereitet für das perfekte Weihnachtsfest.

 

Am Heiligen Abend sah Erdmute, in ihrem alten Schluffelpyjama total geschafft auf ihr Werk: alles strahlte und harrte dem perfekten Fest! Es war kurz vor 22 Uhr, früher ging man da zur Mette, die Bescherung war schon vorüber, im Fernsehen liefen Weihnachtsschnulzen....das Telefon klingelt: „Schatz, sei nicht böse, aber das Wetter.... meine Eltern fahren morgen wieder weg, ich bringe sie noch zum Bahnhof, vorher wollen wir noch schön Essen gehen, und die Strecke zu dir..das wär dann doch zuviel

................