Liebe Vermieter...
in der Tat, die richtige Art der Anrede im Moment zu finden, ist mir etwas schwer gefallen. In der Hoffnung, dass Sie diese nicht missverstehen unter der momentan zu klärenden Situation. Bevor ich ein „offizielles Schreiben“ von Ihnen erhalte und meine Enttäuschung wächst, möchte ich Ihnen gerne auf diese Art und Weise zuvor Bericht der Situation erstatten.

Ich denke, dass Sie gerade bei „Enttäuschung“ symbolisch gesehen „aufgeschrien“ haben, da Sie sich vielleicht enttäuscht fühlen! Also: ich besitze keine Hunde!!! Diese Hunde gehören einem Freund und gelegentlich sind sie bei mir zu Besuch und ein Besuch kann auch mal 2/3 Tage dauern. Dass Tierhaltung generell verboten ist laut Mietvertrag, ist mir bekannt. Dass ich persönlich so etwas generell nicht nachvollziehen kann, ohne den Einzelfall der Zerstörung oder Belästigung nachzuprüfen, ist eine andere Sache. Dafür, dass Sie nichts gegen mein Katerle hatten, bin ich Ihnen dankbar. Natürlich muss man sich in einer Gemeinschaft als Mieter den Gegebenheiten fügen. Und,Sie glauben kaum, wie wichtig mir persönlich der Frieden mit meinen Nachbarn ist! Meinen Sie, es ist angenehm beim Austreten aus der Wohnungstür zu hören, dass weiter oben im Haus Jemand die Absicht hatte, die Treppe herunter zu kommen, sich aber still verhält, bis unten wieder Ruhe ist, um ja keinem Mitmenschen zu begegnen? Meinen Sie, es ist angenehm, an meinen wenigen freien Abenden mit der TV-Fernbedienung in der Hand zu sitzen, um den Ton fast abzuschalten, sowie Werbung kommt oder wenn die Haus-Eingangstür zu hören ist? Leider geht jeder direkt an meiner quasi Wohnzimmertür im Treppenhaus vorbei, da ja kein Wohnungsflur existiert. Meine Söhne meinen schon, ich hätte eine Neurose entwickelt, wenn ich erst hinaushorche, bevor ich mit dem Besucherhund das Treppenhaus betrete, wenn ich mit einem Tuch hinterherlaufe, falls leichte Fuß- Schuhspuren vom Regen hinterlassen werden. Ich bin bemüht, die unfreundlichsten Gesichter, die nicht erwiderten Grüße zu ignorieren. Ich bleibe weiterhin kontinuierlich freundlich, bin bemüht, einem voll alkoholisierten Mitbewohner des Hauses, welcher leicht verletzt auf meiner Fußmatte lag, in seine Wohnung zu transportieren und ihm erste Hilfe zu leisten. Eigentlich bedarf diese Tatsache nicht der Erwähnung – in diesem Hause aber schon! Sie haben doch schon bei dem Kellerrundgang vor meinem Einzug die „Vorstellung“ gewisser Nachbarn mitbekommen – vielleicht habe ich es Ihnen auch damals nicht genügend erklärt, da es mir einfach peinlich war! In diesem ehrenwerten Haus zählt keine Freundlichkeit, Höflichkeit, Hilfsbereitschaft – nein, es wird nur beobachtet, wo einem Mieter (ich weiß nicht, ob es anderen Eigentümern ähnlich ergeht) gegen eine aufgestellte Regel verstösst – allerdings nur die Sichtbaren. Sieht man sich im Abfallraum um, bin ich oft entsetzt, wie wenig Mühe sich oft beim Entsorgen gegeben wird – aber das sieht ja keiner!
