Durch Zufall haben wir zwei Freikarten für das Fürstliche Gartenfest bei Langen, bekommen.
Die morgendliche Wetterschau war nicht so berauschend. Es war bewölkt und neblig diesig.
Doch schon auf der Fahrt zum Fest reißen immer öfter die Wolken auf und lassen die wärmenden Sonnenstrahlen durch.
Der riesengroße Park mit dem Schloss Wolfsgarten, wird nur zweimal im Jahr für das Publikum geöffnet. Im Frühling, wenn die 100 jährigen Rhododendren blühen und den Park in einen wahren Blütenzauber verwandeln. Und im Spätsommer, wenn zum fürstlichen Gartenfest geladen wird. Schirmherr ist Moritz Landgraf von Hessen, der dort wohnt und sich auch dem Publikum zeigt.
Der erste Weg führt uns vorbei am Spielhaus der Prinzessin. Es steht einerseits für eine wunderschöne Kindheit, andererseits für eine Familientragödie. Ist doch das Prinzesschen schon ganz jung gestorben und konnte das Haus nur 9 Monate nutzen. Die kleine Gartenanlage um das Häuschen wird auch eine halbe Stunde später geschlossen. Der Fürst hat wohl Bedenken vor der großen Menschenmenge, die alle in den kleinen Garten strömen und neugierig durch die kleinen Fenster des Spielhauses schauen, hinein, wo noch Teddys und Puppen sitzen und darauf warten, bespielt zu werden.
Im hinteren Teil des Gärtchens lesen wir an Hand vieler kleiner Grabsteine, hier liegen die Hunde, meist Möpse, der fürstlichen Familie begraben. Der letzte Grabstein wurde 2008 gesetzt.
Weiter geht es an den vielen Verkaufsständen vorbei.
Außer den Pflanzen, die von den verschiedensten Staudengärtnereien angeboten werden, wird ein besonderes Augenmerk auf Accessoires, Kreatives für den Garten, Möbel, aber auch Gartengestaltung selbst, gelegt.
Steingärten, Schilfgärten, Teichanlagen, Minigartenbepflanzung, japanische Gärten, Bonsaigestaltung .Aber auch alles rund um den englischen Garten, mit seiner verspielt, rosenbetonten Note.
Stoffe, Kissen, sogar Hüte, als sei man in Ascot beim Pferderennen.
Daneben auch die passende Kleidung des englischen Landbesitzers. Barbourjacken, edle Gummistiefel (denen man das Gummi nicht ansieht), Schals, Taschen….und andere, modische Accessoires.
Natürlich wird auch für das leibliche Wohl gesorgt.
Ob es die eher feine Art von Salaten mit Scampies oder Steak ist, oder die Bratwurst vom Grill.
Ob man an den Ständen des biologischen Anbaus, Traubenkernöl mit Brotstückchen testet, getunkt in Bärlauchpesto oder anderen Pestos…oder nordafrikanischer Gewürzmischung.
Da der Landgraf auch ein Weingut im Rheingau besitzt, werden auch edle Weine kredenzt.
Eisgekühlter Datteltee, heißer, arabischer Mokka, dazu arabische Süßigkeiten und Waffeln….etwas weiter weg der Holländer aus Emmerich, der Gewürz- und Honigkuchen anbietet und nach der Jahreszahl des Westfälischen Friedens fragt. Fredi kennt sich aus und bringt ihn mit der Auskunft 1648 wohl aus dem Konzept…schmunzel.
Zum Lachen bringen uns die drei „ Alten Männer „ aus dem Wiener Musik – und Maskentheater, die sich, Leiterwagen ziehend, unters Volk mischen und miteinander lebenswichtige Themen diskutieren.
Wir bekommen nur noch mit, es geht um Aromisierung…nein Atomisierung….nein Amortisierung….nein Amor.
Auch der Pfeil des Amors ist wohl immer daneben gegangen. Sollte er aber doch noch mal treffen, bitte nicht in die Haare…sagt der eine ältere Mann und streicht über die paar Haarsträhnen.
Mittlerweile knallt die Sonne ganz schön. Wir haben uns gestärkt und überlegen, die überflüssigen Kleidungsstücke, wie Jacket und Schal, sowie das Eingekaufte ins Auto zu legen um hinterher leichter durch die Verkaufsstände zu bummeln.
Am Ausgang bekommen wir einen Stempel auf den Handrücken, damit wir auch wieder in den Park dürfen. Am Parkplatz sehen wir, wie lauter Pferdeanhänger mit dem Autokennzeichen LDK rein fahren. Wir schauen ins Programmheft und erfahren, um 16.30 Uhr gibt es eine große Attraktion. Die Taunus Meute, 8 Jagdpferde mit Reiter, sowie 25 Foxhounds, werden eine Schauschleppe vorführen und dem Publikum die Jagdreiterei zeigen.
Natürlich darf die passende Musik dazu nicht fehlen und so haben die Hornbläser auf der großen Wiese vor dem Schloss schon Aufstellung genommen, um die Jagdfanfaren zu blasen.
Nach der Vorführung werden wir auch Zeuge des Abschlussrituals. Die Fütterung der Hundemeute. Sie bekommen riesige Pansenstücke auf die Wiese geworfen und die artigen, erzogenen Hunde zeigen ihren wölfischen Ursprung. Da wird sich um die Futterstücke gestritten, Geknurre und Gebeiße. Zwischendurch muss mit der Peitsche dazwischen gegangen werden, wenn die Kontrahenten in ihrem Futterneid zu böse aufeinander werden.
Mittlerweile ist schon später Nachmittag. Unsere Füße tun uns weh und die vielen Eindrücke haben uns müde werden lassen. Jetzt wollen wir nur noch heim und es wird auch höchste Zeit.
Denn trotz Sonnenscheins fallen die ersten Regentropfen. Um uns herum überall dunkle Wolken. Auf der Heimfahrt begleitet uns ein wunderschöner Regenbogen und beendet diesen Tag mit der Aussicht auf eine Wiederholung im nächsten Jahr.
Erinnert werden wir immer an diesen Tag durch das Pampasgras, das wir dort gekauft haben und das in Fredis Garten sein neues Zuhause finden wird.
Marlies
Link zum Fotoalbum:
http://www.platinnetz.de/album/das-fuerstliche-gartenfest-617823