Wenn wir beim „Sehen“ sind: sieht die Haus“gemeinschaft“, wie ordentlich ich den Garten halte, wie in mühevoller Kleinarbeit ich die Äste und Zweige in kurze Stücke zerschneide um sie platzsparend unterzubringen, während Andere Vieles irgendwie hineinstopfen, den Rest darüber fallen lassen? Egal, kann ja der Hausmeister (oder wer auch immer) machen, ist ja dafür angestellt, unseren Dreck zu beseitigen! Wird gesehen, dass ich aufgehört hab, zu grillen, nachdem ich im Vorjahr von zwei lieben Mitbewohnern mit einem Zettel schon im Voraus auf die Anzahl des Erlaubten hingewiesen wurde? Es ist erstaunlich, wie korrekt mitgezählt wird. Wobei ich das Gärtchen hier als das Schönste von Allem angesehen habe und ich nur einen Elektrogrill verwandt und den auch weitab der Fenster deponiert habe. Dieser Tage zog ein Grill- und (unangenehmer)-Brandbeschleunigergeruch aus einem Garten – meinen Sie, mir würde es einfallen, mich zu beschweren? Ich dachte: prima, da wohnen noch Menschen die LEBEN! Den Ärger dafür werden sie noch früh genug erhalten. Ich beschwere mich nicht, wenn die Haustür auch spät nachts noch laut ins Schloss fällt (weil sie schlecht eingestellt war, aber man sie ja auch mit Muskelkraft zügeln könnte) oder wenn die Rollladen mit Karacho morgens und abends betätigt werden, obwohl mir logisch ist, dass man das auch fast geräuschlos vollbringen kann.
Nun noch zum konkreten Vorwurf: diese Hunde, ein Zwergpudel und ein Labrador-Mischling, beide schon acht Jahre alt und damit fernab irgendwelchen Übermuts oder Zerstörungslust, sind ganz ruhige, liebevolle Tiere, welche NIEMALS im Hause bellen, so trifft Belästigung durch Lärm schon einmal nicht zu, welche in keine Garten-oder sonstige umliegende Anlage ihre Bedürfnisse entrichten, also trifft Schmutzbelästigung auch nicht zu, im Gegensatz zu den zwei kleinen Hunden einer Nachbarin, welche offensichtlich zu bequem ist, sich etwas weiter zum Gassi-Gehen zu bemühen! Bei der Gelegenheit möchte ich auch meiner Verwunderung Ausdruck verleihen, dass zwei Eingänge weiter offensichtlich Hundehaltung erlaubt ist (jedoch: ich will ja gar keinen Hund halten!) Der einzigen „Zwischenfall“, worauf alleine die von Ihnen angesprochene Belästigung einer Nachbarin begründet sein kann, ergab sich, als schon im vorigen Jahr Sina, die Labradorhündin, die liebend gerne stundenlang ruhig im Garten liegt und auch keinen Mucks von sich gibt, wenn an der Straße ein Hund vorbei geht, vor lauter Begrüßungsfreude eine ältere Dame im Nachbargarten zu nahe kam und vor deren Fenster gesessen hat. Diese Dame hat sehr große Angst vor Hunden, was ich natürlich zu respektieren habe. Ich habe mich inständig entschuldigt und von da an, wenn Sina im Garten lag, diese angebunden! Noch heute, wenn ich jener Nachbarin im Garten begegne, erzählt sie mir von jenem Vorfall, als sei es gestern gewesen. Auch ihre Tochter fühlte sich bemüßigt, mir das schriftlich mitzuteilen, wofür ich natürlich auch Verständnis hatte. Sie glauben nicht, wie regelmäßig ich meine Entschuldigung wiederhole, da ich den Eindruck habe, dass die Dame den Zeitraum etwas aus den Augen verloren hat. Aber: es kostet mich ja nichts, mich weiterhin zu entschuldigen, wenn der Dame das gut tut! Nebenbei möchte ich Ihnen sagen, dass, in meinem Wunsche, mit der Nachbarschaft gut auszukommen, und mir Hilfsbereitschaft wichtig ist, ich der alten Dame immer wieder meine Hilfe bei allem Möglichen angeboten habe. Und darüber, dass sie mir vorschreiben möchte, welche Sträucher ich wie hoch zu schneiden und welche ich wachsen zu lassen habe, gehe ich höflich hinweg.
Eigentlich ist es mir sehr unangenehm, derart pedantisch auf kleinkariertem Niveau zu berichten. Wenn wir uns begegnet sind, habe ich das auch verschwiegen, wie ich mich teilweise unglücklich in dieser Hausgemeinschaft fühle, die alles andere als eine Gemeinschaft darstellt.
Schade ist es, dass Sie offensichtlich gleich bei der Eigentümerversammlung gegen mich Stellung bezogen haben, anstatt erst ein Gespräch mit mir anzustreben.
Nun warte ich Ihr Schreiben mit der Verurteilung ab.
In der Hoffnung, dass wir uns gegenseitig verstehen können verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
Ihre Mieterin